Bin ich depressiv? Google und Apps bieten Antworten

Marco Kratzenberg
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Die Frage „Bin ich depressiv?“ ist nicht so leicht zu beantworten, wie man denken könnte. Depressionen stellen ein verbreitetes, psychisches Problem dar, das unterschiedlich gut behandelbar ist. Doch vor der Therapie steht die Diagnose und dabei versprechen Google und einige Apps zu helfen.

Symptome wie Trauer und Antriebslosigkeit reichen einigen schon aus, um festzustellen „Ich bin ein bisschen depressiv“. Klinisch betrachtet handelt es sich dabei oft nur um eine Verstimmung, die wieder vorübergeht. Die behandlungsbedürftige Depression geht mit noch viel mehr Symptomen einher und sollte – unter medikamentöser Begleitung – therapeutisch behandelt werden. Doch die wichtigsten Schritte sind dabei die Feststellung der Erkrankung sowie die Entscheidung, Hilfe zu suchen.

Google testet Depression

Derzeit steht der so häufig erwähnte Google-Test auf Depressionssymptome nur US-Bürgern zur Verfügung. Wer auf google.com in den USA nach „depression“ sucht, bekommt automatisch einen Depressions-Test angeboten. Er beruht auf dem sogenannten PHQ-9-Test (Patient Health Questionnaire) und besteht aus 9 Fragen.

Bildergalerie google-depression-test

Anhand dieser Fragen soll festgestellt werden, ob der Befragte unter Depressionen leidet oder Anzeichen dafür zeigt. Das Ergebnis dieses Depressionstests ist ein PHQ-9-Score mit Punktzahlen. Bereits ab 10 Punkten werden Psychotherapien und Antidepressiva Empfohlen. Die Höchstzahl liegt bei 27 Punkten.

Natürlich ersetzt so ein „Test im Vorbeigehen“ keine Analyse, aber wer den Test macht, hat einen der wichtigen Schritte bereits geschafft: Er weiß, dass er sich Hilfe und Rat suchen sollte.

Ob und wann der Test auch in Deutschland verfügbar ist, steht noch in den Sternen.

Den Google Depressions-Test auch in Deutschland machen

Wie erwähnt, steht der Google-Test auf Depressions-Symptome derzeit nur Amerikanern zur Verfügung. Deshalb wird er auch ausschließlich auf Englisch angeboten. Wer den Test trotzdem jetzt schon machen will, für den gibt es eine Möglichkeit.

  1. Öffnet die Google-App auf dem Handy.
  2. Klickt oben auf die drei waagerechten Striche, um das Menü zu öffnen.
  3. Dort wählt ihr den Menüpunkt Einstellungen aus.
  4. In den Einstellungen wird zuerst unter Suchen die Sprache für die Suche auf English (US) geändert.
  5. Danach wählt unter Suchregion die Region Vereinigte Staaten aus.
  6. Schließt die Einstellungen und gebt in das Suchfeld „depression“ ein.

Nun öffnen sich die Suchergebnisse. Unter dem Bild einer Frau findet ihr den Link „Check if you're clinically depressed“. Wenn ihr diesen Link anklickt, müsst ihr die 9 Fragen beantworten und bekommt am Ende als Ergebnis angezeigt wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer klinischen Depression bei euch ist.

Dieser Ansatz ist natürlich sehr einfach und ersetzt keinesfalls eine klinische Diagnose. Aber schon die Art der Fragen erlaubt es such, die Problematik selbst einzukreisen und besser zu verstehen.

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Depression gründlicher und länger testen mit einer App

Die 9 Fragen des Google-Depressions-Tests können nur einen Hinweis geben und vor allem sind sie nicht geeignet, das Auf und Ab der Stimmungen über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Hier helfen Apps wie beispielsweise das deutsche Moodpath. Die kostenlose App ist hundertprozentig anonym und wird persönliche Daten weder erfassen noch weitergeben. Der Ansatz von Moodpath ist der einer regelmäßigen und längerfristigen Kontrolle.

Über vierzehn Tage hinweg meldet sich die App dreimal täglich mit ein paar Fragen zur aktuellen Stimmung und Gefühlslage. Daraus wird eine Statistik erzeugt, die nach diesen zwei Wochen in einen „Arztbrief“ mündet, den ihr als PDF-Datei oder ausgedruckt einem Arzt oder Therapeuten geben könnt.

Diese Art der Voranalyse ist sicherlich hilfreicher als der Depressions-Test von Google. Vor allem der Wechsel der Stimmung über einen längeren Zeitraum kann durch den angezeigten Moodpath („Stimmungsweg“) helfen, dass der Kranke diese Gefühle in Verbindung mit Zeiten und Situationen bringen kann, um ihre Erkrankung besser zu verstehen.

Das Testverfahren wurde zusammen mit dem Arbeitsbereich für Klinisch-Psychologische Intervention an der Freien Universität Berlin entwickelt, wo die App auch getestet und validiert wird. Da haben sich also nicht nur ein paar Programmierer zusammengesetzt und ein paar Quizfragen mit einem Statistikmodul verbunden, sondern die Fragestellungen haben Hand und Fuß. Vermutlich sind sie auch zeitgemäßer als die von Google verwendeten 9 Fragen des schon fast 20 Jahre alten PHQ-9-Tests.

Moodpath: Depression & Burnout Test

Hinweis an unsere Leser

Depressionen sind ernste, behandlungsbedürftige Erkrankungen, an denen der Patient keine Schuld trägt. Niemand muss sich für Depressionen schämen und nach wie vor steht nicht einmal sicher fest, welche Ursachen sie haben. Die Behandlung mit Antidepressiva setzt auf die Behebung eines Stoffwechselungleichgewichtes. Sie wirkt – anders als beispielsweise Kopfschmerztabletten – nicht sofort, sondern hängt vom Aufbau eines gewissen Wirkstoffspiegels ab.

Wenn ihr euch sich also trotz medikamenteller Behandlung weiterhin depressiv fühlen, sucht bitte therapeutische Hilfe. Eine erste Möglichkeit ist die Nummer der Telefonseelsorge, die ihr ohne Vorwahl unter 116123 erreicht. Jugendliche Patienten können die Mailberatung von U25Deutschland in Anspruch nehmen. Ein „Muslimisches Seelsorgetelefon“ erreicht ihr 24 Stunden am Tag unter 030 44 3509 821 (Dienstags auch auf Türkisch).

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