Studie: Megaupload-Schließung hat keine Auswirkung an den Kino-Kassen

Das hatte sich die Filmindustrie so schön vorgestellt: Megaupload schließen, und schon gehen wieder mehr Leute in die Kinos. Eine Studie legt nahe, dass das Ende des File-Hosters im Januar 2012 allerdings keinen Effekt an den Kinokassen hatte – für kleine Filme sogar eher einen leicht negativen. Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für Filesharing-Befürworter – doch das Paper selbst ist leider mit Vorsicht zu genießen.

Studie: Megaupload-Schließung hat keine Auswirkung an den Kino-Kassen

So gerne man der Sache glauben würde – was in verschiedenen Medien aus der Studie gemacht wird, das gibt die wissenschaftliche Arbeit leider nicht unbedingt her (Macnotes spricht sogar von einem “Bloggermärchen”). Angeblich belegt die Studie, dass seit der Schließung von Megaupload einzelne Kinofilme weniger Umsatz gemacht haben und legt nahe, dass Filesharing also einen positiven Effekt auf die Kinowelt haben könnte. So berichten zumindest diverse Medien.

Futurezone hatte am Samstag via Torrentfreak die Studie von zwei Forschern der LMU München und der Copenhagen Business School aufgegriffen, die sich mit dem Effekt der Megaupload-Schließung auf die Ergebnisse von Filmen an den Kinokassen auseinandersetzte. Am Abend schrieb die Süddeutsche das Ergebnis nach und setzte noch zwei weitere Studien in diesen Zusammenhang.

Die dreiseitige Zusammenfassung der Arbeit über “Piracy and Movie Revenues” ist als PDF verfügbar. Dort schreiben Peukert und Claussen:

Our counterintuitive finding may suggest support for the theoretical perspective of (social) network effects where file-sharing acts as a mechanism to spread information about a good from consumers with zero or low willingness to pay to users with high willingness to pay. The information-spreading effect of illegal downloads seems to be especially important for movies with smaller audiences. ‘Traditional' theories that predict substitution may be more applicable to blockbusters.

Sie interpretieren ihre Ergebnisse also dahingehend, dass Filesharing für Mund-zu-Mund-Propaganda für kleine Filme sorgt. Was anhand der Datenlage eher wishful thinking ist (mehr zum “Quasi-Experiment” bei Macnotes).

Problematisch bei der Erhebung ist die Grundannahme: Dass man die Effekte von der Schließung von Kim Dotcoms Filehoster an den Einspielergebnissen von Filmen ablesen kann (und noch dazu ohne die Monate November/Dezember nach der Schließung drinzuhaben, die traditionell stärksten Kino-Monate!). Die Einspielzahlen von Kinofilmen sind von deutlich mehr Faktoren abhängig als von dem Ende eines einzelnen Filehosters. Selbst die Filmindustrie wird nicht annehmen, dass die Schließung von Megaupload für ablesbare Prozent-Ausschläge an den Kinokassen sorgt.

Das Problem liegt auch darin, dass Wissenschaft nur schwer einen Kausalzusammenhang abfragen kann. Wenn zwei Faktoren gleichzeitig ausschlagen, kann nicht beantwortet werden, welcher Faktor Ursache und welcher Wirkung ist. Wenn Studien beispielsweise ergeben, dass Filesharing-Nutzer gleichzeitig mehr Geld für Musik ausgeben als Nicht-Filesharing-Nutzer, ist das eigentlich banal: Wer sich sowieso nicht für Musik interessiert (und nur wenig kauft), saugt natürlich auch keine Musik.

Insofern liefert die Megaupload-Studie viel Interpretation(-sspielraum), aber wenig Fakten. Das Ergebnis könnte eher lauten: Nach dem Januar 2012 haben einzelne Filme auch nicht mehr Geld im Kino eingenommen als vorher. Ob Megaupload damit etwas zu tun hat oder nicht, keine Ahnung.

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