User Generated Content - Das WWW-Selbstbau-Kit

Leserbeitrag
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(Vio) Passives Surfen war gestern – heute bewegen wir uns im Web 2.0. Das heißt: Wir lesen und betrachten nicht nur Dinge, die andere veröffentlich haben, sondern tragen selbst mit Blogs, Websites, Profilen, Bildern, Videos dazu bei, das WWW zu gestalten. Wie sieht also das Internet der Zukunft aus? Und wie wird die Entwicklung von den Giganten unter den Internet-Unternehmen wahrgenommen?

User Generated Content - Das WWW-Selbstbau-Kit

Die DLD Conference bestach auch am Dienstag nicht nur durch die Wahl der Themen, sondern auch durch die Präsenz hochkarätiger Referenten. Im Panel “Exploding Media” unterhielten sich Web-Stars wie Marissa Mayer (Vicepresident of Google), Brad Horowitz (Yahoo!), Peter Hirshberg (Direktor der Blog-Suchmaschine Technorati) sowie Clay Shirky (New York University) und Jeff Jarvis (Gründer von “Entertainment Weekly” und Buzzmachine.com).

Marissa Mayer, die wohlgemerkt mit erst 32 Jahren Vizepräsidentin des Mega-Unternehmens Google ist und maßgeblich an der Gestaltung der Suchmaschine sowie von Google News, Google Mail und Orkut beteiligt war, demonstrierte anhand von Google Earth und Google Maps, in welchem Ausmaß heutzutage User das Web selbst gestalten. Ihr Unternehmen liefere dabei eigentlich nur die Plattform und das möglichst leicht zu bedienende Tool – während jeder Normalsterbliche dies für sich nutzen und eigene Kartendetails, Fotos, Routen und Wegmarken hinzufügen könne. Google, so Mayer, sieht sich also in der Hauptsache als Anbieter von Möglichkeiten, ohne dem User dabei vorzuschreiben, welchen konkreten Content er beitragen solle.

Auch Brad Horowitz, der unter anderem den Kauf von Flickr durch Yahoo! in die Wege leitete, sprach von der Philosophie, dass heute jeder das Internet auf seine ganz persönliche Weise nutzen möchte. Wenn man auf Flickr ein Foto zu seinen Favoriten hinzufüge, so tue man dies schließlich aus persönlichem Geschmack heraus, und nicht weil irgendwer anders festgelegt habe, dies sei ein gutes Foto. In diesem Zusammenhang beschäftige man sich bei Yahoo! zunehmend mit der sozialen Komponente des WWW, das immer mehr zur Plattform für Interessensgemeinschaften und Communitys werde.

Auch die Redner Clay Shirky und Peter Hirshberg verwiesen auf den Fakt, dass Nutzer heute erwarten, sich ihre ganz persönliche Version des Internets schaffen zu können. Was Shirky allerdings für wesentlich spannender hält, ist die Macht, die jeder einzelne Mensch durch das Internet erhalten kann. Heute hat jeder eine Stimme, kann abseits der früheren Massenmedien auf Missstände, politische Konflikte oder persönliche Interessen aufmerksam machen. Als die wohl irrwitzigste Form dieser Macht-für-Jedermann erinnerte Clay beispielsweise an die Flashmob-Bewegung vor einigen Jahren. Auch Horowitz sprach von einer “Demokratisierung” des Internet, da der Content immer mehr von der Masse der User statt von einigen wenigen Firmen bestimmt werde.

Was bleibt, ist natürlich die Frage, inwieweit die Masse des User Generated Content auch Klasse hat. Können wir darauf vertrauen, dass von anderen gesetzte Wegmarken auf Google Maps stimmen? Woher wissen wir, ob ein Blogger die Wahrheit sagt? Wie wollen wir kennen, ob ein brisantes Bild auf Flickr vielleicht per Photoshop geschickt manipuliert wurde?
Hinsichtlich der Verantwortung, die sowohl jeder User als auch die Web-Giganten übernehmen müssen, gäbe es sicherlich noch viel zu diskutieren. In jedem Fall wird es auch in der näheren Zukunft spannend sein, zu sehen, wie sich das Web unter dem Einfluss unzähliger kreativer Nutzer verändern wird – und wie die Industrie darauf reagieren wird.

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