Popkomm 2011 - Wie sieht Musikfernsehen 2016 aus?

Peer Göbel
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Wir verdienen durchaus Geld mit Musik – außer in Deutschland, verriet der Youtube-Vertreter Andreas Briese gestern auf der Popkomm in Berlin. Während die Musikmesse immer mehr auf eine kleinere Business-Kontaktbörse zusammenschrumpft, diskutierten auch einige WebTV-Vertreter über die Zukunft des Musikfernsehens – die natürlich online stattfindet. Hier einige Notizen und Thesen, und die Frage an euch – wie wird das Musikfernsehen und das Musikhören überhaupt im Jahr 2016 aussehen?

Popkomm 2011 - Wie sieht Musikfernsehen 2016 aus?

Die Berichte über die Popkomm wiederholen sich: Wenn in den vergangenen Jahren von dem Musik-Branchentreff die Rede war, ging es immer um Raubkopien, die vergangenen goldenen Zeiten und die Hoffnung, mit digitaler Distribution die Verkaufsrückgänge auszugleichen. In diesem Jahr schien die Messe wieder ein Stück kleiner geworden zu sein, die Hallen und Flure des Flughafen Tempelhof wirkten relativ leer, aber der Schwerpunkt Digitalisierung sorgte auch für etwas Optimismus.

Im ersten Stock kam zum Konferenz-Teil eine Runde zusammen, die fröhlich vom Musikfernsehen der Zukunft schwadronierte – eben Vertreter der Webbranche, die mit der Produktion und dem Verkauf von Musik wenig zu tun haben, sondern drumherum ihr Geld verdienen. Darunter ein großer Player wie YouTube und einige Startups mit neuen Ansätzen, wie tape.tv, putpat und tweek.tv.

Hier fünf Thesen, die von Vertretern in der Runde aufgebracht wurden:

1. Musikfernsehen muss einfach und bequem sein

Während im normalen TV-Bereich kaum ein brauchbarer Musiksender übriggeblieben ist, gibt es auch online immer noch zu wenig, was dieses Bedürfnis wirklich befriedigen kann – trotz des Potenzials. Es wird dann funktionieren, wenn es einfach und bequem zu nutzen ist. tape.tv-Chef Conrad Fritzsch sagte, er bezahle beispielsweise bei einer Online-Videothek gerne dafür, zu faul zu sein zur echten Videothek zu gehen. Weil es eben bequem ist.

2. Nach Smartphone kommt Smart-TV

Die mobile Revolution macht Musik nun wirklich nahezu überall verfügbar, aber das Fernsehgerät wird trotzdem nicht so schnell aus den Wohnzimmern verschwinden, vielmehr werden die Geräte selbst online gehen. Die Umsätze mit Internet-fähigen Fernsehgeräten haben laut Bitkom schon 2011 in Deutschland die der herkömmlichen Geräte überholt. Putpat.tv ist beispielsweise bei neuen Samsung-Fernsehern als Online-Channel voreingestellt und nur einen Klick entfernt – CEO Tobias Trosse sprach von achtstelligen Besucherzahlen (also offenbar mehr als 10 Mio Zugriffe monatlich) durch die TV-Geräte.

3. Leute wollen unterhalten werden

Der Vorteil, dass man den Fernseher einfach im Hintergrund laufen lassen kann, wird auch weiterhin ein wichtiger Anwendungsfall sein. Die Leute wollen unterhalten werden, wollen einen Filter und redaktionelle Auswahl. Wer ein bestimmtes Lied oder einen bestimmten Künstler sucht, wird im Netz schon sehr gut bedient, oder wenn man Playlisten anlegen will, aber oft weiß man ja gar nicht, wonach man suchen soll, und will einfach angeregt werden.

4. Musik wird werbefinanziert sein

YouTube-Mann Andreas Briese brachte das Geschäftsmodell auf den Punkt: “Wir machen Geld aus der Zeit der User.” Ergo: Werbung. Werbefinanzierte Musik sei ein Modell, das die Plattenfirmen in den vergangenen Jahrzehnten fast nicht auf dem Schirm hatten, inzwischen sei YouTube aber für viele Labels ein fast ebenso wichtiger Ertragsweg wie iTunes. YouTube verdiene durchaus Geld mit Musik – außer in Deutschland. Unausgesprochen blieb, dass hier die Gema immer noch keinen gültigen Vertrag mit der Google-Tochter hat, und daher viele Videos in Deutschland gesperrt sind. Aber auch Dienste wie Spotify und Simfy machen vor, dass Musik mit Werbung finanziert werden kann. So wie ein privates Fernsehprogramm eben über Werbung finanziert wird.

5. Musikfernsehen wird personalisiert sein

Große Einigkeit herrschte in der Runde, dass das Musikfernsehen in fünf Jahren ein personalisierter Dienst sein wird – was Seiten wie putpat.tv und tape.tv ja auch jetzt schon anbieten. Ein persönliches MTV, auf die eigenen Vorlieben zugeschnitten, aber immer noch mit neuer Musik, perspektivisch auch mit redaktionellen Inhalten.

Nun seid ihr dran: Braucht man überhaupt das Prinzip Musikfernsehen, wo durchgehend Videoclips im Stream laufen, oder reicht nicht YouTube? Oder ist euch wichtiger, dass man Musik kostenlos downloaden kann? Wie stellt ihr euch online-unterstütztes Musikfernsehen im Jahr 2016 vor? Was wünscht ihr euch von der Zukunft?

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