Deezer im Test: Mobile Vielfalt, Web-Interface, große Auswahl (Streaming-Dienste Teil 1)

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Im ersten Teil unseres Musikdienste-Tests widmen wir uns dem französischen Anbieter Deezer, der 18 Millionen Songs auf u.a. Mac, PC, iOS und Android verspricht. Was kann die Anwendung, wie gut ist die Qualität, was sind die Besonderheiten?

Deezer – wer und wann?

Zunächst ein kurzer Blick auf die Hintergründe: Der französische Musikdienst Deezer wurde im August 2007 von Daniel Marhely, der heute noch CTO ist, gegründet – zunächst als rein webbasierter Such- und Abspieldienst, der durch Werbung finanziert wurde. Ein Vorläufer namens Blogmusik.net startete 2006, aber war im Februar 2007 von der französischen GEMA, der SACEM, gestoppt worden. Deezer ging dann mit Zustimmung der Verwertungsgesellschaft online, Verträge mit den Major-Labels und Indie-Vertrieben folgten. Seit Ende 2009 gibt es Deezer auch als Premium-Version mit Apps für u.a. iPhone und iPad (siehe unten). In Deutschland ist Deezer laut Wikipedia seit dem 16. Dezember 2011 verfügbar.

Lest zu dem Thema auch: Deezer: Alle Kosten in der Übersicht

Nutzungsmodelle

Der kostenlose Zugang auf der Webseite erlaubt das Suchen in der Deezer-Sammlung und das Anhören von je 30 Sekunden pro Song (entspricht also Amazon oder iTunes – ist also im Grunde nutzlos). Wer Deezer richtig nutzen will, braucht zur Anmeldung ein Facebook-Konto. 15 Tage kann man die Premium-Versionen gratis testen, dann kostet die normale Premium-Variante 4,99€ pro Monat. Wer die Musik auch auf seinem Smartphone, iPad etc. mitnehmen oder überhaupt offline hören will, greift zum Premium+-Modell für 9,99€ monatlich. Das entspricht ziemlich genau den Tarifen der Wettbewerber, beispielsweise Spotify, Simfy, Napster, rara oder Wimp.

Deezer am PC und Mac – Funktionalität und Besonderheiten

Deezer funktioniert direkt im Browser, läuft also im Prinzip unabhängig vom Betriebssystem. Wer einen Account hat, kann also auch im Internet-Café, auf Arbeit oder auf Reisen den Dienst nutzen. Für den Offline-Modus am Rechner muss allerdings Google Chrome installiert werden (!) – für die Offline-Nutzung an mobilen Geräten natürlich nicht. So sieht die Oberfläche aus:

deezer funktionen screenshot

Der Player ist oben im Browserfenster angesiedelt, in der linken Spalte verwaltet man die eigenen und abonnierten Playlists, Alben etc., in der rechten Spalte kann man mitverfolgen, was die Facebook-Freunde so hören und machen. Apropos Facebook: Genau wie bei Spotify postet Deezer in der Grundeinstellung fröhlich in der eigenen Timeline, was man so hört. Das lässt sich natürlich auch abschalten: Rechts oben verbergen sich hinter dem eigenen Profilfoto die Konto-Einstellungen.

Aber sehen wir uns die Funktionen einmal an. Neben der einfachen Suche nach Künstler, Song und Alben gibt es oben die Grundnavigation:

deezer-test-funktionen

“News” bezeichnet dabei eine Art redaktionellen Einstieg: Unterteilt in 10 Genres werden je die aktuellsten Veröffentlichungen präsentiert, außerdem die Top-Titel.

“Meine Musik” ist im Prinzip die eigene Musik-Sammlung – der Ort, an dem man Playlisten und Lieblings-Alben findet und verwaltet.

Deezer enthält außerdem eine “Radio”-Funktion. Wie etwa bei Last.fm kann man hier anhand eines ausgewählten Künstlers einen Stream mit ähnlicher Musik anhören, oder ein Genre-Radio (Soul, Metal, Britpop etc.) auswählen.

