Kino-Vorschau - Legion

Leserbeitrag

(Andreas) Die Apokalypse naht – mal wieder. Dieses mal abgesegnet und arrangiert von höchster Stelle: Gott selbst möchte der Menschheit den Garaus machen, und schickt dafür Engel samt Leibgarde auf die Erde.

In dem übernatürlichen Action-Thriller LEGION wird ein abgelegenes Diner unvermittelt zum Schauplatz eines Kampfes, bei dem es um nichts Geringeres geht, als um das Überleben der Menschen. Als Gott den Glauben an die Menschheit verliert, entsendet er eine Legion von Engeln, damit sie die Apokalypse über die Erde bringen. Die letzte Hoffnung der Menschen gründet sich auf eine Gruppe von Fremden, die mitten in der Wüste gefangen sind, sowie auf den Erzengel Michael (Paul Bettany).
Dieser Pressetext umreißt die Handlung im Groben – mehr gibt es auch nicht wirklich zu sagen, außer dass diese Handlung so oder ähnlich bereits 1000x erzählt wurde; beispielhaft mit God’s Army oder Constantine – wobei sich mir sich ständig Terminator aufdrängte. Aber dazu später mehr.

Kritik

Das vorrangige Leitthema von Legion ist Hoffnung. Hoffnung in die Menschheit, die Gott scheinbar verloren hat und daher dem ganzen Elend ein Ende setzen möchte – ein Akt den sich einige sogar herbeisehnen (u.a. auch Roland Emmerich mit 2012) oder in Bands wie etwa Tool herbei gesungen werden. Und Hoffnung, die viele Menschen verloren haben – in sich selbst und in das Gute. Um die Voraussetzung von Hoffnung überhaupt schaffen zu können, müssen diese Umstände dementsprechend desolat und schlecht sein – und das wird in Legion klar und deutlich kenntlich gemacht: durch Personen die mit ihren individuellen Schicksalen vom sogenannten rechten Pfad abgekommen sind und sich verloren haben. Und was war schon immer der Weg und Notausgang zur Hoffnung? Richtig. Der Glauben. So gesehen ist Legion ein Film, der die wichtigste religiöse Botschaft im Horror-Action-Gewand präsentiert – denn geballert wird reichlich, mit einigen blutigen Einlagen die für ein FSK 16 Altersfreigabe doch ganz ordentlich sind. Äußerst fragwürdig, aber anscheinend sieht man dies als gute Methode an um die jungen Leute zu erreichen. Wenn schon nicht durch Papst Ratzinger, dann zumindest durch einen schießwütigen Erzengel.

Der Ort des Geschehens ist ein kleines Diner-Restaurant irgendwo in der amerikanischen Steppe an einer Bundesstraße – die Handlung verweilt hauptsächlich dort, so dass man es hier mit einer Art Kammerspiel zu tun hat; ein Stilmittel das zum Beispiel in der zweiten Hälfte von From Dusk Till Dawn zum Einsatz kommt – oder wenn man das Filmbudget nicht übersteigen möchte.

Nachdem sich die Apokalypse durch TV und Radio, sowie einer ausgeflippten Oma mit Trash-Qualitäten, bei den wenigen Leuten im Diner angekündigt hat, taucht Erzengel Michael in einem gestohlenen Polizeiwagen auf und bereitet die Überlebenden auf ihre letzte Schlacht vor. Wie erwähnt, schreitet Michael der Menschheit zur Hilfe, indem er sich gegen den Willen Gottes stellt. Dies wird mittels Rückblenden erklärt, so dass seine Motive verstanden und nachvollziehbar werden. Der Preis ist allerdings die Sterblichkeit, die er bewusst in Kauf nimmt. Da sich die Dämonen, die eigentlich Engel sind aber wie Dämonen aussehen, menschliche Körper als körperliche Hülle suchen, sind sie zumindest mittels gut platzierten Kopfschüssen aufzuhalten – weswegen Michael gleich zwei Säcke voll UZIs und MGs klar gemacht hat, mit dem Ziel zu eben jenem Diner da draußen zu fahren und das noch ungeborene Baby zu retten, welches nebenbei die Menschheit retten soll. Weshalb ich zum eingangs erwähnten Terminator, insbesondere dem ersten Teil, zurückkomme: Nicht nur dass Michael irgendwo im Dunkeln vom Himmel fällt und sich prompt mit der Polizei konfrontiert sieht – sein kaltes, distanziertes und sicheres Auftreten mit klarem Ziel vor Augen, steht dem eines Terminators in nichts nach. Auch die Mission kommt einem verdächtig bekannt vor: eine Person zu schützen die das Überleben der Menschheit als ungeborenes Baby in sich trägt. Paradoxerweise kann man dieses Baby als Antichristen interpretieren, welches ebenso die Welt maßgeblich beeinflussen soll – eine Perspektive die den ganzen Film geradezu absurd erscheinen lässt.

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Fazit

Paul Bettany, als Erzengel Michael macht seine Sache als Bad-Ass ganz gut – viel kann man allerdings auch nicht falsch machen. Im Grunde ist Legion eine Art Neuerzählung mit Maria und Josef, dem Jesus-Baby und ein paar Ballermännern. Eine wenig originelle Handlung gepaart mit platten Symboliken und blassen Charakteren, die zwar um Tiefe bemüht ist aber sich letztendlich in Plattitüden verliert. Einige Dialoge der Protagonisten, besonders in den ruhigen Momenten des Films, an dem jeder Charakter die Gelegenheit bekommt zu zeigen wie sehr er in Selbstmitleid baden kann, dürfte manch unfreiwilliges Gelächter oder Gähnen provozieren.

Legion gehört somit ganz klar zum Typus seichte Unterhaltung: Wenig Handlung mit viel Action und Blut – und das macht es relativ passabel. Dem einen oder anderen kann das schon reichen; das Hirn auf Standby geschaltet, bekommt man nebst apokalyptischer Unterhaltung einen Film, der in den 80ern stilistisch an der Tagesordnung war. Die Frage ist nur, ob die heutige Filmlandschaft nicht schon längst diesem Stil entwachsen ist.

Alle anderen aber, die Wert auf eine logische, durchdachte Handlung legen; für die Action allein den Braten auch nicht mehr fett macht – die sollten einen so weiten Bogen um Legionmachen, wie um den Tschernobyl-Atomreaktor.

4 von 10 Punkten

Kinostart: 18. März 2010
Regie: Scott Stewart
Darsteller: Dennis Quaid, Kate Walsh, Lucas Black u.a.
Filmdauer: ca. 99 Minuten
Genre: Horror-Action
Filmverleih: Sony Pictures
Homepage: www.legion-film.de

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