Flappy Bird: Der kurze Höhenflug eines viralen Trends

Tuan Le
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Unverständnis, Verärgerung und mitunter auch Verzweiflung – das waren die Emotionen, die der rasante Aufstieg und plötzliche Fall von Flappy Bird im Jahr 2013 bei vielen Nutzern verursachte. Das extrem schwere Spiel schaffte es innerhalb von kurzer Zeit, sämtliche App-Charts zu erobern, bis es eines Tages nach einer Ankündigung des Entwicklers von der Bildoberfläche verschwand. Doch was bewegt jemanden dazu, Einnahmen von rund 50.000 US-Dollar pro Tag einfach aufzugeben?

Flappy Bird: Der kurze Höhenflug eines viralen Trends

„I cannot take this anymore” – Ich ertrage das einfach nicht mehr. Das waren die Worte, mit denen der Entwickler des einfach zu spielenden, schwer zu meisternden und doch so süchtig machenden Spiels Flappy Bird auf Twitter die Entfernung des Spiels aus allen Stores verkündete. Was genau Dong Nguyen nun nicht mehr ertragen konnte blieb lange Zeit ein Mysterium. Gerüchte um rechtliche Schritte durch Nintendo, Morddrohungen oder gar zu einem Selbstmord waren im Umlauf, ebenso die Behauptung, dass es sich nur um einen PR-Schachzug handle, um die Downloads von Flappy Bird nochmals in die Höhe zu treiben. Dem Wortlaut des Tweets des Entwicklers, dass er mit dem großen Erfolg seines Spiels nicht mehr zurechtkomme, schien niemand glauben zu wollen – wenig verwunderlich, denn bei Einnahmen von mehr als 50.000 US-Dollar pro Tag wäre die unerwartete Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit für die meisten vermutlich ein akzeptables Übel.

Flappy-Bird-Entwickler-Dong-Nguyen-Foto

In einer Reportage des Rolling Stone erfuhr man schließlich mehr über die Geschichte von Flappy Bird und auch den Werdegang von Dong Nguyen selbst. Erstmals in Kontakt mit Videospielen geriet der junge Mann durch einen Nintendo-Klon, im Alter von 16 Jahren programmierte er dann sein erstes eigenes Schachspiel. Kurz darauf wurde er bei dem vietnamesischen Spielehersteller Punch Entertainment eingestellt, welches Spiele für Handys herstellte. Das Interesse verlor Nguyen dort aber schon nach kurzer Zeit und mit der Veröffentlichung des iPhones wandte sich sein Interesse zu Spielen mit Touchbedienung. Den ersten Bestseller in diesem Genre, Angry Birds, kritisierte Dong Nguyen aufgrund einer zu komplizierten Steuerung und zu komplexer Grafiken. Sein Ziel war es, ein möglichst schweres Spiel zu erstellen, welches man dennoch mit nur einer Hand problemlos bedienen konnte und neben Flappy Bird entwickelte er auch Shuriken Block mit ähnlichem Hintergedanken.

Flappy Bird wurde zu Beginn von den Nutzern völlig ignoriert

So rasant wie der Aufstieg von Flappy häufig dargestellt wird, war der Erfolg des Spiels zunächst allerdings nicht. Als Flappy Bird im Mai 2013 auf den Markt kam, war das Interesse der Nutzer gleich 0. Umso überraschender war es, als am Ende des Jahres 2013 plötzlich in sämtlichen Medien die Rede von dem Spiel war und mehr als 16 Millionen Tweets zu dem Spiel gepostet wurden. Schnell standen auch die internationale Presse und Paparazzi vor der Tür seines Elternhauses, bis heute ist Nguyen bei einem Freund untergetaucht und plant, sich zukünftig ein neues Appartement zuzulegen.

Auch nach der Entfernung aus den App Stores erzielt Flappy Bird Gewinne

Finanziell dürfte Nguyen keine Probleme mehr haben: Auch lange nach der Entfernung aus den App Stores generierte Flappy Bird mehrere zehntausend Dollar am Tag durch Werbeeinnahmen. Auch heute gibt es unter iOS (sofern man das Spiel nie deinstalliert hat) sowie Android (über die APK-Installation) noch die Möglichkeit der Sucht zu erliegen. Wirklich große Sprünge hat sich Nguyen aber nicht erlaubt, seinen neu gewonnenen Reichtum verwendete er zunächst nur für den Kauf eines neuen Mac und das Einladen seiner Freunde zu Tee und Hühnereintopf – nicht gerade passend zum mitunter in der Presse kursierenden Bild des eiskalt kalkulierenden Spiele-Entwicklers.

Die Gründe für das Ende von Flappy Bird

Was trieb Dong Nguyen aber nun zur Aufgabe von Flappy Bird? Nicht nur die ständige Belauerung durch die Presse habe ihn gestört, sondern auch zahlreiche Nachrichten von Personen, die durch das Spiel ihr reales Leben vernachlässigten. Nguyen selbst gab an, während seiner Schulzeit durch Counter-Strike zu sehr abgelenkt worden zu sein und dass er aufgrund eigener Erfahrungen solche Nachrichten sehr ernst nehme – tatsächlich zeigte er beim Interview sogar einige auf seinem iPhone gespeicherte Meldungen über nachlässige Mütter und wütende Schulkinder, die wegen Flappy Bird ihr Smartphone zerschmettert hatten.

Swing Copters: Ein Comeback, das eher ein Neuanfang war

Swing Copters
Swing Copters erreichte nie auch nur annähernd die Beliebtheit von Flappy Bird.

Im Jahr 2016 scheint die Internetgemeinschaft nur noch eine vage Erinnerung an den Hype zu haben, den Flappy Bird seinerzeit auslöste. Nach dem Ende von Flappy Bird wurde noch eine ganze Lawine von Nachahmern losgetreten, ehe sich das Interesse der Nutzerschaft an dem Spiel endgültig legte. Der Entwickler selbst brachte mit Swing Copters 2014 ein weiteres Spiel auf den Markt, das nach 2 Jahren 5 Millionen Downloads im Play Store für sich verbuchen kann.

Das virale Potenzial erreichte Dong Nguyen mit seinen Spielen aber nie wieder: Schließlich hat Flappy Bird innerhalb von kurzer Zeit nach der Hypewelle mehr als 50 Millionen Downloads insgesamt für sich verbuchen können. Swing Copters 2 ist Ende 2015 erschienen und kann bisher nur 50.000 Downloads für sich verbuchen. Vermutlich ist der Entwickler aber selbst sehr glücklich darüber, dass die Aufregung um den kleinen gelben Vogel mittlerweile endlich ein Ende genommen hat.

Quelle: Rolling Stone

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