Gefahren der Cloud: Kommentar

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Perfektes Timing: Pünktlich zum Start unserer Themenwoche sorgte der Fall Mat Honan für Aufsehen. Der erfahrene Wired-Redakteur vertraute der iCloud, wurde gehackt und verlor so den Zugriff auf all seine Daten und Geräte – kein gutes Leumundszeugnis für die Rechnerwolke, wenngleich der Unsicherheitsfaktor Mensch ursächlich hierfür war. Nichtsdestotrotz, auch meine Wenigkeit betrachtet den Trend hin zum rein virtuellen Speicher mit einem kritischen Auge.

Gefahren der Cloud: Kommentar

Unzweifelhaft bietet die Cloud ein ganzes Paket an Vorteilen. Daten jedweder Art werden wie von Zauberhand abgeglichen und sind unabhängig vom Gerät weltweit und zu jeder Zeit nutzbar. Zwar mag das schier unüberschaubare Angebot an Dienstleistern etwas verwirrend sein, wer sich jedoch mit der Thematik eingehend beschäftigt, findet eine ebenso fast endlose Liste an Möglichkeiten.

Apropos: Unüberschaubar und fast endlos erscheinen nicht weniger auch handfeste Kritikpunkte in Bezug auf die Cloud. Anwender sollten aufpassen, dass sie zusammen mit ihren Daten nicht gleich auch ihr Gehirn mit auslagern – Vernunft ist vonnöten.

Eigentumsfrage: Daten in der Cloud

Das Internet darf kein rechtfreier Raum sein! Diese Phrase der jüngsten Politik gilt gleichwohl für die Cloud und deren Anbieter und Nutzer. Dumm nur, dass es für den Datenschutz kein gleichgeltendes internationales Recht gibt. Eine Problematik, auf die Fachanwalt Thilo Schmidt hinweist. Wer nicht möchte, dass amerikanische Behörden mitlesen, sollte Firmen mit Sitz in den USA meiden: Der vermeintlich sichere Serverstandort in der EU allein bietet keinen Schutz. Somit scheiden schon mal Apples iCloud, Google Drive, SkyDrive von Microsoft oder auch die Dropbox aus. Ebenso ist Vorsicht bei deutschen Anbietern angebracht, deren Server sich im Einflussbereich der Staaten befinden – Beispiel fruxx. Dank Patriot Act ist der große Bruder nicht in weiter Ferne.

Alternativ greift man zur aktiven Verschlüsselung seiner Daten und/oder verlässt sich nur auf hiesige Anbieter wie beispielsweise Macbay oder Cloudsafe. Auch die Schweiz könnte eine Überlegung wert sein. Der Dienstleister Wuala verschlüsselt standardmäßig, dabei verbleibt der Schlüssel allein beim Anwender. Die Server befinden sich in der Schweiz, Deutschland und Frankreich – fernab von Uncle Sam.

Quo vadis Cloud?

Klingt schon besser, oder? Wirklich überzeugt bin ich noch nicht. Vorausgesetzt die datenschutzrechtlichen Bedenken wären komplett ausgeräumt, so gebe ich dennoch nachweislich die Kontrolle über meine Daten in fremde Hände. Ein Szenario, vor dem zuletzt auch Apple-Mitbegründer Steve Wozniak warnt und uns für die nächsten fünf Jahre „furchtbare Probleme“ prophezeit. Was geschieht eigentlich mit meinen Daten, sollte ein Cloud-Dienstleister seinen Geschäftsbetrieb einstellen? Wie sicher sind meine sicher geglaubten persönlichen Informationen für den Fall, wenn ein junges deutsches Cloud-Startup von einem amerikanischen Anbieter übernommen wird? Schließlich ist ein solcher Exit nicht unüblich und für manch Firma ein erstrebenswertes Ziel, wie die Vergangenheit uns lehrt.

Heimwerken: Cloud selbst gebaut

Möchte ich also die Kontrolle über meine Daten behalten, dennoch aber die Bequemlichkeit einer Cloud nutzen, scheint der Aufbau einer eigenen Rechnerwolke der letzte Ausweg zu sein. Ein eigenes Rechenzentrum bedarf es nicht. Bieten doch NAS-Systeme wie beispielswiese von Synology Cloud-Dienste frei Haus zur Konfiguration. Vollkommen problemlos ist aber auch deren Einsatz nicht. Ein absoluter DAU dürfte damit unter Umständen überfordert sein. Des Weiteren sollten Strom- und höhere Anschaffungskosten berücksichtigt werden. Zudem bedarf es eines hinreichend schnellen Uplinks, möchte man die eigene Cloud nicht im Schneckentempo benützen. Nicht überall ist dies heutzutage schon möglich.

Schlussfolgerung: Sapere aude

Absolute Sicherheit existiert in der Cloud nicht, wie eben zuletzt auch der Fall Mat Honan eindrucksvoll unter Beweis stellte. Nur Verzicht schafft Sicherheit. Sollten wir demnach Cloud-Dienste verteufeln und nicht nutzen? Nein.

Auch ein Bedenkenträger wie unsereins nutzt Teile der Cloud, beispielsweise die Dropbox zum schnellen Datenaustausch. Aber: Vor dem Gebrauch sollten wir unseren Verstand einschalten, schließlich gab uns das fliegende Spaghettimonster ein Gehirn mit auf dem Weg. Meint, persönliche und sensible Daten landen bei mir nicht in der Dropbox, sondern verbleiben allein auf dem Rechner und dem Backup. Vielleicht verzichte ich durch diese Haltung auf ein Mehr an Bequemlichkeit. Diese war und ist jedoch schon immer sehr verführerisch und meist kein guter Berater.

Bildquellen Titel: Flickr, Autor: mjitmail (tiggy) und StandUPP, jeweils veröffentlicht unter CC BY 2.0.

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Weitere Themen: Dropbox, Google Drive, Wuala, Apple


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