Social Bots erkennen: Darauf müsst ihr in Twitter und Co. achten

Selim Baykara

Social Bots sind – genau wie Fake News – derzeit ein heißes Thema in der Netzkultur und den sozialen Medien. Die als echte Menschen getarnten Programme erstellen Accounts, verbreiten Neuigkeiten und interagieren mit anderen Nutzern. Welche Gefahren können sich daraus ergeben? Wie kann man Social Bots erkennen? Und gibt es ein sicheres Mittel, um der Social-Bots-Flut Herr zu werden? In diesem Artikel findet ihr die Antworten.

137.673
Das steckt hinter Hoaxes, Fakes und Betrug im Internet

In den letzten Jahren hat sich die Medienlandschaft gewaltig verändert. Während früher nur einige wenige Verlagshäuser und Fernsehsender bestimmten, was veröffentlicht wird, holen sich viele Menschen heute ihre Informationen aus dem Internet und zunehmend auch aus den sozialen Medien. Auf Facebook, Twitter und Co. wird allerdings kräftig getrickst: Ein Phänomen, das in der letzten Zeit im Zentrum der Aufmerksamkeit stand, sind die sogenannten Social Bots, also simulierte menschliche Nutzer, hinter denen sich in Wirklichkeit Programme verbergen.

Social Bots: Was ist das? Leicht erklärt

Ein Social Bot ist ein vermeintlich menschlicher Account bei Facebook, Twitter und anderen sozialen Medien, der in Wirklichkeit aber aus einem Computerprogramm besteht. Bot ist dabei die Abkürzung für “Robot” und bezeichnet in Zusammenhang mit Computern Programme, die das Verhalten von Menschen simulieren und bestimmte Aufgaben automatisiert ausführen und oft auch wiederholen. Mit dem Anhängsel Social bezeichnet man die Tatsache, dass diese speziellen Bots in sozialen Netzwerken zum Einsatz kommen.

Was machen Bots auf Facebook, Twitter und Co.?

Social Bots übernehmen in den sozialen Medien verschiedene Aufgaben, die auch von einem menschlichen Nutzer ausgeführt werden könnten. Letztlich geht es den Programmierern von Social Bots darum, menschliches Verhalten so gut wie möglich zu imitieren, sodass andere Benutzer den Unterschied nicht bemerken. Zu den typischen Tätigkeiten eines Social Bots zählt z.B.:

  • Liken (Favorisieren) und Sharen (Teilen) von Beiträgen auf Facebook
  • Retweeten (Weiterverbreiten) von Twitter-Nachrichten.
  • Kommentieren von Beiträgen in den sozialen Medien
  • Folgen von anderen Nutzern
  • Aufgreifen von populären Hashtags
Facebook-Hoaxes: Die 10 dümmsten Falschmeldungen

Was sind die Gefahren von Social Bots?

Social Bots sind längst kein harmloses Randphänomen mehr, das man als Internet-Spielerei abtun könnte. Inzwischen beeinflussen die künstlichen User gezielt Debatten im Internet und beeinflusse so teilweise Stimmungen in der Öffentlichkeit. Social Bots können beispielsweise in wenigen Sekunden tausende von Beiträgen auf Twitter absetzen und somit bestimmte Themen auf die Tagesordnung hieven und Trends etablieren. Echte menschliche Nutzer greifen diese Themen dann auf – die Bots bestimmen also in diesem Fall, über was geredet wird.

In anderen Fällen greifen die Bots selbst in die Diskussionen ein. Bots können so programmiert werden, dass sie auf Beiträge von anderen Nutzern reagieren. Aus dem US-Wahlkampf 2016 wurde z.B. berichtet, dass Bots teilweise die Beiträge des jeweiligen politischen Gegners kommentierten und sowohl Hillary Clinton als auch Donald Trump über zahlreiche Bot-Anhänger verfügten. Auch beim Brexit sollen die Bots eine Rolle gespielt haben. Wenn tausende von Social Bots beleidigende Äußerungen unter dem Post eines Nutzers hinterlassen, kann man sich leicht ausmalen, dass das Konsequenzen hat – in der jüngeren Vergangenheit ist leider genau das viel zu oft passiert.

Social Bots: AFD befürwortet Einsatz

Auch in Deutschland macht man sich inzwischen Gedanken darüber, wie Social Bots im Wahlkampf als Propaganda-Helfer missbraucht werden können. Die etablierten Parteien Union, SPD, Grüne und FDP lehnen den Einsatz von Social Bots rundweg ab, die Kanzlerin Angela Merkel regte sogar an, die Bots parteiübergreifend zu bekämpfen. Als einzige Partei erklärte die AFD, dass man Social Bots auf jeden Fall nutzen werde: “Selbstverständlich werden wir Social Bots in unsere Strategie im Bundestagswahlkampf einbeziehen”, so Bundesvorstands-Mitglied Alice Weidel gegenüber dem Nachrichtenmagazin “Der Spiegel”. Vor allem für jüngere Parteien wie die AfD seien solche Social-Media-Tools in der heutigen Zeit wichtige Helfer, um ihre Positionen unter den Wählern zu verbreiten (einige Zeit später dementierte die AFD dann den Einsatz der künstlichen Helfer).

Social Bots erkennen: An diesen Zeichen erkennt ihr die Bots

Der britische Mathematiker Alan Turing erfand seinerzeit den gleichnamigen Turing-Test, um festzustellen, ob eine Maschine ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen hat. Der chattende Cleverbot bestand 2011 den legendären Test – im Falle von Social Bots, wäre er aber weitgehend nutzlos, da diese Form von Bots meist keine längeren Gespräche führt, sondern nur Beiträge veröffentlicht und teilt oder Likes und kurze Kommentare hinterlässt. Denoch gibt es einige Anzeichen, an denen ihr Social Bots erkennen könnt:

  • Checkt zunächst das Profil des Benutzers – wenn ein Foto sowie eine glaubwürdige Biografie fehlen, solltet ihr misstrauisch werden.
  • Prüft außerdem die Anzahl der Follower, die meisten Social Bots haben deutlich weniger Follower, als die Accounts, denen sie folgen.
  • Dafür verfügen sie über meist über eine sehr hohe Zahl an Tweets – hierbei handelt es sich allerdings nicht um echtes Engagement, also Kommunikation mit anderen Nutzern, sondern meist automatisiert verbreitete Nachrichten.
  • Sehr viele Messages und sehr wenige Follower sind also ein gutes Indiz, um einen Social Bot zu entlarven.
  • Generell sollte man als Leser natürlich immer ein kritisches Auge haben, Meldungen hinterfragen und sich von Stimmungsmache nicht blenden lassen.

Die Universität Indiana hat zudem seit einiger Zeit die Webseite Botornot eingerichtet, auf der ihr checken könnt, wie wahrscheinlich ein Twitter-Nutzer ein Bot ist. Dabei gilt: Je höher der Score, desto wahrscheinlicher handelt es sich um einen Bot – am besten funktioniert das allerdings mit englischsprachigen Seiten. Twitter selbst schätzt, dass etwa fünf Prozent aller aktiven Nutzer Bots sind. Dass klingt zwar nicht viel – bei einer Gesamtzahl von über 300 Millionen aktiven Nutzern pro Monat kommt man allerdings immer noch auf rund 15 Millionen Bots.

Bildquellen: Rawpixel, scyther5, Twitter, Monster Social

Weitere Themen: Social Media, Netzkultur, Facebook

Neue Artikel von GIGA TECH