Google Home und die deutsche Paranoia vor Überwachung

Kaan Gürayer
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Der Lieblingssport der Deutschen ist Fußball? Von wegen! Noch viel lieber frönt der Deutsche einem anderen Hobby: Angst haben. Nach Atomkraft, Gentechnik und dem Diesel werden pünktlich zum Marktstart von Google Home jetzt die smarten Lautsprecher verteufelt. Geht's noch? 

Google Home und die deutsche Paranoia vor Überwachung
Bildquelle: istock.com/SIphotography

Plötzlich wandelt sich das sympathische Lächeln in einen finsteren Blick: Wenn etwa Claus Kleber, der Grandseigneur des Nachrichtenfernsehens, im Heute Journal mal wieder über die neusten Produkte von Google, Facebook und Co. plaudert, darf eine abgedroschene Phrase natürlich nie fehlen: Das alles sei ja der „Alptraum der Datenschützer“, wird dann im Vorfeld bereits mit bierernster Stimme gewarnt. Damit ist das Drehbuch bereits vorgegeben.

Was üblicherweise folgt, ist eine tendenziöse Aneinanderreihung von Bedenkenträgern, kritischen Stimmen und vollkommen aus der Luft gegriffenen Horrorszenarien, gegen die selbst die absurdesten Verschwörungstheorien noch halbwegs realistisch klingen. Zur neuesten Zielscheibe der dauernörgelnden deutschen Datenschützer ist Google Home geworden, das morgen hierzulande seinen offiziellen Verkaufsstart feiert.

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Google Home - Teaser

Personalisierte Werbung – wie schlimm!

Die Angst vor dem intelligenten Lautsprecher in Blumenvasen-Optik ist durchaus berechtigt – schließlich kann so ein Google Home im Wohnzimmer ja mitbekommen, wann Mutti zum Abendessen ruft. Oder schlimmer: Google könnte dadurch sogar erfahren, was auf dem Teller landet und den Home-Nutzern irgendwann in düsterer ferner Zukunft personalisierte Werbung basierend auf ihren Essgewohnheiten vorspielen. Dann bekommt der passionierte Steak-Esser zum Porterhouse-Rezept auch noch passende Werbung serviert – wie schlimm! „Schatz, pack die Alu-Hüte aus, Google kommt uns holen!“

Natürlich ist Datenschutz keine Lachnummer und wir täten gut daran eine ehrliche Debatte darüber zu führen, wie transparent wir sein und wie viel wir von uns preisgeben möchten. Nicht nur im Hinblick auf die großen Tech-Konzern wie Google, Facebook oder Amazon, sondern auch gegenüber dem Staat und seinem Hunger nach persönlichen Daten. Stichwort: Vorratsdatenspeicherung.

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Heuchlerische Datenschutz-Hysterie

Die deutsche Hysterie um den Datenschutz erscheint aber etwas fragwürdig angesichts der Tatsache, dass Google bei uns einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent besitzt. 9 von 10 Menschen, die im Internet etwas suchen, greifen zu Google. Sich einerseits vor Google Home zu fürchten, dem US-Konzern aber andererseits die intimsten Geheimnisse (von Sexualpraktiken über Krankheiten bis hin zum Gehalt) anzuvertrauen, ist nicht nur dumm. Es ist heuchlerisch.

Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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