Jawbone UP im Test: Ein Fitnessarmband für Armband-Skeptiker

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GIGA-Wertung:
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Ein Fitnessarmband, das einen zu mehr Bewegung nötigt? Eigentlich nichts für mich. Dachte ich zumindest, denn das Jawbone UP hat es mir ein klein wenig angetan. Wasserfest, leicht, modisch nicht völlig inakzeptabel — alle übrigen Eindrücke in diesem Test.

Jawbone hat mit dem UP ein Fitness-Tracker-Armband vorgestellt, das man 24 Stunden am Tag tragen kann, sich nicht um die Brust schnallen, in den Schuh stecken oder an die Kleidung heften muss. Davon gibt es (noch) nicht all zu viele und es macht neugierig.

Look & Feel: Design, Material, Verarbeitung

Ich bin kein Armbandträger. Eine Art Anti-Wolle-Petri, meistens komme ich sogar ohne Uhr am Gelenk aus. Entsprechend skeptisch war ich bei der Aussicht, fortan ständig ein blaues Ding am rechten Arm zu tragen. Doch ich muss sagen, es stört mich kein bisschen. Da es wasserdicht ist, kann man es nahezu überall tragen, nur beim Schwimmen empfiehlt der Hersteller, es abzulegen.

Nach kurzer Zeit hat man sich an das UP gewöhnt. Kein Wunder, wiegt es doch nur zwischen 19 und 23 Gramm, je nach Größe (S-L). Das Material, „medizinisch zertifiziertes, hypoallergenes TPU-Gummi“, ist nicht unangenehm und das Band äußerst biegsam. Gehalten wird es allein durch seine eigene Starrheit. Die reicht auch völlig, um es daran zu hindern, sich von allein zu verabschieden.

Optik ist natürlich immer subjektiv — ich finde jedenfalls, das UP ist nicht zu aufdringlich und trägt sich zu fast allem gut. Vor allem sieht es nicht so aus, als liefe man ständig mit einem Fitnessband herum (extrem uncool). Auf den ersten und auch zweiten Blick geht das Band wunderbar als Modeaccessoire durch.

Dabei ist es robust und hält einigem Verbiegen stand. Dafür hat der Hersteller extra eine

Reihe neuer Stresstests entwickelt, die das Band hundertfach biegen, ziehen, bewässern und zwischendurch ständig Funktionstests durchführen. Nur ein einziger Knopf reicht aus zur Bedienung, zwei kleine LEDs geben Rückmeldung über Eingaben und sind ansonsten unsichtbar hinter der Gummihülle verborgen.

Funktionen: Auf Schritt und Tritt

Das Armband misst jeden Schritt. Man erklärt uns, dass der Dreiachsen-Bewegungssensor im Inneren in der Lage ist, verschiedene Bewegungen zu unterscheiden. So wird nicht alles, was grob den Ablauf eines Schrittes nachahmt, mitgezählt. Jawbone konnte das Profil nach eigenen Angaben sehr präzise definieren und so eine höhere Genauigkeit bei der Zählung erreichen.

Aber stimmt das auch? In meinem Test über die vergangenen Wochen konnte ich keine großen Ungenauigkeiten feststellen. Meines Erachtens wurden ruckartige Bewegungen, die keine Schritte waren, tatsächlich nicht gezählt.

UP-App: Gute Ergänzung der Hardware

Möchte man wissen, was man den Tag über geleistet hat, verbindet man das Band über den Kopfhörerstecker mit iPhone oder Android-Smartphone. Die App bietet dann einen Überblick zu Kilometerleistung, Kalorienverbrauch und einigen anderen Werten. Man kann eingeben, was man den Tag über gegessen und getrunken hat, eine Datenbank hält viele Nährwertinformationen vor und zeigt mir, wie ich meine Bewegung durch Fressattacken wieder entwertet habe.

Außerdem hält einem das Programm vor Augen, wie wenig man bereits von seinem Tages-Schrittsoll geschafft hat. Das soll motivieren.

Tut es auch, noch viel mehr treibt einen aber der Wettstreit mit den Teammitgliedern. Man bildet Teams, indem man andere UP-Träger aus seinem sozialen Netzwerk-Umfeld einlädt und sie so im Wortsinn auf Schritt und Tritt verfolgt.

