YouTube vs. GEMA – UPDATE: Sperren, Rechte & genervte Klicker

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Es ging gestern ganz harmlos los. Ein GIGA-User wies mich darauf hin, dass die aktuelle Nummer 1 der “Best of YouTube”-Charts nicht mehr zugänglich ist. Dann folgte ein Text über mögliche Alternativen…und DANN kamen diverse Reaktionen, die ein Update quasi unumgänglich machen.

YouTube vs. GEMA – UPDATE: Sperren, Rechte & genervte Klicker

Zunächst einmal: Dem User kann’s letztendlich egal sein, wer auf YouTube Videos sperrt. Unterm Strich bleibt immer der schwarze Bildschirm mit dem roten Trauerkloß und die anschließende Suche nach Alternativen. Die z.B. eine Google-Videosuche bedeuten können, der direkte Gang zu vimeo & Co. oder halt die Installierung von Stealthy oder ProxyTube. Im Internet-Zeitalter gibt es kaum noch Verhinderung, sondern höchstens Erschwerung.

Was allerdings auf jeden Fall richtig gestellt werden muss, ist die Tatsache, dass die Sperrungen auf YouTube NICHT von der GEMA ausgehen, sondern von YouTube selbst und von Rechteinhabern, die entsprechende Verträge mit YouTube geschlossen haben. Der Mitteilungstext auf dem schwarzen Bildschirm, der die GEMA als Verursacher hinstellt, ist schlichtweg falsch. Die GEMA kann von sich aus, also jenseits von Verträgen und gesetzlichen Rahmenbedingungen, überhaupt nichts sperren lassen.

Der Hintergrund für diese Misere ist ein seit Jahren andauernder Rechtsstreit zwischen YouTube und der GEMA, was die Höhe der Vergütung der Komponisten betrifft. Der Text mit GEMA-Tendenz kam zu einem Zeitpunkt, als die Verhandlungen wohl schon ziemlich weit fortgeschritten waren. Es liegt die Vermutung nahe, dass YouTube damit die quasi rechtsfreie Zeit noch ausdehnen wollte, um möglichst lange höhere Klickeinnahmen zu kassieren. Eine für beide Seiten akzeptable Einigung scheint in weite Ferne gerückt zu sein.

Also GEMA=gut und YouTube=böse? Aus der bisherigen Sichtweise trifft das durchaus zu, wobei aber auch bedacht werden sollte, dass YouTube sehr wohl Verträge mit Verwertungsgesellschaften abschließt. Während man mit der GEMA seit über zwei Jahren herumdoktert, gibt es stolze 23 erfolgreiche Vertragsabschlüsse, die die Klicklage in insgesamt 35 Territorien (darunter Spanien, England, Belgien…) klar und deutlich regelt. Für Deutschland jedoch bleibt alles nebulös: Die GEMA pocht auf eine feste Vergütung pro Abruf, wohingegen Google lieber ein Beteiligungsmodell an den Werbeerlösen möchte.

Irgendwie eine Lose-Lose Situation, oder? Das Mindeste, was eine rasche Einigung beschleunigen sollte, sind die Brieftaschen der wartenden Künstler. Kein denkender Mensch möchte das Internet zu einem Eldorado für illegales Treiben machen, was aber ebenfalls einschließt, diese denkenden Menschen nicht ständig zu bevormunden. Macht mal hinne, ihr da bei YouTube und der GEMA, okay?

Weiterlesen: Mit zwei kleinen Addons für Chrome und Firefox kann man die Youtube-Sperre umgehen.

Weitere Themen: Gema

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