Wacom Bamboo Stylus, Just Mobile AluPen und Griffin Stylus: Eingabestifte für iPad und Co im Test

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Man möchte meinen, dass mit der Einführung des iPhones die Stiftbasierte Bedienung von Touchscreens ad acta gelegt wurde. Weit gefehlt, wie ließe sich sonst die Vielzahl von Eingabestiften erklären, die speziell für solch kapazitive Touchscreens in den letzten Jahren auf den Markt kamen. Einen Aufschwung diesbezüglich brachte zuletzt das iPad, scheint es doch für derlei kreative Zwecke besonders geeignet zu sein. macnews.de testete drei Kandidaten unterschiedlichen Preisniveaus.

Eine Vorbemerkung: Kapazitive Touchscreens wie die des iPhones oder des iPads lassen sich normalerweise nur mit den bloßen Fingern bedienen. Zunächst ein Vorteil, wie ein jeder Besitzer bestätigen kann. Reaktionsschnell und kinderleicht navigiert der Anwender so über den Bildschirm. Bisherige Eingabestifte lassen sich dadurch aber leider nicht verwenden. Bedauerlich, möchte man beispielsweise Notizen handschriftlich festhalten oder aber Skizzen oder Zeichnungen anfertigen. Dennoch gibt es sie, spezielle Eingabestifte für eben diese kapazitiven Touchscreens. Dem Anwender werden allerdings eine Reihe von Kompromissen abgerungen: Die Stiftspitze ist meist sehr dick, Drucksensitivität sucht man vergebens und sonderlich präzise sind sie auch nicht. Objektiv betrachtet keine rechte Alternative zu Grafiktablets beziehungsweise zu Touchscreen-Displays die eben diese Vorteile dieser Technologie integrieren – als Beispiel sei an dieser Stelle die Cintiq-Serie von Wacom genannt.

Und doch zaubern vor allem iPad-User wahre Kunstwerke mit Apps wie Sketchbook Pro* oder ArtRage* – oftmals mit bloßen Händen, vermehrt jedoch unter Zuhilfenahme von eben jenen „beschränkten“ Eingabestiften. Es bewahrheitet sich erneut die Feststellung, dass große Künstler in erster Linie mit Talent und Spürsinn gesegnet sind, ein „richtiges“ Werkzeug allein macht noch niemanden zum Picasso der Neuzeit. Lassen wir demzufolge die Grundsatzdiskussion Grafiktablet vs. iPad beiseite und schauen uns die „Zeichenstummel“ näher an.

Die Testkandidaten

Wacom Bamboo Stylus: Wacom – wenn jemand etwas von Eingabestiften versteht, dann doch wohl die japanische Firma die seit einer halben Ewigkeit unangefochtener Marktführer im Bereich der Grafiktablets ist. Lange hat man sich geziert, schlussendlich wurde dennoch vor wenigen Wochen mit dem Bamboo Stylus* der erste Stift für kapazitive Touchscreens vorgestellt (wir berichteten). Zu verführerisch war die Chance mit dem großen Namen ein gutes Geschäft zu machen – Nebeneffekt: Die Erwartungshaltung ist in diesem Falle besonders hoch. Der Stylus ist ohne Zweifel hochwertig verarbeitet, besteht aus Metall und gleicht einem kleinen Kugelschreiber in der Gestalt. Mit circa 20 Gramm und einer Länge von 120 mm ist er für jedwede Hand geeignet – egal ob Wurstfinger oder schlanke Frauenpranke. Laut Wacom soll insbesondere die relativ dünne Spitze (6 mm) einen Vorteil beim Zeichnen verschaffen, ob dies gelingt, klären wir noch später. Zunächst das eine und das andere Wort zu den „Spezialitäten“ des Stiftes. Im Gegensatz zu den anderen zwei Testkandidaten kann der Anwender die Stiftspitze bei Bedarf auswechseln, hierfür entfernt man per Schraubgewinde die vordere Kappe. Im Sinne der Nachhaltigkeit, aber auch des verhältnismäßig hohen Preises von fast 30 Euro, eine gute Entscheidung. Ferner lässt sich der praktische Halte-Clip auf dieselbe Weise entfernen – man schraubt diesbezüglich kurzerhand die hintere Kappe ab. Sehr sinnvoll: Könnte der Clip beim kreativen Arbeiten unter Umständen sonst im Wege sein. Apropos: Wir wissen nicht ob Wacom für das hintere Schraubgewinde noch weitere Szenarien in der Schublade hat, denkbar wären aber beispielsweise zusätzliche Erweiterungsaufsätze wie andersartige Stiftspitzen oder Pinsel.

Just Mobile AluPen: Jawohl, so schaut ein „echter“ Stift aus! Nicht unbedingt dezent versteckt der Just Mobile AluPen* seine Anleihen bei einem überdimensionierten Bleistift. Gefertigt komplett aus Aluminium und erhältlich in verschiedenen Farben überzeugt auch diese Eingabehilfe mit einer hohen Verarbeitungsqualität. Der Just Mobile ist gleichfalls knappe 120 mm lang, aber mit 11 mm ungleich dicker als beispielsweise der Wacom oder der günstige Griffin Stylus. Kräftige Männerhände haben damit keine Probleme, das schönere Geschlecht könnte sich daran allerdings vielleicht stören. Einen Clip besitzt der Stift nicht, wird hingegen aber mit einem kleinen Etui geliefert – nett. Der Preis von circa 25 Euro fällt etwas günstiger als beim Wacom aus, spielt aber immer noch deutlich in der Oberliga.

