Interview mit Youtube-Sprecherin: “Wir wollen einen Deal”

Der Fall GEMA vs. Youtube geht zurück vor Gericht, Youtube-Sprecherin Mourina Latrache gibt sich im Interview betont konstruktiv: Die Berufung sei hauptsächlich aus formellen Gründen eingelegt, im Vordergrund stehe weiterhin, dass sich GEMA und Youtube auf ein Bezahlmodell einigen und so die User wieder Musikvideos auf Youtube gucken können.

Interview mit Youtube-Sprecherin: “Wir wollen einen Deal”

Mehr Infos und Hintergründe in unserer Meldung: GEMA vs. Youtube: Wieder vor Gericht, Gespräche gehen aber weiter.

Frau Latrache, sind die Verhandlungen zwischen GEMA und Youtube gescheitert?

Von Scheitern kann nicht die Rede sein, ganz und gar nicht. Das Gericht hat damit gar nichts zu tun, das muss man klar trennen. Natürlich werden die Gespräche nicht leichter, aber sie gehen auf jeden Fall weiter.

Trotzdem könnte die Berufung zu einer Belastung der Verhandlungen werden…

Wir gehen ja nicht gegen die GEMA in Berufung, sondern gegen die Entscheidung des Gerichts, die wir so nicht akzeptieren können. Die Forderung nach dem Einsatz eines Wortfilters können wir so nicht stehen lassen. Die Verwendung eines Wort-Filters würde die freie Meinungsäußerung auf Youtube beeinträchtigen. Zudem hat so ein Wortfilter zu viele Fehlerquellen, und es würden Sachen blockiert werden, die gar nichts damit zu tun haben. Und findige User denken sich dann neue Bezeichnungen aus und schreiben eben nicht “Lady Gaga” sondern “Lady Haha”. Wir haben mit unserem Content-ID-System aber eine andere Möglichkeit, damit umzugehen.

Wie funktioniert das?

Das Content-ID-System funktioniert mit einer Referenz-Datei, die quasi einen Fingerabdruck der Quelldatei darstellt. Sobald eine andere Datei hochgeladen wird, die diesen Fingerabdruck enthält, gibt das System Bescheid – und dann kann der Urheber entscheiden, ob die Datei gelöscht wird oder durch Werbeeinblendungen monetarisiert wird. Das funktioniert natürlich nicht nur mit Audio, sondern auch mit Video. Wir verwenden das System bereits mit über 3.000 Partnern weltweit.

Und warum nicht auch mit der GEMA?

Wir haben es vorgeschlagen, aber die GEMA hält es nicht für eine geeignete Technologie. (Mehr dazu in unserer Meldung, Anm. d. Red.)

Welche Rolle spielte die Frage nach Transparenz in den Verhandlungen?

Das ist gar kein Thema für uns. Wir wollen einen Deal finden, wie die User wieder Musik streamen können. Wir können keinen Pay-per-Stream-Tarif akzeptieren.

Haben Sie keine Angst, dass die User sich nach Alternativen umsehen?

Alternativen gibt es immer. Wir verstehen, dass die User nicht zufrieden sind, wir sind ja auch nicht happy damit, deswegen konzentrieren wir uns auf die Verhandlungen. Wir freuen uns, dass wir weiter im Gespräch mit der GEMA sind, und am Ende interessieren diese Detailfragen wie das mit der Transparenz niemanden mehr. Es geht um das Ergebnis.

Update zum weiterlesen: Unser Leser Rudy Holzhauer antwortet Youtube-Sprecherin Mourina Latrache und erklärt, wieso das Content-ID-System für die GEMA nicht annehmbar ist.

Und: Unser Kommentar dazu. Ärger, weil ihr Youtube-Videos nicht sehen könnt? Selbst Schuld!

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