Chromecast: Google blockiert lokales Streaming – und nun? (Update)

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Die Zeit des unbeschwerten Chromecast-Hackens scheint wohl vorbei. Wie der Entwickler Koush auf Google+ und Reddit mitteilte, habe Google die Möglichkeiten des Streaming-Sticks in einem aktuellen Update zum wiederholten Male eingeschränkt. Langsam wird klar, was Google mit dem damit vorhat.

Chromecast: Google blockiert lokales Streaming – und nun? (Update)

Es war fast zu schön, um wahr zu sein: Ein 35$-HDMI-Stick, mit dem Medien von verschiedensten Geräten schnell und einfach auf den Fernseher gestreamt werden können. Sogar mit Chrome-Tabs soll das Streaming funktionieren. Die Begeisterung bei der Präsentation war groß, denn mit einem solchen Produkt hatte niemand gerechnet. Kurz nach der Vorstellung dann die erste Ernüchterung: Chromecast spielt nur Medien aus der Cloud. Musik, Videos oder Bilder, die auf der Platte oder dem Android-Gerät selbst liegen, lassen sich nicht streamen. Auch ein fertiges SDK für Entwickler fehlte.

Diese kleinen Ernüchterungen hielten die Entwickler aber nicht davon ab, erste Apps und Mods zu entwickeln, um das Potential des kleinen Sticks völlig auszuschöpfen. Eine kleine Zusammenstellung einiger Entwicklungen findet Ihr hier.

Eine Woche nach Markteinführung erhielt Chromecast ein erstes Update, das die Möglichkeit zur Wiedergabe lokaler Inhalte einschränkte, indem die sogenannte “GoogleCastSample”-App von Google, die Entwickler benutzten, einfach deaktiviert wurde. Wie Koushik Dutta nun mitteile, wurde mit dem aktuellen Update nun auch “video_playback” deaktiviert, was Apps und Lösungen zur Wiedergabe lokaler Inhalte unbrauchbar macht.

Was beabsichtigt Google?

Dutta beantwortet diese Frage sehr direkt: “They don’t want you playing your own content.” (Sie wollen nicht, dass Du Deine eigenen Inhalte abspielst.). Er vermutet, dass Chromecast Googles Low-Budget-Alternative zu Google TV ist und schlussendlich nur Inhalte von zertifizierten Partnern darüber gestreamt werden können. Chromecast ist also eine günstige Set-Top-Box und kein Media-Player. Allen, die sich für den Chromecast aufgrund seiner Hackbarkeit interessieren, empfiehlt Dutta, erst einmal abzuwarten und rät vom Kauf ab.

Ich persönlich bin ziemlich enttäuscht von dieser Entwicklung. Natürlich kann ich Googles Beweggründe nachvollziehen: Wenn jeder streamen kann, was er möchte, spült das kein Geld in die Kassen. Ein 35$-Gerät lohnt sich so im Verkauf nicht.

Bisher war ich überzeugt davon, mir so ein Teil zuzulegen und auch schon kurz davor, es zu importieren. Jetzt? Ich habe kein Interesse mehr. Wenn ich erst auf das Gerät und dann auf die Freischaltung in Deutschland erhältlicher Dienste (aktuell unterstützt oder geplant: YouTube, Play Movies/Music, Netflix, AOL, HBO, Hulu, Pandora, Redbox, Revision3, Vimeo) warten muss und keine eigenen Medien streamen kann, was ist dann der Mehrwehrt zu einer Kombination von PlayStation/XBOX 360/Smartphone und einem Smart-TV? Vielleicht lässt sich über das Sharen von Chrome-Tabs (aktuell noch Beta) eine Art Player realisieren, aber das wird auch nicht auf allen Plattformen funktionieren.

Wenn das Angebot stimmen würde, wäre Chromecast sicherlich auch hierzulande ein interessantes Gerät. Vor allem, wer noch kein Gerät zum Nutzen verschiedenster Dienste (wie Lovefilm, Watchever, etc.) am TV hat, könnte hier eine günstige Lösung finden. Vielleicht startet Chromecast irgendwann mit einer ausreichenden Menge Content-Partnern in Europa. Oder es ergeht dem Gerät wie dem Nexus Q.

Nachfolgend könnt Ihr Duttas Aussage von Reddit nachlesen:

Google TV (yes, Chromecast is from the GoogleTV team) has a storied history of releasing closed off products, only allowing access to select partners and media companies. I was fairly certain that Chromecast would be no different. My suspicions were confirmed today.

…Chromecast shipped with no default media player app, or any way to play your own content. As I demonstrated, this is actually very easy to implement. The fact that it did not ship with this by default was likely calculated. They don’t want you playing your own content.

Chromecast had a “GoogleCastSample” app that could be leveraged as a default media player. Many developers started using this. One week after release, GoogleCastSample was disabled.

…What this all points to: The Chromecast is just a Google TV in a smaller form factor. Yet another box from your TV that delivers the same old tired array of big media apps that you can find on any other cable/tv box. I already have 5 of such boxes (2 Xbox, 2 Apple TV, 1 Roku).

I don’t need another box to do this. I want a mainstream, open platform, that I can connect to my TV. That would be new. That would be different.

Update

Duttas Aussagen haben gestern ganz schön Wellen geschlagen. The Verge ist deshalb an Google herangetreten und hat ein Statement erhalten, das viele von uns freuen dürfte:

We're excited to bring more content to Chromecast and would like to support all types of apps, including those for local content. It’s still early days for the Google Cast SDK, which we just released in developer preview for early development and testing only. We expect that the SDK will continue to change before we launch out of developer preview, and want to provide a great experience for users and developers before making the SDK and additional apps more broadly available.

Google möchte also alle Arten von Apps mit Chromecast-Unterstützung zulassen, auch jene, die lokalen Content streamen. Das Google Cast SDK befinde sich aktuell noch in einer frühen Phase, sei nur zu Testzwecken geeignet und verändere sich immer wieder. Ziel sei es, beim finalen Release eine sehr gute Benutzererfahrung zu ermöglichen und zusätzliche Apps verfügbar zu machen.

Eine positive Aussage, an der man Google in Zukunft auch messen wird. Aktuell zumindest stehen die Handlungen des US-Konzern noch im Gegensatz zu diesen Versprechungen: lokales Content-Streaming wird eingeschränkt (vielleicht, damit es später nur eine standardisierte Schnittstelle gibt) und Googles eigene Apps unterstützen kein Streaming von Offline-Inhalten. Für uns in Deutschland heißt es sowieso noch “Abwarten und Tee trinken”, da Chromecast hierzulande nicht angekündigt ist. Wer sich dennoch bereits jetzt einen solchen Stick für knapp 40€ sichern möchte, schaut mal kurz bei den Kollegen von Androidnext vorbei. Die zeigen Euch, wie es geht.

Quellen: RedditGoogle+, Android Police, The Verge

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