Pigment und Farbstoff: Zwei schwarze Patronen im Tintenstrahler

Tizian Nemeth
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Bei manchem neuen Tintenstrahldrucker kommt man nach dem Öffnen der Abdeckung ins Stutzen: Da finden sich neben den bunten Farbtintenbehältern zwei mit schwarzem Inhalt. Bei einigen Druckeranbietern sind die Tintentanks mit  schwarzer Farbe von unterschiedlicher Größe, bei anderen gleichen sie sich wie ein Ei dem anderen. Aber warum sind die zwei denn überhaupt notwendig?

SchwarzWeisMagazin

Der Grund dafür liegt in der Art der Tinte: Während sich in dem einen Tintenbehälter Farbstofftinte (Dye) befindet, enthält der andere schwarze Pigmenttinte. Farben für den Tintendruck lassen sich unter anderem unterteilen durch die Art der verwendeten Farbpartikel: Farbstoffe in Lösungen oder Pigmente als Dispersionen. Daneben gibt es noch Sonderformen, in denen harzummantelte Pigmente verwendet werden, die nach dem Auftreffen auf dem Trägermaterial polymerisieren. Diese spielen hier aber keine gewichtige Rolle.

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Pigmenttinten bestehen – wie der Name bereits verrät – aus Pigmenten. Dabei handelt es sich um farbige organische und anorganische Substanzen, die kristalline Strukturen aufweisen.

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Durch ihre Unlöslichkeit sind Pigmenttinten wasserfest, außerdem sind sie UV-beständig und eignen sich durch diese beiden Merkmale auch für Außenanwendungen. Diese Vorteile sind aber auch bei Dokumenten von großem Nutzen, die man nicht an die frische Luft hängt. So sorgt das pigmentierte Schwarz auch auf Normalpapier für wischfeste und wasserbeständige Ausdrucke, HP nennt das beispielsweise “ColorLock”. Zudem sind die Textausdrucke denen eines Laserdruckers recht ähnlich: Die Ränder der Buchstaben weisen scharfe Konturen auf und sind nicht verlaufen. Ein Grund dafür ist, dass diese Tinten an der Oberfläche des Papiers haften und nur wenig in das Blatt eindringen.

Spezielle Kombinationen von Tinte, Medium und gegebenenfalls Laminat ergeben Haltbarkeiten von mehreren Jahrzehnten, aber auch ohne diese erhalten die Texte über einen langen Zeitraum ihre Farbintensität und verblassen nicht bis zur Unkenntlichkeit.

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Einige Drucker wie der Officejet Pro 8500 Wireless arbeiten ausschließlich mit Pigmenttinten, die dann auch mit pigmentierten Cyan-, Gelb- und Magenta-Farben bunte Ausdrucke mit langer Haltbarkeit erstellen.

Das Schwarz aus der Pigmentpatrone ist jedoch nicht für den Fotodruck geeignet, da zum einen der Farbraum pigmentierter Tinten etwas geringer als der von Farbstofftinten ist, was auch an der schlechten Mischbarkeit liegt. Zum anderen führt ein hoher Gesamtfarbauftrag bei Papieren mit einer glänzenden Oberfläche zu matten Glanzerscheinungen, die den Bildeindruck stören können. Zudem tritt häufig ein Metamerie-Effekt auf. In diesem Fall sieht das Schwarz bei bestimmten Lichtverhältnissen zum Beispiel dunkelblau aus. Aus diesen Gründen verbauen Hersteller vor allem in Druckern für den Fotodruck eine zweite Patrone mit sogenanntem Fotoschwarz.

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Diese Farbstofftinte basiert im Vergleich zu der Pigmenttinte auf gelösten Farbstoffen und soll in das Papier eindringen, ohne dabei seitlich zu verlaufen. Es gibt Varianten mit einer erhöhten Lichtbeständigkeit, die sich besonders für den hochwertigen Bilderdruck eignen. Der Farbraum der farbstoffbasierten Tinten ist durch die unendliche Mischbarkeit groß; auf den entsprechenden Medien gedruckt ergibt sich nahezu ein fotorealistischer Eindruck. Farbstofftinten werden fast ausschließlich im Innenbereich eingesetzt.

Während der Drucker also bei Texten auf den Behälter mit der Pigmentfarbe zugreift, verwendet er bei Fotos die Farbstofftinte. Dank der separaten Tintenpatronen muss der Anwender zudem nicht permanent schwarze Tinte nachkaufen, was im Falle eines einzigen Tintenbehälters sowohl für Texte als auch Bilder notwendig wäre. Ein leerer Tintenbehälter mit schwarzer Farbe lässt sich nicht gegen den anderen auszutauschen: Dies kann im schlimmsten Fall sogar zu einem unbrauchbaren Drucker führen.

Tinte für Schwarz-Weiß-Drucke

Während der Drucker bei farbigen Bildern auch aus den übrigen Farben Schattierungen von Schwarz zusammenmischt, profitieren vor allem auch Liebhaber der Schwarz-Weiß-Fotografie von der zusätzlichen schwarzen Farbstofftinte. Druckt man normalerweise ein Schwarz-Weiß-Bild bei aktiviertem Vollfarbendruck, dann mischt der Druckertreiber die unterschiedlichen Graustufen aus den cyan-, magenta- und gelbfarbenen Tinten.

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Allerdings führt dies aufgrund unzureichender Farbbalance häufig zu ungewollten Farbstichen, die der Anwender manuell im Druckertreiber korrigieren muss. Zudem ist eine Vielzahl an Probedrucken notwendig, die aufgrund der verbrauchten Tinten schnell ins Geld gehen. Im Schwarz-Weiß-Druckmodus verwendet der Drucker nur schwarze Tinte. Hierbei erhält man vor allem ansprechende Ergebnisse, wenn der Drucker mit einer Auflösung von mehr als 2.500 dpi arbeitet.

Fotoprofis, die ihre Schwarz-Weiß-Bilder auch ausstellen, setzen auf zusätzliche Grautinten in ihrem Drucker. Die verschiedenen Grautinten befinden sich entweder in den Tintenkammern, die eigentlich für die farbigen Tinten bestimmt sind, oder der Drucker bietet zusätzliche Tintenbehälter, wie etwa der HP Photosmart Pro B9180. Der Vorteil: Die hellgrauen Druckpunkte sind auf dem weißen Papier kaum sichtbar, wodurch die Drucke einen wesentlich angenehmeren Eindruck erzeugen als bei einem normalen Druck mit schwarzer Tinte.

Farbunterschiede beim Tintendruck

Stellt man beim Tintendruck Farbunterschiede fest, hat dies in der Regel zwei Ursachen: Entweder man verwendet Tinten eines anderen Herstellers oder ein anderes Druckerpapier. Die besten Ergebnisse wird man im Allgemeinen mit den vom Druckerhersteller empfohlenen Materialien erzielen, wobei die Tinte den größten Einfluss auf die Farbgebung hat. Original-Tinten eines Herstellers unterliegen im Allgemeinen geringeren Fertigungsschwankungen im Farbstoffgehalt und hinsichtlich anderer Komponenten. Der Einfluss des Druckmediums ist allerdings meist ebenfalls deutlich sichtbar.

Teaserbild: Uqbar is back, “capable”. Some rights reserved. Flickr.

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