Google Music: Testbericht zur Beta von Googles Cloud-Musikdienst

Über den Cloud-basierten Musikdienst von Google, der im Zuge der Google I/O vorgestellt wurde, haben wir bereits berichtet. Bisher haben sich die Berichte jedoch immer auf die Erfahrungsberichte anderer Nutzer stützen müssen, da der Dienst nur einer kleinen, ausgewählten Gruppe vorbehalten war. Durch eine Verkettung glücklicher Zufälle haben wir jetzt aber doch die Möglichkeit, den Dienst aktiv zu nutzen und da wollen wir euch natürlich einen eigenen Testbericht nicht vorenthalten.

Google Music: Testbericht zur Beta von Googles Cloud-Musikdienst

Vorgeschichte

Viele werden sich jetzt Fragen, wie ein Redakteur eines deutschen Android-Blogs an einen der begehrten Plätze im Google Music Beta-Test kommen kann — diese sind doch eigentlich Besitzern des Motorola XOOM beim amerikanischen Mobilfunkanbieters Verizon vorbehalten. Das Motorola XOOM, das uns Sascha von Netbooknews netterweise für unseren Testbericht geliehen hatte, war genau eines dieser Verizon-Modelle. Auf diesem war ich natürlich mit meinem privaten Google-Konto angemeldet und da Google bekanntlich nichts vergisst, hatte ich aus heiterem Himmel eine Einladung für den Beta-Test in meinem Postfach. Nach einigen Klicks stellte sich dann heraus, dass die anfänglichen Zweifel unbegründet waren und ich tatsächlich am Beta-Test teilnehmen kann. Zwar habe ich das XOOM nicht mehr und kann die Music App nicht aus dem Market runterladen, da diese nur für amerikanische Android-Nutzer verfügbar ist, aber die geleakte Music APK aus dem XDA-Developers –Forum funktioniert einwandfrei.

Was ist denn so toll an dem Dienst? Für jemanden, der nur wenig Musik hört wahrscheinlich nicht viel. Wer aber wie ich den Großteil seines Daseins damit verbracht hat, intensiv Musik zu konsumieren und anzuhäufen, kann vielleicht nachvollziehen, dass es ziemlich verlockend klingt, seine gesamte Sammlung nicht nur auf einem Gerät mit sich rumzutragen, sondern von jedem Gerät, das mit dem Internet verbunden ist, auf diese zugreifen zu können.

Musik hochladen

Bevor man den Dienst aber nutzen kann, muss man die Musik in die Cloud hochladen. Dafür hat Google eigens ein kleines Programm erstellt: Den Music Manager. Leider muss ich an dieser Stelle bereits mit der Kritik beginnen, denn der Music Manager ist nicht gerade ein Paradebeispiel in Sachen Nutzerfreundlichkeit. Man kann entweder die gesamte Musiksammlung aus iTunes oder dem Windows Media Player importieren, oder den Musik-Ordner unter Windows übernehmen. Da meine Musiksammlung über 16.000 Songs umfasst habe ich mich aus Zeitgründen für die dritte Option entschieden, nur bestimmte Ordner auszuwählen. Leider kann man immer nur einen Ordner wählen, und kann keine Unterordner ausschließen. Dieser Vorgang könnte deutlich nutzerfreundlicher gestaltet werden.

Ein weiteres Problem ist die Übertragungsdauer. Diese hängt natürlich stark von der vorhandenen Datenleitung ab, aber Google hätte den Vorgang dadurch beschleunigen können, indem Dateien, die bereits von anderen Nutzern hochgeladen wurden einfach gespiegelt werden, wie es zum Beispiel bei Dropbox oder zukünftig bei Apples iCloud gemacht wird. Dadurch hätte der wirklich sehr zeitintensive Upload-Prozess deutlich beschleunigt werden können.

Google Music unterstützt derzeit folgende Audio-Formate: MP3, AAC, WMA und FLAC. Alle anderen Formate, vor allem Apples DRM und Lossless-Dateien, werden nicht angenommen. Audiophile Musikliebhaber werden sich erschüttert abwenden, wenn sie rausfinden, dass FLAC-Dateien auf 320 kb/s runtergerechnet werden. Ich denke, dass diese Tatsache dem Normalnutzer ziemlich schnuppe sein dürfte, aber es soll ja Menschen geben, die das Gras wachsen hören können. Auf der anderen Seite ist fraglich, ob es besonders sinnvoll ist, einen Song mit 20 MB über die mobile Datenverbindung zu streamen.

