Siegeszug der Kopfhörer: Früher ein Zubehör, heute so wichtig wie das Smartphone

Stefan Bubeck
1

Kopfhörer werden immer teurer, immer besser und immer wichtiger – dank künstlicher Intelligenz und Sprachsteuerung steht ihnen eine goldene Zukunft bevor. Sie könnten sogar Smartphones den Rang ablaufen.

Siegeszug der Kopfhörer: Früher ein Zubehör, heute so wichtig wie das Smartphone
Bildquelle: GIGA

Letztes Jahr wurden weltweit 368 Millionen Kopfhörer verkauft – ein neuer Rekord, der 2017 höchstwahrscheinlich gebrochen wird. Egal ob Umsatz oder Stückzahlen: Das Geschäft brummt und die Kundschaft gibt immer mehr Geld für On-Ears, Over-Ears, In-Ears, Truly Wireless und so weiter aus. Die Fernseher-Absätze stagnieren, Digitalkameras steigen ab, sogar Smartphones haben ihren Zenith bereits überschritten – der heimliche Sieger der letzten Jahre ist der Kopfhörer.

Kopfhörer sind ein weltweiter Verkaufsschlager

Dabei ist es nicht lange her, da galt ein Kopfhörer für 150 Euro noch als kostspieliges Profiwerkzeug, das nur für wenige Konsumenten interessant war. Heute bekommt man dafür nicht einmal ein Paar Apple AirPods – die sich seit ihrem Start übrigens so blendend verkaufen, dass sich Lieferengpässe bildeten.

Im Schnitt 15 Euro haben wir Deutschen im Jahr 2005 beim Kopfhörerkauf ausgegeben. Nun sind wir bei 40 Euro angelangt, Tendenz steigend. Das sind die Durchschnittspreise – Technikenthusiasten geben ohne mit der Wimper zu zucken 400 Euro für Noise-Cancelling-Headphones eines Markenherstellers aus. Wenn schon, denn schon.

Kopfhörer vereinen Technik, Mode und Nützlichkeit

Wann genau der Aufstieg des Kopfhörers vom unscheinbaren Zubehör hin zum Lifestyle-Objekt der Begierde begann, ist schwer festzulegen. Wir möchten hier zwei Ereignisse nennen, die bedeutend waren.

  • Im Jahr 2001 erscheint der erste Apple iPod und mit ihm weiße In-Ear-Kopfhörer, die man auf der Straße sofort erkannt hat. Die kultige Werbekampagne mit tanzenden Silhouetten, sorgte für den Durchbruch: Mobiles Musikhören ist ein modisches Statement, der Ausdruck eines Lebensgefühls.
  • 2006 startete sie Marke Beats by Dr. Dre durch und eroberte innerhalb kurzes Zeit den Markt: Dank geschickten Marketings und einer Menge Pop- und Sport-Stars wurde aus dem Nobody der Marktführer – das hat die Branche wachgerüttelt, vielleicht sogar schockiert. Erkenntnis: Kopfhörer sind cool, die Kids stehen drauf – und Beats räumt gnadenlos ab.

Mittlerweile erleben wir eine „Konvergenz der Funktionen“: Musikwiedergabe, aktive Geräuschunterdrückung und Freisprechfunktion wachsen in modernen Noise-Cancelling-Kopfhörern zusammen. Vor wenigen Jahren haben wir tatsächlich noch zwischen „Kopfhörer“ und „Headset“ unterschieden – heute muss man es betonen, wenn einem Modell dieses Feature fehlt.

Ganz nebenbei zeigen Kopfhörer der Außenwelt, wer man ist. Sie sind Statussymbol und Accessoire zahlreicher Zielgruppen: Für jeden ist das richtige Modell verfügbar, die Auswahl ist gigantisch.

Wer damals in den 90ern mit Kopfhörern im Großraumbüro saß, wirkte auf die Kollegen wie ein Faulenzer, der Musik hört, statt zu arbeiten. Heute sehen wir Workaholics und Entrepreneure in Berlin, Hamburg und München geradezu uniformiert von Meeting zu Meeting eilen: Smartphone, Coffee-to-go und ... Kopfhörer.

Die gesellschaftliche Akzeptanz für dieses Gadget ist so hoch wie nie, die Präsenz im Alltag ist sichtbar gestiegen. Menschen tauschen sich darüber aus, sie informieren sich über das beste Modell für die eigenen Bedürfnisse. Die Beipack-In-Ears, die beim Handy im Lieferumfang dabei sind, reichen vielen längst nicht mehr aus – weswegen immer mehr Hersteller diese aus dem Lieferumfang streichen. An ihre Stelle ist eine bewusste Kaufentscheidung getreten, die nicht selten die 100-Euro-Grenze überschreitet.

Apropos In-Ears: Der deutsche Hersteller Sennheiser hat kürzlich sein neues In-Ear-Spitzenmodell IE 800 S vorgestellt, es kostet sage und schreibe 999 Euro. Das mag aktuell absolut verrückt erscheinen – aber man darf davon ausgehen, dass hier ein Markt vorhanden ist und Sennheiser diesen gezielt bedient. Wir werden sicherlich weitere Vorstöße in diese Preisregionen sehen, auch von anderen Unternehmen. Oberhalb von Apples AirPods (179 Euro) oder B&Ws P7 (349 Euro) ist noch genug Platz, bevor die ultimative Schmerzgrenze erreicht wird.

Auf Seite 2: Aufstieg der Kopfhörer: Das Smartphone ist in Gefahr

Weitere Themen: AirPods, Active Noise Cancelling (ANC): Geräuschreduzierende Kopfhörer – so funktionieren sie

Neue Artikel von GIGA TECH