GEMA will keine Videos mehr auf YouTube sperren – sondern einen Vertrag

Nach dem Prozess ist vor dem Vertrag: Die GEMA will trotz des Erfolgs vor Gericht offenbar keine weiteren Videos auf YouTube sperren lassen. Wir sagen: Danke! Und auch in Richtung YouTube: Verdammt nochmal, einigt Euch endlich!

GEMA will keine Videos mehr auf YouTube sperren – sondern einen Vertrag

“Wir wollen YouTube nicht verklagen, wir wollen einen Vertrag“, äußerte GEMA-Chef Harald Heker am Wochenende gegenüber dem Spiegel. Und auch Google signalisierte Gesprächsbereitschaft, ein Sprecher sagte am Freitag: “Wir laden die Gema ein, nun endlich an den Verhandlungstisch zurückzukehren und im Sinne der gesamten Musikindustrie eine Lösung zu finden.” Das wäre eine glückliche Fügung, wenn sich die Parteien nach Jahren des gegenseitigen Schwarzer-Peter-Zuschiebens aufeinander zubewegen würden – und auch im Sinne der User.

Denn der Streit und die Video-Sperren dauern schon fast drei Jahre an. Auf der einen Seite steht die Google-Tochter YouTube, die damit Geld verdient, dass Leute (u.a. Musik-)Videos auf ihre Plattform hochladen – und dann dort Werbung gezeigt wird sowie Personendaten von Usern gesammelt werden. Auf der anderen Seite steht die GEMA als Vertreterin der einzelnen Komponisten und ihrer Verlage, mit deren Inhalten (in den Musik-Videos) YouTube Geld verdient.

Von 2007 bis 2009 galt zwischen beiden Parteien ein Pauschalvertrag, der es Usern erlaubte, GEMA-gemeldetes Material zu verwenden – auch in Privat-Videos. Aber offenbar lagen die Vergütungsgroschen für die Urheber auch sehr niedrig – die GEMA forderte anschließend höhere Beteiligungen, YouTube verweigerte sie, die GEMA klagte, YouTube blendete bei allen gesperrten Videos ein, dass die GEMA schuld sei, obwohl diese nur 12 Songs beanstandet hatte, YouTube lancierte eine Forderung der GEMA von 12 Cent pro Videoabruf, wobei nie bestätigt wurde, ob es diese Forderung wirklich gab – inzwischen sind Summen von 0,2 Cent bis 0,6 Cent pro Aufruf im Gespräch.

Werbebeteiligung oder Zahlung pro Aufruf?

Sicher ist: Prinzipiell will Google keine Abgabe pro Aufruf, da nicht alle Videos Werbung enthalten (und YouTube somit potentiell Verluste einfährt). Die GEMA fordert dagegen neben einer Beteiligung an den Werbeeinnahmen (laut Tarif 10,25%) auch eine Mindestvergütung pro Aufruf. Sie argumentiert, dass YouTube nicht nur direkt in den Videos mit Werbung Geld verdiene, sondern die Seite YouTube allgemein durch Musikvideos aufgewertet wird, außerdem Google von den Profildaten profitiert, die dann zu passender Werbung an anderer Stelle führen kann. Die Verträge der Verwertungsgesellschaften beispielsweise in England und Frankreich seien zu niedrig.

Generelles Problem bei dieser Materie ist, dass Stillschweigen über die Verträge herrscht. So ist nicht bekannt, wie hoch die Vergütung im GEMA-Vertrag von 2007-2009 war, und auch vergleichbare Verträge mit der britischen PRS und der SACEM sind nicht öffentlich. Johnny Haeusler hatte vor rund einem Jahr einmal beispielhafte Zahlen aus Großbritannien aufgetan: In dem Beispiel erhält der Komponist (also die PRS bzw. GEMA) 0,012 Cent pro YouTube-Aufruf. Der Spreeblick-Artikel rechnet hypothetisch die Google-Einnahmen dagegen und kommt auf folgendes Ergebnis: Wo YouTube 50€ verdient, bekommen die Urheber 1,20€. Das Ergebnis wird irgendwo in der Mitte liegen – hoffen wir, dass die Einigung bald kommt.

Zum Thema: Videos hochladen und Links verschicken – so geht’s auch ohne YouTube

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