Musik hören

Wenn man erst mal die ersten Songs auf die Google Server übertragen hat, stehen sie umgehend online zur Verfügung. Nun hat man mehrere Möglichkeiten diese Musik zu konsumieren:

Web-Browser

Wenn gerade kein Android-Smartphone oder Tablet zur Hand ist, man aber vor einem Computer sitzt, kann man bequem über den Webbrowser auf seine Musiksammlung zugreifen. Das Interface ist hier sehr aufgeräumt und übersichtlich. Neben den üblichen Sortiermöglichkeiten (Alben, Interpreten, Songs, Genres und kürzlich hinzugefügt) kann man Titel per „Daumen hoch“ oder „Daumen runter“ bewerten und Playlisten erstellen und diese natürlich auch anhören. Außerdem kann man die Dateiinformationen gegebenenfalls ergänzen, wobei es hier schade ist, dass dies nicht automatisch passiert. Einige Album-Cover wurden sogar komplett falsch zugeordnet.

Die Instant Mixe sollen übrigens als Gegenstück zu Apples Genius-Funktion fungieren und das tun sie auch recht gut. Welche der beiden Funktionen allerdings besser ist, kann ich noch nicht abschließend beurteilen, da die Anzahl der Songs in Google Music noch deutlich kleiner ist, als die in meiner iTunes-Sammlung.

Android-Gerät

Wir kommen jetzt zum eigentlichen Sinn und Zweck von Google Music, die gesamte Musik immer und von jedem Gerät in der Cloud hören zu können. Sowohl auf Tablet als auch Smartphone hat man die Möglichkeit, die Musik entweder im Stream zu hören, oder einzelne Songs und ganze Alben an das Gerät „anzuheften“, also runterzuladen, um sie auch offline genießen zu können. Das funktioniert auch wirklich gut, selbst bei langsamen Verbindungen. Da mobile Datenflatrates selbst bei Smartphone-Nutzern noch nicht überall verbreitet sind, hat man die Möglichkeit den Stream nur zuzulassen, wenn eine WLAN-Verbindung vorhanden ist. Ansonsten kann man mit jeder Datengeschwindigkeit und ein bisschen Geduld alle Songs ohne Unterbrechung genießen, da sie auf dem jeweiligen Gerät zwischengespeichert werden.

Die App selber ist als Musik-Player leider eher Mittelmaß. Hier hätte Google endlich die Kritikpunkte der Vergangenheit beseitigen und einen konkurrenzfähigen Player präsentieren können, aber die Gelegenheit hat Google leider verpasst. Mit Honeycomb hat sich der Musik-Player zwar schon sehr gegenüber der Smartphone-Version verbessert, aber die Standards wurden von anderen Herstellern deutlich höher gesetzt und der Google-Player bleibt im Mittelmaß stecken. Wünschenswert wären zum Beispiel unterbrechungsfreie Wiedergabe von Alben, bessere Widgets und die Anbindung an Last.fm oder ähnliche Dienste, um nur einige Punkte zu nennen.

Fazit

Google Music hat großes Potential, das leider noch nicht ausgeschöpft wird. Neben dem Music Manager muss vor allem die Music App noch deutlich verbessert werden, um gegen Apples iCloud bestehen zu können. Der Dienst ist im derzeitigen Zustand definitiv nicht schlecht und es ist wirklich toll, die eigene Musik überall und jederzeit hören zu können, auch wenn man sie nicht vorher auf das entsprechende Gerät kopiert hat. Die Möglichkeit, Songs zu kaufen und in den eigenen Cloud-Speicher zu transferieren hat mir persönlich zwar nicht besonders gefehlt, aber Google sollte doch besser versuchen, diese Funktion noch zu integrieren, denn bisher wird man unter dem Punkt „Shop For Artist“ lediglich auf die Google Shop-Suche weitergeleitet, was eher improvisiert wirkt.
Dass Google den Dienst derzeit mit dem Beta-Label versehen hat, ist eine gute Entscheidung. Nur muss der Dienst jetzt auch zügig von den Beta-Krankheiten befreit werden, da die Konkurrenz in Form von Apple, Amazon und einigen anderen nicht schläft. Im derzeitigen Zustand verpasst man bei Google Music noch nicht allzu viel.

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