iCloud und seine Grenzen: Apple vernachlässigt Web-Apps

Flavio Trillo
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Bei aller Bewunderung für Apples iCloud und aller Vorfreude auf die neuen Funktionen ist das Unternehmen einigen Beobachtern nicht genug auf das Internet eingegangen. Das scheint zunächst merkwürdig, ist doch das Internet unabdingbarer Bestandteil der Cloud-Dienste. Es geht jedoch viel mehr um die Möglichkeit, auf Daten und Dienstleistungen auch außerhalb der iOS-Tools zuzugreifen. Web-Apps fehlen, so die Kritik. Apple überlasse so ein enorm wichtiges Feld fast gänzlich der Konkurrenz.

MobileMe-User werden sich bereits gefragt haben, wo denn der Webmail-Zugang bleibt, die Möglichkeit, online den Kalender und Kontakte zu verwalten oder Fotogalerien anzulegen. Apple-Fans, die auf Google Docs umgestiegen sind, weil Cupertino ihnen nichts Gleichwertiges bot, müssen eine weitere Runde ausharren. Hier setzt auch die Kritik von Joshua Topolsky, ehemals Chefredakteur von Engadget, an.

Seit der Keynote mit Steve Jobs und Kollegium am 6. Juni gebe es auch über die PR-Abteilung von Apple nur wenige Informationen darüber, wie die aktuellen Funktionen von MobileMe in iCloud umgesetzt werden. Ein klares “Nein” habe er jedoch auf die Frage erhalten, ob es künftig Web-Oberflächen für Kalender, Kontakte oder E-Mail geben würde. Schlechterdings seien iOS-Geräte künftig die einzigen Portale für den Zugriff auf Daten und Dienstleistungen in der Cloud. Anders sehe es bei Google, Microsoft und anderen aus. Online-Kollaboration? Kein Problem dank Google Docs. Foto-Alben für alle? Flickr kann’s am besten. Doch will Steve Jobs dieses Feld wirklich der Konkurrenz überlassen?

Topolsky spekuliert, dass Apple die volle Kontrolle behalten möchte und aus diesem Grund die vergleichsweise offenen Web-Apps scheut. Denkbar sei auch, dass “die Truppe in Cupertino einfach ‘Internet’ nicht gut kann”. Bis zum endgültigen Abdanken von MobileMe geht noch mehr als ein Jahr ins Land. Bis dahin wäre es möglich, dass Apple die vermissten Web-Funktionen noch nachrüstet. Bevor wir also Zeter und Mordio schreien, sollten wir uns vergegenwärtigen, dass iCloud, wenn es nicht mit der heißen Nadel gestrickt wurde, dann immerhin noch in der Beta-Phase steckt. Bis der Dienst offiziell gestartet wird, kann also noch eine Menge passieren.

Andererseits muss man bedenken, dass es für Apple kaum interessant sein dürfte, die kostenfreien iCloud-Dienste auch auf Android-Geräten oder BlackBerrys zur Verfügung zu stellen. Die Begrenzung der Funktionen auf iOS ist wirtschaftlich durchaus sinnvoll. iTunes Match könnte hingegen ohne weiteres auch plattformunabhängig funktionieren, denn dafür wird Apple bezahlt – egal in welchem mobilen Ökosystem die Musik gehört wird.

Bild: thisismynext.com

Weitere Themen: iTunes für Mac, Apps, Apple

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