Danke, Merkel! Ein Kommentar von Helge Denker zu den YouTube-Interviews der Kanzlerin

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Die Bundeskanzlerin hat sich von den YouTube Stars MrWissen2Go, ItsColeslaw, Alexi Bexi und Ischtar Isik interviewen lassen. Helge Denker, Leiter des Ressorts Digital bei t-online.de, hat für GIGA seine Gedanken dazu notiert.

Danke, Merkel! Ein Kommentar von Helge Denker zu den YouTube-Interviews der Kanzlerin
Bildquelle: Helge Denker

Helge Denker ist Leiter des Ressorts Digital bei t-online.de. Zu seinen vorherigen Stationen gehören BILD.de und die Süddeutsche Zeitung.

Danke, Merkel!

Das Interview, das Bundeskanzlerin Angela Merkel den YouTubern gab, war eine klassische Win-Win-Situation: Die Bundeskanzlerin im Wahlkampf-Modus konnte relativ ungestört ihre Thesen verbreiten und gratis viele junge Wähler ansprechen.

Den jugendlichen YouTubern bescherte die Aktion eine enorme Aufmerksamkeit und Publicity. Gefragt wurden nicht Politik-Profis – sondern, sagen wir es nett, geübte Selbstdarsteller, die sich sonst eher nicht für Politik interessieren.

 

 

Der Erkenntniswert der 90-Minuten-Show war eher gering: SMS-Fan Merkel mag am liebsten lachende Smileys, ab und zu verschickt Sie auch mal eine „Schnute“ oder ein Herzchen. Sweet. Wer diese geringe Ausbeute den Interview-ungeübten YouTubern vorwirft, macht es sich zu leicht.

Die Fragen kommen von Influencern mit einer Zielgruppe, die bisher nur Angela Merkel als Bundeskanzlerin kennt. Und auch kampferprobte Interviewer von ARD bis ZDF mühen sich vergeblich ab, der dienstältesten Regierungschefin etwas Neues zu entlocken – oder bewerfen die „ewige Kanzlerin“ in Sommerinterviews mit Wattebällchen-Fragen.

Google und YouTube kaufe ich ab, dass der Konzern in Deutschland gesellschaftliche Verantwortung übernehmen will und sich nicht wie Apple und Facebook möglichst unsichtbar macht. Die Form kann man sicherlich kritisieren, auch, dass nur eine Kandidatin diese Sichtbarkeit und Wahlkampfhilfe erhält. Und es beim nächsten Mal einfach besser machen.

 

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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