Apple TV 3.0: Wie ein Hobby den Markt aufmischen könnte

Flavio Trillo
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Bleibt Apple TV ein kleiner Kasten, degradiert auf einen Platz irgendwo neben dem Fernseher? Oder wird aus dem “Hobby” ein weiteres Produkt aus Cupertino, das eine ganze Branche auf den Kopf stellt? Hier gibt es keine Gerüchte, keine Informationen aus “verlässlichen Quellen”. Nur ein “Was-Wäre-Wenn” und ein “Hach-Wäre-Das-Schön”.

Die Prämisse: Apple TV wird wichtiger

Gehen wir zunächst einmal davon aus, dass Apple mit dem Apple TV Größeres vor hat. Das von Mitgliedern der Führungsetage des Herstellers mehrfach als bloßes Spaßprojekt bezeichnete Gerät könnte mit dem richtigen Einsatz der “Apple-Formel” die Art, wie wir Medien im Wohnzimmer konsumieren, nachhaltig verändern. Entsprechende Verträge mit den großen Studios und Rechteinhabern über On-Demand-Modelle und Streaming sollen bereits in Arbeit sein.

Funktioniert hat das bereits mit anderen Geräten wie dem iPad. Der Hersteller nahm sich ein bestehendes Konzept, nämlich Tablet-Computer, zur Brust und machte es massentauglich. Beispiel Nummer 2: Der iPod. MP3-Player gab es bereits und erst seit Apple im April 2003 mit dem iTunes Store die Verknüpfung zwischen Hardware und Inhalten herstellte, wurde digitale Musik salonfähig.

Auch der Smartphone-Markt wäre gewiss heute ein anderer, gäbe es nicht das iPhone. Das soll zunächst einmal wertfrei verstanden werden, als rein faktische Betrachtung des Einflusses eines Herstellers auf verschiedene Branchen. Auf ähnliche Weise könnte Apple es nämlich mit dem TV-Markt versuchen. Siri, FaceTime und ein Apple A5-Prozessor sind mögliche Zutaten der nächsten Generation des Apple TV. Die Frage ist nur, wie es aussehen wird.

Die Gretchen-Frage: Bildschirm oder nicht Bildschirm?

Will heißen: Bleibt es bei der Set-Top-Box, dem kleinen Kästchen, das neben dem Fernseher hockt oder stehen in den Wohnzimmern der “early adopters” – der Früh-Käufer – bald Apple-Fernsehgeräte? Es spricht einiges für das Beibehalten des aktuellen Formats. Schließlich ist ein Apple TV derzeit für 119 Euro* erhältlich. Großformatige LCD-Fernseher kosten meist das Fünffache. Die Chance, sich mit einem neuen Gerät einen Platz in den Herzen und den Hi-Fi-Regale der User zu sichern, scheint größer, je günstiger die Hardware.

Das Konzept funktioniert schließlich auch beim Mac mini: Wer bereits einen guten Monitor hat, benötigt schließlich nicht unbedingt einen ganzen iMac. Außerdem dürften sich Viele innerhalb der letzten Jahre einen neuen Fernseher gekauft haben um auf den HDTV-Zug aufzuspringen. Die Neuanschaffung eines Gerätes, das diesen ersetzt und dessen Preis zudem im vierstelligen Bereich liegen dürfte, ist eine beträchtliche Hürde für den Markteinstieg.

Doch ließe Apple so die Gelegenheit vorüberziehen, andere Formen der Unterhaltung aus unseren Wohnzimmern zu verdrängen. Augenblicklich belegt das Apple TV einen der Eingänge des TV-Gerätes. Angenommen, DVD-Player oder Satelliten-Receiver belegen die Plätze 1 und 2 bleibt nur noch der Eingang Nummer 3, sofern so viele Anschlüsse überhaupt vorhanden sind. Um aber sicher zu stellen, dass beim Einschalten des Fernsehers als erstes ein Apple-Logo erscheint, müsste die Technologie in den Bildschirm integriert sein. Dann wäre Apple TV nicht mehr nur ein Eingabegerät unter vielen sondern das zentrale Element des heimischen Unterhaltungsapparates.

Sprachkommandos im Wohnzimmer: Was läuft, Siri?

Sonderlich schwer ist es nicht, sich ein elegant designtes Fernsehgerät aus Cupertino vorzustellen. Vielleicht im Stil Des 27-Zoll-iMac mit einer einfachen, auf das nötigste beschränkten Fernbedienung. Solch eine Verschmelzung von jetzigem Apple TV und Monitor hätte darüber hinaus den Vorteil, das Zubehör für FaceTime und Siri nicht hinzugekauft oder als vorhanden vorausgesetzt werden müsste. Eine entsprechende Kamera wäre natürlich am oberen Bildschirmrand verbaut, wie man es von MacBooks, iMacs und dem Thunderbolt-Display bereits kennt, ebenso das Mikrophon.

Was bleibt ist der Preisunterschied und das Problem, dass der Markt möglicherweise gesättigt ist. HD-Fernseher sind weit verbreitet und Apple müsste schon einen ganz besonderen Anreiz schaffen, die Konsumenten zum erneuten Griff ans Portemonnaie zu bewegen. Doch größere Margen und die sehr realistische Möglichkeit, dass dem Hersteller ebendies gelingt, nämlich der “Wow-Effekt”, sprechen trotz allem für einen echten Apple-Fernseher.

Solch ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber der restlichen TV-Suppe könnte zum einen in der Verknüpfung mit Kommunikationsmitteln wie dem iPhone liegen (lies: FaceTime-Telefonie über den Fernseher, Übernahme von Anrufen, etc.). Außerdem wäre solch ein Gerät eine Spielekonsole mit Zugriff auf den gesamten App Store, die sich mit iPad, iPhone oder iPod touch steuern ließe. Siri für Apple TV würde es ermöglichen, große Teile der Fernbedienung überflüssig zu machen – Senderwechsel und Funktionsauswahl per Spracheingabe. Ganz zu schweigen von den bereits bestehenden Möglichkeiten des Zugriffs auf Inhalte wie Videos und Musik via iTunes.

Insgesamt bieten sich also diverse Chancen für Cupertino, diesen Markt gehörig aufzumischen und trotz einer gewissen Sättigung neue Umsätze zu generieren. Tim Cook wurde bereits attestiert, mit der nächsten Generation des Apple TV seine Position als neuer CEO von Apple erstmalig festigen zu können. Steve Jobs will laut seiner Biographie bereits die simpelste Benutzeroberfläche, die man sich für einen Fernseher vorstellen könne, “geknackt” haben. Gespannt warten wir also auf Event-Einladungen aus Kalifornien mit dem Titel: “Get a new hobby”!

Weitere Themen: Apple Watch Special Event 9. März 2015 – Liveblog

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