Google Home Klangqualität: Sorry, aber so wird das nichts

Stefan Bubeck
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Ich haben einige Stunden Musik über Google Home gehört und bin enttäuscht. Denn das, was der Lautsprecher in Sachen Klang auftischt, ist nicht genug und somit eine wunderbare Steilvorlage für Apple.

Google Home Klangqualität: Sorry, aber so wird das nichts
Bildquelle: GIGA

Amazons Echo ist ein fantastischer Helfer im Alltag, denn immer wieder kann Alexa mit ihrer Intelligenz überraschen. Hier und da sind Lücken, aber unterm Strich kann man sagen: Das ist durchaus nützlich. Leider ist die Hardware verbesserungsbedürftig, denn der Klang des smarten Lautsprechers ist dünn und zuweilen blechern – echter Musikgenuss kommt da nicht auf. Google hatte deutlich mehr Entwicklungszeit und deshalb die Chance, mit Google Home hier einen klaren Punktsieg abzuräumen. Diese Chance wurde gnadenlos verschenkt.

Google Home im Soundcheck: Angeber mit Bass-Sucht

Nach der bemerkenswert einfachen Einrichtung des Speakers kann es los gehen: „OK Google, spiele mir etwas von Michael Jackson.“ Kaum setzen die ersten Takte von „Billie Jean“ ein, sticht bereits der markante Tiefton hervor. Soviel Bass aus einer rund 14 Zentimetern hohen „Dose“, das hätte ich nicht erwartet. Dagegen kann Amazons Echo nicht mithalten, obwohl hier durch den Größenunterschied mehr Volumen vorhanden ist und somit eigentlich ein Vorteil.

Leider ist der Bass das Beste am Google-Home-Sound und zugleich ein Problem – denn er überdeckt die Mitten und Höhen. Das Klangbild ist insgesamt dumpf und schwammig. Bei Sprecherstimmen (Radio, Nachrichten etc.) ist das zum Glück kaum zu bemerken – bei Musik allerdings schon. Wenn es sich dann auch noch um oft gehörte Lieblingssongs handelt, dann fällt der Bass-Trick umso mehr auf: Das ist definitiv nicht der Lautsprecher, auf dem man stundenlang Musik genießt.

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Das ist Google Home

Amazon Echo klingt klarer, auch der Rundum-Klangeindruck ist besser. Google Homes armselige Höhen werden seitlich schon schwächer, wer dahinter sitzt, bekommt dann endgültig einen Klang, der von jeglicher Brillanz befreit wurde. Bei hohen Lautstärken neigen beide zu Verzerrungen, es wird unangenehm, statt groovig. Disko aus der Mini-Box? Nein danke.

Insgesamt schlägt sich Amazon Echo je nach Musikrichtung etwas besser, liefert meist eine transparentere und natürlichere Vorstellung ab. Google Homes Klangcharakter erinnert an diese extrem günstigen 2.1-Multimedia-Lautsprecher-Sets vom Elektro-Wühltisch, bei denen sich stets der Subwoofer in den Vordergrund spielt und alles verdirbt.

„OK Google, wir müssen über Soundqualität sprechen.“

Bevor man jetzt zum Schluss kommt, Amazons Echo sei so gesehen die erste Wahl für Musik, muss klar gestellt werden: Beide Lautsprecher sind nicht als Ersatz für eine Stereoanlage geeignet. Erst Amazon und nun auch Google haben hier gerade mal Mittelmaß abgeliefert, was niemals für die ordentliche Beschallung eines Wohnzimmers ausreicht. Jede ambitionierte Bluetooth-Box liefert besser abgestimmten und satteren Sound.

Der günstige Dockin D Fine muss sich nicht vor den smarten Zylindern fürchten, ein Teufel Boomster lacht sich geradezu schlapp. Von den eigentlichen Konkurrenten in klanglicher Hinsicht, nämlich Multiroom-Lautsprechern wie oder brauchen wir gar nicht erst anfangen – sie spielen in einer anderen Liga. Ihnen gebührt die Ehre, den Wohnraum zum Konzertsaal zu machen.

Prognose: Apple wird den Musikfans liefern, was sie brauchen

Natürlich lässt sich immer mit der Einbindung argumentieren: Diese smarten Lautsprechern sollen doch nur die Befehle entgegennehmen und den Sound an ein bestehendes Setup weiterreichen, das dann so richtig toll klingt. Aber genau das ist der Punkt: Es gibt da draußen viele potentielle Kunden, die eine All-In-One-Lösung möchten, die auch Musik kann. Nicht so ein bisschen Radio-Gedudel, sondern richtig. Techno, Rock, Punk, Klassik, Jazz, Dubstep – aufdrehen, zurücklehnen, Gänsehaut bekommen.

Apple ist spät dran und bringt seinen HomePod hierzulande erst 2018. Dafür aber mit Soundtechnik an Bord, die höchstwahrscheinlich das liefern wird, was Amazon Echo und Google Home beide nicht können: Emotionen beim Musik hören. Ein Lautsprecher „der verblüffende Audioqualität liefert und räumliches Orientierungsvermögen dazu nutzt, seine Position in einem Raum zu erkennen und den Klang automatisch anzupassen,“ so der Hersteller.

Der Preis des HomePod könnte hierzulande die 400-Euro-Marke überschreiten – das spricht erstmal klar gegen Apple. Nicht jeder legt mal eben eine solche Summe für einen Smart-Home-Speaker hin. Oder etwa doch? Denn in dieser Liga befinden sich auch Sonos, Bose, Yamaha oder Denon – mit Erfolg. Wenn Apple es schafft, seine Klangversprechen zu erfüllen (Tim Cook: „Die Hörer werden schockiert sein“), dann werden sich die Multiroom-System-Hersteller nach Argumenten umschauen müssen.

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Fazit: Küche ja, Wohnzimmer nein

Natürlich weiß ich, dass es zu früh ist, ein Produkt zu loben, bevor es auf dem Markt ist. Apples Sound-Wunder hat bisher noch kaum jemand gehört, man sollte also keine voreiligen Schlüsse ziehen. Nur sind die frisch geschaffenen Tatsachen, die uns nun vorliegen, leider auch nur ein unfreiwilliger Teaser für den klanglichen Siegeszug des HomePods – denn Google Home ist gerademal ein besseres Küchenradio mit einer Extraportion Bass.

Der Widersacher aus Cupertino, der von sich selbst sagt „Musik tief in der DNA“ zu haben, könnte mit dem HomePod all diejenigen (geduldigen) Kunden gewinnen, für die Musik ein Lebenselixier ist, für dessen standesgemäßen Konsum auch gerne mehrere hundert Euro locker gemacht werden dürfen. Ein smarter Lautsprecher mit fettem Sound, ein neuer King im Wohnzimmer.

Mal schauen ob, Apple diese Chance nutzt – die Klang-Messlatte ist von Amazon und Google verlockend niedrig angelegt worden. Warum auch immer.

Weitere Themen: HomePod, Amazon Echo

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