Sony eilt Gerüchten voraus: Apple-TV-Konkurrent bereits in Arbeit

Flavio Trillo
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“Sprich sanft und trage einen großen Knüppel, dann wirst Du weit kommen”. So lautet ein altes afrikanisches Sprichwort. In der Abwandlung “Sprich wenig, verfolge eine geheimnisvolle Marketing-Strategie und Du wirst Deine Konkurrenten in argen Zugzwang bringen”, lässt es sich wunderbar auch auf Apple übertragen.

Es genügen offenbar wenige Informationsfetzen aus Analysten-Meinungen und Jobs-Aussagen, um einen gigantischen Elektronik-Konzern wie Sony dazu zu bewegen, seine Produktplanung auf ein ominöses Apple TV einzustellen.

Der CEO des japanischen Herstellers, Howard Stringer, verriet dem Wall Street Journal, dass sein Unternehmen sich auf einen neuen TV-Markt einstellen müsse. Wie alle anderen Wettbewerber auch sei man gezwungen, sich neue Konzepte auszudenken, um sich von der Masse abzuheben. “Jedes TV-Gerät, das wir alle bauen, bedeutet Verluste”, so Stringer.

Er zweifele nicht daran, dass Steve Jobs ebenfalls an dieser Aufgabe gearbeitet habe. Ohne Details zu Sonys Plänen nennen zu wollen gab Stringer an, dass “eine gewaltige Menge an Forschung und Entwicklung” in ein neuartiges Fernsehgerät gesteckt werde. Offenbar ist man sich der vermeintlichen Konkurrenz aus Cupertino sehr bewusst, obwohl es noch keinerlei offizielle Hinweise darauf gibt, wann und wie solch ein Apple-TV aussehen könnte.

Insbesondere ein Absatz aus Steve Jobs’ Biografie dürfte die Gerüchte um das seit Jahren vor allem von Gene Munster prognostizierte Gerät angeheizt haben. Dort ist zu lesen, dass der Apple-CEO es “endlich geschafft” habe, die einfachste Benutzeroberfläche eines Fernsehers zu schaffen, die der Welt je untergekommen sei. Alles andere als eine offizielle Technologie-Vorschau, wie sie bei vielen anderen Herstellern üblich ist, um der Öffentlichkeit offizielle Einblicke in kommende Spielzeuge zu gewähren.

Nein, wer mit einem so großen Knüppel durch die Weltgeschichte marschiert, wie Apples es offenbar tut, muss sich um große Präsentationen dieser Art wenig Gedanken machen. Da dreht sich plötzlich die gesamte Branche um ein Produkt, dass es noch überhaupt nicht gibt. Möglicherweise hat man im Bereich der Unterhaltungselektronik von der Marktlage nach dem Erscheinen des iPad gelernt. Immer noch ist der Tablet-Rechner Vorbild in Sachen Design, Funktionalität und Software. Dieses Mal will man schlauer und Apple einen Schritt voraus sein.

Doch steht zu befürchten, dass auch dieser Versuch in die marktwirtschaftliche Hose geht. Falls nämlich Steve Jobs gegenüber Walter Isaacson nicht geflunkert hat, ist die Entwicklung eines solchen TV-Geräts mit Sicherheit längst sehr viel weiter. Das werden auch Sony und Konsorten alsbald herausfinden.

Vielleicht bringen sie ein Produkt auf den Markt, das dem ähnlich sieht, was Apple gerüchteweise eventuell zu produzieren geplant haben könnte. Derweil schlägt Cupertino mit einem benutzerfreundlichst gestalteten, ansehnlichen, vielseitigen Apple TV zurück, das nicht nur mit Hard- und Software zu begeistern weiß. Auch für die fast noch viel wichtigeren Inhalte wird gesorgt sein; Verträge mit Labels und Studios verschaffen den Konsumenten kinderleichten Zugriff auf ein vielfältiges Medien-Angebot. Hervorragende Zusammenarbeit mit Millionen von Smartphones und Tablets aus demselben Hause versteht sich von selbst.

Darauf müssen in der Folge die Konkurrenten doch wieder nur mit “eigenen” Kreationen reagieren, die zum Teil dem Vorbild aus Kalifornien ähnlicher sind, als die Polizei (oder das Gericht) erlaubt.

Weitere Themen: Apple Watch Special Event 9. März 2015 – Liveblog, Sony

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