Was bedeutet eigentlich FOMO?

Marco Kratzenberg

FOMO ist eine dieser zahllosen Internet-Abkürzungen und steht für „Fear of missing out“. Doch was bedeutet das eigentlich und müssen wir uns Sorgen machen?

Einige Publizisten versuchen gerade, uns FOMO als neues Phänomen zu verkaufen. Die „Fear of missing out“ – die ständige Angst, etwas zu verpassen – wäre ein Nebeneffekt der Reizüberflutung und des Internets. Ist da etwas dran – oder handelt es sich um ein selbstgemachtes Problem?

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Was bedeutet "vong"?

Was soll FOMO eigentlich heißen?

Jeder hat eine Freundin oder einen Freund, der ständig Angst hat, etwas zu verpassen. Das Ergebnis ist ein Mensch mit einem übervollen Terminplan, der von Event zu Event, von Kinofilm zu Party hetzt und über Zeitmangel klagt.

Tatsächlich bedeutet FOMO bzw. „Fear of missing out“ noch etwas anderes. Es geht nicht in erster Linie darum, an irgendeinem Ereignis nicht teilnehmen zu können, das einen interessieren würde. Vielmehr handelt es sich um eine Art der „sozialen Angst“. Um die Furcht, die Verbindung zu seinem sozialen Umfeld zu verlieren und „abgehängt“ zu werden, weil man sich eine Gelegenheit zur sozialen Interaktion durch die Lappen gehen lässt.

Es geht dabei also nicht um das persönliche Vergnügen, sondern um reale Ängste. FOMO wird dabei psychologisch als eine Art Seitenzweig des Minderwertigkeitskomplexes betrachtet, der sich auf die verschiedensten Bereiche erstreckt. Die Problematik kann sich auch in Form von Suchtverhalten äußern und etwa bei der Internetnutzung oder beim Alkohol zu pathologischem Verhalten führen.

In der Regel ist das Problem auch darin zu sehen, dass diese Personen eine reale Angst haben, etwas zu verpassen – aber nicht genau wissen, was das eigentlich sein soll. Insofern kann es also darum gehen, möglichst bei allen Konzerten einer Band oder Filmen eines Schauspielers mitreden zu können, aber auch darum, die neusten Restaurant-Trends im Ort zu kennen oder auf jeder Party eingeladen zu werden.

Psychologisch wird das Phänomen FOMO, das es natürlich nicht erst seit heute gibt, mit der Suche nach psychologischer Befriedigung beziehungswiese Belohnung erklärt. Personen mit diesem Problem ziehen wenig Befriedigung aus ihrem Alltagsleben und stürzen sich deshalb in die Suche nach solchen Ersatzbefriedigungen. Untersuchungen haben gezeigt, dass rund 40 Prozent der befragten jungen Menschen darüber berichteten, diese Symptome zumindest zu kennen. Trotzdem ist FOMO altersunabhängig und generell mehr bei Männern als bei Frauen zu finden.

FOMO wird auch mit den Sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Instagram in Verbindung gebracht. Es führt zu höherem TV- und Medien-Konsum, was wiederum zu einer intensiveren Social-Media-Nutzung führen kann. (Beispiel: Tweets und Facebook-Postings über Fußballergebnisse, massenhafte Essens-Postings auf Instagram und ähnliches.) Tatsächlich wird das Phänomen FOMO bereits bei Marketing-Aktionen berücksichtigt, indem man bestimmte Reaktionen anspricht. Dazu zählen auch Countdowns, mit denen man dem Betrachter anzeigt, wie lange er noch an einer Aktion teilnehmen kann („Nur noch 3 Tage!“).

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