Das YouTube Phänomen – Wir haben ein Monster geschaffen!

Tobias Heidemann
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Jeden Tag werden wir mit Zahlen und Statistiken zu Internetprodukten bombardiert. Facebook dies, Mozilla das und iPad irgendwas. Interessant ist das selten, wirklich erhellend so gut wie nie. Wir gehen aber jede Wette ein, dass die folgenden Zahlen euch aus den Pantoffeln hauen werden. Fangen wir an: In jeder Minute werden 60 Stunden Videomaterial bei YouTube hochgeladen. Klingt irgendwie noch greifbar oder? Wie wäre es damit: In nur einer Stunde werden es fünf Monate neues Videomaterial sein und morgen um die gleiche Zeit haben Menschen auf der ganzen Welt insgesamt zehn (10) Jahre zusätzliches Filmmaterial bei YouTube eingestellt. Immer noch nicht beeindruckt? Versuchen wir es damit: Das Video-Portal hat momentan ungefähr 800 Millionen User (so viele wie Facebook) und all diese Menschen ziehen sich jeden Monat 350.000 Jahre (hust) Videos rein.

Das YouTube Phänomen – Wir haben ein Monster geschaffen!

Wer sich von diesen Zahlen nicht imponieren lässt, der ist entweder ein kleines bisschen zu abgebrüht für diese Internetwelt oder es fehlt ihm einfach an Vorstellungskraft. Wir wollen diesbezüglich mal etwas nachhelfen und das Phänomen YouTube etwas genauer beleuchten. 2005 war das Video-Portal lediglich eines von vielen. Wie wurde YouTube zur stärksten Kraft im Internet und was bringt die Zukunft des Video-Giganten – diesen Fragen wollen wir nachgehen.

Das Monster erwacht

Einigen wir uns also darauf, dass YouTube in einer noch näher zu spezifizierenden Form irgendwie  krass ist. Wie ist es dazu gekommen? Vor nunmehr sechs Jahren, als Google sich das Portal für schlappe 1,65 Milliarden Dollar unter die Saugnäpfe riss, war diese Entwicklung noch nicht absehbar.

Es fanden sich zu dieser Zeit ziemlich viele Branchenexperten, die dem Suchmaschinen-Wunder aus Kalifornien mit der Akquise von YouTube einen kapitalen Fehlkauf attestieren. Damals war das die realistischere

Einschätzung. Immerhin gab es 2006 unzählige Alternativen zu YouTube von denen viele das Potential hatten, die 2005 gegründete Plattform zu überflügeln. Google hatte verdammt viel Geld für ein Unternehmen ausgegeben, dessen Produkt kaum kontrollierbar schien: Benutzergenerierte Inhalte.

Auch der enorm hohe technische Aufwand, den sich das kalifonische Unternehmen mit dem Kauf von YouTube eingehandelt hatte, galt als möglicher Sargnagel für das riskante Projekt. So galt es die rasant wachsenden Datenmengen ohne Unterbrechung ins Netz zu streamen. Sollten die Nutzerzahlen tatsächlich explodieren, so würden auch die Kosten der Server und Leitungen, die man für das Portal brauchen würde, mit ihnen durch die Decke gehen. Für Analysten basierte das Geschäftsmodel YouTube auf einer Milchmädchenrechnung.

 Ein unwahrscheinlicher Erfolg

Doch starke Konkurrenz und hohe Technikkosten waren bei Weitem nicht die besten Argumente der damaligen Skeptiker. Die Armee von Anwälten, die aufgrund der Zillionen Copyright-Verletzungen auf dem Videoportal lechzend vor den Toren des Portals standen und ihre Stifte für den bevorstehenden Großangriff spitzten – die war es, die das Projekt YouTube letztlich in die Knie zwingen würde.

YouTube wegen der Verletzung von Urheberrechten zu verklagen, das versprach seinerzeit eine sehr lukrative Einnahmequelle zu werden. So belief sich 2007 zum Beispiel Viacoms Schadensersatzklage  gegen Google auf eine Summe von einer Milliarde US-Dollar. Der Untergang stand unmittelbar bevor.

Es kam – wie wir alle wissen – anders. Die Konkurrenz wurde eindrucksvoll aus dem Rennen geworfen. Schon zwei Jahre nach der Übernahme stellte das Marktforschungsinstitut Hitwise YouTube 73 Prozent aller Besuche von US-Videoportal-Seiten aus.  Heute gibt es de facto keine echte Alternative zu YouTube. Es sei denn, man bezeichnet das stinknormale Fernsehen als die einzige, verbleibende Konkurrenz zu YouTube und genau das sollte man tun.

Der Weg zur Weltherrschaft

Auch die Herausforderungen einer funktionierenden technischen Infrastruktur hat das Portal ohne schmerzhafte Lernprozesse bewältigt. YouTube funktioniert einfach. Seit Jahren. Hin und wieder macht man sogar als wichtiger Innovator auf dem Markt von sich reden. Es läuft also bestens.

Selbst das größte Hindernis auf YouTubes Weg zur Weltherrschaft – das Urheberrecht – wurde alsbald überwunden. Von kleineren Bodenwellen wie den Streits mit Viacom, der Warner Music Group, der GEMA oder der gesamten japanischen Unterhaltungsindustrie einmal abgesehen, fährt YouTube in puncto Urheberrechtsklagen heute in eine mehr oder weniger gesicherte Zukunft. Technische Sperrlösungen und rechtliche Abkommen mit der Unterhaltungsbranche sei Dank.

YouTube, das ist die Weltöffentlichkeit

Zu sagen, die Zukunft, auf die YouTube da zusteuert, sei eine goldene, dürfte die wahrscheinlich größte Untertreibung in der Geschichte des Internets sein. An YouTube kommt schon bald niemand mehr vorbei.

Warum? Weil YouTube die globale Medienlandschaft für immer verändern wird. Der Kampf mit den klassischen Fernsehanstalten hat längst begonnen und YouTube wird ihn gewinnen. Das Publikum ist jetzt schon sehr viel größer als das der wichtigsten Sender. Die Abonnentenzahlen der populärsten YouTube-Kanäle schlagen die Einschaltquoten der TV-Sender locker. YouTube, das ist die Weltöffentlichkeit – die Reichweite einer klassischen TV-Anstalt wirkt dagegen wie ein Dorf am Arsch der Welt. 

Weitere Themen: YouTube, Google

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