Nach wie vor bleibt die Diskriminierung der Afroamerikaner ein Thema in den Vereinigten Staaten. Bis zuletzt wurden Stimmen aus der schwarzen Bevölkerung laut, die der
US-Regierung um US-Präsident George W. Bush fehlende Unterstützung während der Hurrikankatastrophen vorwarfen. Viele Schwarze konnten sich aufgrund ihrer schlechten Lebensverhältnisse nicht mehr rechtzeitig aus den Katastrophengebieten befreien und fielen so den Unglücken zum Opfer. Um ein “Zeichen der Solidarität mit den Opfern” zu setzen, machten sich prominente Schwarze und afroamerikanische Verbände daher, erfolgreich, für eine Großdemonstration gegen Armut und Benachteiligung stark und begründeten ihren Entschluss: “Wir demonstrieren, weil es immer noch einen Graben zwischen zwei Amerikas gibt”.

“Wir werden New Orleans nie vergessen”

Der Andrang war groß – Zehntausende Afroamerikaner aus verschiedenen Bundesstaaten der USA kamen am Sonnabend für den Protestmarsch zusammen. Louis Farrakhan, Gründer der Nation of Islam und Mitorganisator der Großkundgebung, kommentierte die Situation während der Hurrikankatastrophen wie folgt: “Wenn die Menschen auf diesen Dächern blondes Haar und blaue Augen und eine helle Haut gehabt hätten, wäre rechtzeitig etwas unternommen worden.” Selbst in Zeiten des solidarischen Zusammenhaltes, den “Katrina” und “Rita” erforderten, konnte die Misere der Afroamerikaner und der Armen nicht gemindert werden. Im Gegenteil: Sie traf es am härtesten.

Begleitet wurde die Demonstration nicht nur von prominenter Unterstützung, auch das Motto der Kundgebung mutete prominent an: “Millions More Movement” sollte an eine der größten Kundgebungen der schwarzen Bürgerrechtsbewegung erinnern, die vor genau zehn Jahren mit dem Motto “Million Man March” den Schwarzen Mut zusprach, das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen.
Dass US-Präsident George W. Bush an Zustimmung in der Bevölkerung verliert, bestätigte auch eine Umfrage für NBC und das “Wall Street Journal”, derzufolge nur etwa zwei Prozent der schwarzen US-Bevölkerung mit der Politik des US-Präsidenten einverstanden sind.

Am Wochenende kam es auch in Toledo im US-Bundesstaat Ohio zu Unruhen während einer Kundgebung: Mehrere hundert überwiegend schwarze Gegendemonstranten störten einen geplanten Protestzug von rund 80 Mitgliedern der rassistischen Nationalsozialistischen Bewegung und richteten bei späteren Randalen große Schäden an. Es gab mehrere Dutzend Festnahmen.