Qualität und Masse

Deezer verspricht eine Sammlung von 18 Millionen Titeln. Es bestehen Verträge mit allen Major-Labels, und in unserem Repertoire-Test bekamen wir die internationalen Top-Acts vollständig geliefert. Für deutsche Acts konnten wir festellen, dass etwa der Rap-Durchstarter Cro erst einige Tage nach seinem Charts-Höhenflug auf Deezer auffindbar war. Andere Beispiele sind die Toten Hosen oder die Ärzte, deren Songs genau wie auf Spotify nicht verfügbar sind. Weitere deutsche Acts, darunter auch viele kleine und kleinste Indie-Bands, finden sich dagegen anstandslos im Katalog.

Weitere Stichproben: Bei Joey Ramone ist das neueste Album noch nicht enthalten, und bei Weezer fehlt einfach mal ein Album (nämlich das Grüne) – dabei hätte man bei dem Namen Deezer erwartet, dass doch wenigstens Weezer komplett sind…

Und Hörbücher bei Deezer? Leider so gut wie Fehlanzeige. Es gibt fünf Titel (Wilhelm Busch…), das war’s dann.

Eine repräsentatives Bild einer Vollständigkeit geben diese Stichproben nicht – die meisten Charts-Titel und denkbaren Künstler sind vertreten. Der Vorteil von Deezer ist, dass man auch ohne Account schon mal die Sammlung durchsuchen kann, ob sich die eigenen Interessen darin wiederfinden.

In Sachen Audioqualität verspricht Deezer den Spitzenwert von “bis zu 320 kb/s”. Das bleibt vage und konnte in unserem Test auch nicht verifiziert werden – auf jeden Fall stießen wir auf keine deutlich schlechte Kompression.

Deezer bietet im Developer-Bereich auch verschiedene Plugins bzw. Widgets an. So kann man beispielsweise einen Player mit einer Playlist oder einem Album in die eigene Seite einbinden:

Apps und Geräte

deezer iphone
Für mobile Nutzung deckt Deezer eine weite Palette ab: Im Smartphone-Sektor werden neben iOS, Android und Windows Phone 7 auch diverse Geräte von Blackberry, Nokia, Samsung und Sony Ericsson unterstützt (hier die komplette Liste). Für Nutzer der “kleinen” Betriebssysteme könnte das also durchaus ein Argument für Deezer sein. Tablet-PCs haben dank des Browser-Zugangs auch kein Problem mit der Deezer-Nutzung (sofern der Browser Flash beherrscht), für das iPad gibt es eine eigene HD-App. Im Bereich der Mediaboxen ist Deezer ebenfalls vertreten und mit folgenden Geräten kompatibel: Der Logitech Squeezebox, Sonos-Systemen und Philips IPTV.

Die Oberfläche der App (im Bild: für iPhone) ist schlicht und übersichtlich, im Prinzip verbergen sich hinter den Menüpunkten dieselben Funktionen wie bei der Browser-Version. Für die Offline-Nutzung kann man bei jedem Album, jedem Song und jeder Playlist einen Knopf drücken, um die Songs herunterzuladen. Dabei empfiehlt es sich, den Download natürlich schon im WLAN vorzunehmen.

Mehrfachnutzung

Eine gleichzeitige Nutzung an verschiedenen Devices ist bei Deezer nicht vorgesehen. Wer gerade auf dem Smartphone etwas abspielt, und gleichzeitig am Computer einen Song in Deezer startet, stoppt damit die Ausführung auf dem Telefon. Die Offline-Nutzung funktionierte allerdings bei unserem Test mit einem Account auf mehreren Geräten (iPhone, iPad, PC).

Deezer-Test: Fazit

PRO: Umfangreiche Musik-Sammlung, mobile Apps auch für Nischensysteme, Browser-Zugang
CONTRA: Anmeldung nur mit Facebook, Offline-Nutzung am Rechner nur mit Chrome

Deezer ist als erster Teilnehmer unseres Musik-Dienste-Tests (hier die Übersicht) eine solide Lösung. Eine nominell große Auswahl und gute Soundqualität sprechen für den französischen Anbieter, Wermutstropfen sind die vorgeschriebene Facebook-Verbindung und die Chrome-Pflicht bei Offline-Nutzung am PC. Der Zugang über den Browser ist auch Geschmackssache – ob man die Musik lieber über eine eigene Desktop-Anwendung startet oder nicht. Insbesondere für Besitzer von Nischen-Smartphones ist das Angebot definitiv einen Blick wert und löst das ein, was eine solche Flatrate verspricht – direkten Zugriff auf Millionen Songs, von Computer und Smartphone aus.

Hier geht’s zu Deezer.com.

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