„Wir sind eine Familie“: Simon Koschel erklärt, was Twitch so besonders macht

Lisa Fleischer

Twitch machte es vor, andere wie Facebook und YouTube ziehen nach: Live-Streams sind vor allem im Gaming-Bereich schon lange nicht mehr wegzudenken. Doch wie will sich Twitch gegenüber der neuen Konkurrenz behaupten? Das haben wir mit Simon Koschel von Twitch geklärt.

So ist es übrigens, an Twitch zu arbeiten:

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A Look Inside Working At Twitch

Auch wenn Twitch schon seit sechs Jahren besteht und die Macher mit Justin.tv über mehr als zehn Jahre Erfahrung im Live-Streaming haben, taucht in den letzten Monaten immer mehr Konkurrenz auf. Seit Anfang 2016 kannst du auf Facebook eigene Live-Streams starten. Im gleichen Zeitraum machte auch YouTube den eigenen Streaming-Service endlich in Deutschland zugänglich. Nicht viel Zeit ging ins Land, da wechselte Rocket Beans TV, einer der größten deutschen Streaming-Sender zum Twitch-Konkurrenten YouTube.

Da liegt die Frage nahe, ob Twitch so langsam Panik bekommt, das Konzept an die Konkurrenz angleicht. Genau darüber habe ich auf der gamescom 2017 mit Simon Koschel, dem Partnerships Account Manager DACH bei Twitch, gesprochen. Doch der sieht die Situation gelassen: „Dass sich andere Plattformen auf Live-Streaming anfangen zu konzentrieren, ist für uns schon immer ein gutes Zeichen gewesen. Das heißt für uns im Endeffekt, dass wir uns schon damals auf das Richtige konzentriert haben.“

Twitch ist eine Familie

Ihr Konzept ändern wollen sie deshalb nicht. Schließlich richtet sich Twitch schon seit eh und je danach, was sich die Zuschauer und Streamer wünschen und brauchen, das Unternehmen sieht die Nutzer als wichtigstes Element und fokussiert sich dementsprechend stark auf die Community. „Twitch ist eine Familie.“

Das kommt auch bei den Nutzern an. So habe ich auf der gamescom mit dem Streamer Trymacs gesprochen, der lobt, dass von Anfang ein ständiger Austausch zwischen ihm und der Streaming-Plattform stattfand. Bei YouTube, wo er auch sehr aktiv ist, hat er das hingegen noch nie erlebt, dort gibt es quasi keinen direkten Kontakt mit den kleineren Streamern.

Stärkerer Konzentration auf den Nachwuchs

Dass bei Twitch weiter an der Nachwuchsförderung gearbeitet wird, erklärt mir Simon Koschel. Gab es bis vor kurzem nur das Twitch Partner Programm, das vor allem größeren Streamern die Monetarisierung ihrer Videos erleichterte, führte Twitch Anfang diesen Jahres das Affiliate-Programm ein, um „Streamer, die sehr aktiv sind und die dabei sind, sich eine Community aufzubauen, aber noch keine Partner sind, aufzunehmen und zu unterstützen.“

Nimmst du am Affiliate-Programm teil, profitierst du vom Cheering sowie von kostenpflichtigen Abonnements und kannst so deine Inhalte monetarisieren. Und auch durch die Einführung von Twitch Prime erlebten Streamer bei Twitch einen enormen Aufschwung. Hast du eine Amazon-Prime-Mitgliedschaft, kannst du jetzt bei Twitch pro Monat einen Streamer kostenlos abonnieren. Trotzdem bekommt der Streamer den Anteil, der ihm Zusteht. Auch bei Trymacs machte sich die Einführung von Twitch Prime bemerkbar. „Ich hatte vorher vielleicht 800 Subscriber und das ging dann hoch bis 2.000.“

Das waren 2016 übrigens die meistgesehenen Games auf Twitch:

Twitch: Das sind die 10 meistgesehenen Games 2016

Gamer bleiben der Fokus

Twitch zu Verfügung. 2.200 Streamer nehmen an dem Partner-Programm teil, 10.000 weitere können ihre Videos durch das neue Affiliate-Programm monetarisieren. Mit immer mehr Nutzern kommen auch immer mehr Wünsche von Seiten der Community, die es umzusetzen gilt. Und die liegen oft, aber eben nicht nur im Bereich Gaming.

Den Anfang machte das Ende 2015 eingeführte Twitch Creative, das inzwischen über eine eigene Startseite verfügt und auf dem alles gezeigt wird, was kreativ ist: Von Fan-Arts über DIY-Tutorials bis hin zu selbstgemachten Musik-Clips. Aber auch thematische Marathons wie jener zu Animes erfreuen sich reger Beliebtheit in der Community. Vor kurzem erst kam eine Kooperation mit dem Wrestling-Event AAA Lucha Libre zustande, weil Fans den Veranstaltern Twitch als Streaming-Plattform ans Herz legten.

Das hast du beim Anime-Marathon verpasst:

„Das Schöne an diesen Marathons und so ist ja, dass auf Twitch natürlich eine andere Zuschauererfahrung herrscht; mit der Community, mit der Sprache, die im Twitch-Chat existiert, mit Emotes und unzähligen Memes, die während so eines Marathons auftauchen. Und ich meine, alle Sachen, die wir in so einem Marathon zeigen, funktionieren ja auch sehr gut als Meme-Machines und der Chat interagiert damit; bei den Animes, bei den Power Rangers. Und auch beim Wrestling kann ich mir das sehr gut vorstellen“, erklärte Simon Koschel auf der gamescom.

Und trotzdem: „Unsere Community und unsere Identität ist natürlich nach wie vor Gaming“, Events wie der Anime-Marathon sieht der Streaming-Service nicht als neuen Fokus, sondern lediglich als Ergänzung des bestehenden Gaming-Programms. Schließlich können die Streamer durch Creative und IRL ihre Zuschauer auf einer persönlichen Ebene ansprechen und besser mit ihnen interagieren – und so stärker an ihre eigentlich Gaming-Streams binden.

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Mit den Formaten "IRL" und "Creative" will Twitch neben den klassischen Gaming-Kanälen Alternativen bieten. Bei "IRL" spricht der Streamer direkt mit den Zuschauern, während ihr in der Kategorie "Creative" Künstlern, Programmierern oder Musikern zuschauen könnt.
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