Der News-Stream auf der Startseite der App zeigt Neuigkeiten aus dem Bewegungs- und Ernährungsalltag der Teammitglieder, dazu dürfen Kommentare und Smileys hinterlassen werden. Bei Bedarf kann man auch einzelne Einträge seines eigenen Streams in soziale Netzwerken teilen.

Der Bewegungssensor kann aber nicht nur die zurückgelegten Kilometer zählen. Des Nachts fungiert er als dynamischer Wecker und Schlafrhythmus-Messgerät. Über die App stellt man die gewünschte Weckzeit ein und lässt sich nun zwischen 10 und 30 Minuten davor durch Vibrationsalarm aus dem Schlaf holen. Innerhalb dieser Toleranz weckt einen das UP-Band, wenn man gerade nicht im Tiefschlaf ist.

Das soll für entspannteres und muntereres Aufwachen sorgen. Auch das funktionierte in meinen Tests erstaunlich gut. Gerade heute musste ich das Band abends zum Aufladen an die Steckdose hängen (das passiert übrigens etwa einmal die Woche) und statt dessen den Radiowecker stellen. Der Unterschied war enorm, ich war einigermaßen gerädert, trotz guten 7 Stunden Schlaf.

Weitere praktische Funktionen: Aktivitäts-Erinnerungen — das Band vibriert nach einer definierten Zeit ohne Bewegung, um den Träger zu kurzem Umhergehen und Gliederstrecken zu animieren. Mithilfe einer eingebauten Stoppuhr lassen sich sonstige Trainingseinheiten einspeichern und die Nickerchen-Funktion sorgt für entspannten Schlaf zwischendurch mit sanftem Vibrationswecker. Kleine Hinweise auf dem Startbildschirm geben Tipps zu App-Funktionen oder gesünderem Tagesablauf.

Fazit

Ich bin einigermaßen begeistert von dem Jawbone UP. Zwar nutze ich nach zwei Wochen nicht mehr alle Funktionen — so ist es auf Dauer recht anstrengend, ständig jede Mahlzeit und jeden Kaffee aufzuzeichnen — aber das muss auch gar nicht sein. App und Armband erfüllen ihren Zweck auch mit zurückgefahrenem Bedienaufwand. Der Wecker ist zuverlässig und macht wirklich einen Unterschied zu traditionellen Holzhammer-Methoden.

Das Band ist zudem leicht, trägt im Gegensatz zu so manchem Konkurrent nicht dick auf und ist für mich zu einem echten Alltagsgegenstand geworden. Ganz nebenbei wird man dazu angetrieben, jede Gelegenheit zu mehr Schritten zu nutzen, um sich im Team nicht als Faulenzer zu outen.

Erstaunlich ist davon abgesehen, wie viel Technik sich in dem kleinen Teil verbirgt. Sensor, Vibrationsmotor, Speicher für Wecker und Schrittdaten und ein Akku der bei häufigem Gebrauch gute 8-9 Tage durchhält (Herstellerangabe: 10 Tage).

Für den Preis von derzeit 129 Euro (UVP) bekommt man ein sehr gut verarbeitetes, hilfreiches Accessoire, das einen obendrein zu mehr Bewegung antreibt. Wer kann ernsthaft von sich behaupten, dass er das nicht nötig hätte?

Noch ist der Preis recht hoch, bewegt sich im Vergleich mit der Konkurrenz (Fitbit One: , Nike Fuelband: !) aber noch im Rahmen des Vertretbaren.

Wem das dennoch zu viel ist: Einfach noch ein paar Wochen gedulden. Es ist wahrscheinlich, dass der „Straßenpreis“ unter 100 Euro rutscht, sobald das UP im Handel erhältlich ist und nicht mehr nur bei Jawbone selbst.

Die zugehörige App ist übrigens für Android und — in der Android-Version fehlen zum Teil die deutschen Übersetzungen. Jawbone arbeitet aber bereits daran, beide Plattformen diesbezüglich auf einen Stand zu bringen.

Vorteile
+ Leicht und unauffällig zu tragen
+ Lange Akkulaufzeit
+ Intelligente Weckfunktion
+ zuverlässiger Schrittzähler mit vielen Zusatzinfos

Nachteile
- (Noch) recht hochpreisig
- Android-App noch nicht vollständig übersetzt


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