Griffin Stylus: Mit 14 Euro ist der Stylus von Griffin* unser heutiges Discount-Angebot. An der Verarbeitung haben wir zwar grundsätzlich nichts auszusetzen, im direkten Vergleich mit den restlichen Kandidaten fällt er dennoch etwas ab. Desgleichen ist er auch der Kleinste im Bunde: 110 mm lang und schlanke 9 mm dünn. Für die eine oder andere Hand eventuell zu kompakt. Gefreut hat uns auch hier der Clip, hingegen lässt sich dieser nicht entfernen wie beim Wacom-Stift. Weitere Zugaben gibt es nicht, bei dem günstigen Preis wohl auch nicht zu erwarten.

Handling
Wir testeten alle drei Stifte hauptsächlich unter Sketchbook Express* – der kostenlosen Variante des beliebten Zeichenprogramms auf dem iPad. Freilich lassen sich die Werkzeuge auch mit anderen Apps und dem iPhone oder iPod touch verwenden, wobei dann hier mehr die Funktionsweise als reine Bedienhilfe beziehungsweise für Textnotizen wichtig erscheint. Sehr handlich wirkt der Wacom Bamboo Stylus – nicht zu groß und nicht zu klein, ist er der ideale Kompromiss. Der Just Mobile AluPen hinterlässt gleichfalls einen guten Eindruck, es sei jedoch erwähnt, dass der Autor mit Wurstfingern ausgestattet ist. Junge Kunststudentinnen mit schlanken Pranken könnten auf Dauer vielleicht Schwierigkeiten bekommen. Weniger gefallen hat uns diesbezüglich der Griffin Stylus. Nicht nur ist er besonders schmal, auch besitzt er einen ungünstigen Schwerpunkt. Ist das Gewicht beim Wacom und Just Mobile jeweils gleich über die gesamte Länge verteilt, neigt der Griffin doch stark zur Gewichtslast in Richtung des hinteren Bereiches. Dies macht es notwendig, den Stift weit hinten zu fassen, aufgrund der Kürze sehr unpraktisch und unhandlich.

Nicht unwichtig ist die Frage nach dem Kraftaufwand beim Zeichnen. Sehr leicht gelingt dies mit dem Just Mobile AluPen, selbst ohne vertikalen Druck zeichnet der Stift eine Linie aufs virtuelle Papier. Es folgt der Griffin Stylus, auch bei ihm müssen wir nur einen ganz leichten Druck aufwenden – verwunderlich, ist er doch deutlich das leichteste Modell im Test. Einen merklichen Kraftaufwand dagegen benötigt der Wacom Bamboo Stylus. Der Laie fragt sich nun sicherlich, was ist von Vorteil: Starker Druck oder die Leichtigkeit des Seins? Ansichtssache: Der Just Mobile AluPen erfordert zwar weniger Kraft beim Zeichnen, indes ist man dann nicht vor versehentlichen Zeichenstrichen gewappnet. Anders der Wacom, er zeichnet nur, wenn sein Herr und Meister es auch ausdrücklich wünscht und per erhöhtem Druck anweist.

Wer gerne schraffiert, sprich den Stift sehr schräg zum Zeichnen hält, wird die größte Freude mit dem Just Mobile AluPen und dem Griffin Stylus haben – der breiteren Spitze sei dies gedankt. Der Wacom kratzt da schon eher mit seiner Metallkappe auf dem Display des iPads, wenngleich nicht sofort echte aber ungewollte Kratzer auf dem Bildschirm entstehen. Bezüglich der Präzision der Zeichenstriche können wir bei allen drei Testkandidaten keine allzu merklichen Unterschiede feststellen. Ein kapazitives Display ist per Definition dafür schon nicht geeignet, vielmehr entscheidend sind da die vielfältigen Optionen der Software und das Geschick des Künstlers, die Hardware des Stiftes – egal ob nun große oder kleine Spitze – ist diesbezüglich meist zu vernachlässigen.

Vorteile des Wacom Bamboo Stylus:
+ wechselbare Stiftspitze
+ gleichmäßige Gewichtsverteilung
+ abnehmbarer Clip
+ sehr gut verarbeitet
Nachteile des Wacom Bamboo Stylus:
– Preis
macnews.de-Wertung: 4 von 5 Sternen
Preis: circa 30 Euro*

Vorteile des Just Mobile AluPen:
+ massive Qualität (Alu)
+ durch große Stiftspitze für Schraffuren geeignet
+ mitgelieferte Tasche
Nachteile des Just Mobile AluPen:
– für kleine Hände etwas zu groß
– kein Clip
macnews.de-Wertung: 3,5 von 5 Sternen
Preis: circa 25 Euro*

Vorteile des Griffin Stylus:
+ sehr preiswert
+ Clip
Nachteile des Griffin Stylus:
– ungünstige Gewichtsverteilung
– für große Hände zu zierlich
macnews.de-Wertung: 3 von 5 Sternen
Preis: circa 14 Euro*

Fazit
Testsieger in unserem Dreikampf wird verdient der Wacom Bamboo Stylus: Besonders die hochwertige Verarbeitung, die wechselbare Stiftspitze und der abnehmbare Clip wissen zu gefallen. Auch im kreativen Einsatz hinterlässt er einen guten Eindruck – für uns der beste Kompromiss, wenngleich wir den leicht erhöhten Preis anprangern müssen. Knapp dahinter positioniert sich der Just Mobile AluPen – ein guter Stift fürs iPad, vorausgesetzt man besitzt nicht allzu kleine Hände. Der günstige Griffin Stylus empfiehlt sich weniger fürs Zeichnen, eher für die handschriftliche Texteingabe. Gleichfalls ist er dennoch eine preiswerte Möglichkeit für Anfänger, die zunächst nicht zu viel Geld investieren möchten.

Für die Bereitstellung der Testgeräte bedanken wir uns recht herzlich bei Wacom und Cyberport*.

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