Snapdragon 835: Qualcomms neuer High-End-Chip für 2017 - Alle Infos und Artikel

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Beschreibung

Der Snapdragon 835 wurde im Rahmen der Consumer Electronics Show 2017 offiziell vorgestellt. Mit fortschrittlicherem Produktionsverfahren, neuer Architektur und optimierten Teilkomponenten definiert Qualcomm die Prozessor-Messlatte der ersten Jahreshälfte. Ein großer Vorteil des Chips ist die dezidierte Unterstützung von Dual-Kameras und VR-Systemen.

Im Vorfeld der offiziellen Präsentation hatte Qualcomm diverse Ankündigungen getätigt und gewisse Verwirrung hinsichtlich des Leistungszuwachses gestiftet. Der Snapdragon 835 ist das erste Chipset, das im 10-nm-FinFET-Verfahren (kurz: 10LPE) von Samsung gefertigt wurde. Laut dem südkoreanischen Konzern erlaubt die dritte Generation dieses Produktionsverfahren je nach Nutzung bis zu 27 Prozent höhere Performance oder 40 Prozent sparsamere Energieumwandlung – verglichen mit der ersten Generation, wohlgemerkt. Dementsprechend dürfte die relative Verbesserung im Vergleich mit dem Snapdragon 820, das mit dem 14LPP-Verfahren der zweiten Generation produziert wurde, etwas geringer ausfallen.

Qualcomm-Snapdragon-835-Zusammenfassung

Allerdings legt Qualcomm beim Snapdragon 835 ohnehin weniger einen Fokus auf reinen Leistungszuwachs. Viel mehr soll das SoC als Gesamtpaket überzeugen und den 2017 zu erwartenden Trends gerecht werden. Dafür hat der Chip-Hersteller die vorliegenden ARM-Designs nur teilweise verändert und eine Hybrid-Architektur entworfen (Stichwort: semi-custom). So konnte Qualcomm in ausgewählten Bereichen zweckdienliche Optimierungen vornehmen und andere Teile, deren Veränderung mehr Aufwand denn Vorteil gebracht hätte, in ARMs Sinne belassen.

Snapdragon 835: Die CPU taktet auf bis zu 2,45 GHz

Der Snapdragon 835 ist wie folgt aufgebaut: Zum Einsatz kommt das big.LITTLE-Prinzip mit vier Performance-Kernen und vier Effizienz-Kernen. Beide Cluster sind teilmodifiziert – als Basis dienten mutmaßlich Cortex-A72 respektive -A73 sowie Cortex-A53-Kerne, gleichwohl Qualcomm darüber keine offiziellen Angaben macht. Im effizienten Modus ist der Snapdragon 835 zu einer Taktrate von bis zu 1,9 GHz fähig; falls Leistung gefragt ist, erreicht die Taktrate bis zu 2,45 GHz.

Qualcomm-Snapdragon-835-CPU-Cluster

Die L2-Caches, die der Speicherung von akut benötigten Daten aus dem regulären Arbeitsspeicher dienen, fallen im Vergleich zum Snapdragon 820 doppelt so groß aus: Der Effizienz-Cluster hat 1 MB L2-Cache zur Verfügung, für den Performance-Cluster stehen sogar 2 MB L2-Cache bereit. Ein größerer Cache ist im Übrigen eine Win-Win-Situation, da sowohl die Performance als auch die Energieaufnahme verbessert werden. Das ist auf den geringeren Datenaustausch zwischen den einzelnen Speicherhierarchien zurückzuführen.

Snapdragon 835: Optimierungen der Grafikleistung

Der Versionssprung der GPU fällt derweil kleiner aus. Die neue Adreno 540 nutzt ohnehin dieselbe Grundarchitektur wie die Adreno 530 des Snapdragon 820. Grundsätzlich hat sich Qualcomm darauf beschränkt, etwaige Flaschenhälse zu optimieren und die Arbeitsschritte pro Pixel zu reduzieren. Das resultiert beispielsweise in einer 25 Prozent besseren 3D-Render-Performance. Wie es sich für eine GPU für 2017 gehört, unterstützt die Adreno 540 alle gängigen Standards wie OpenGL ES 3.2, DirectX 12 und Vulkan.

Snapdragon 835: DSP und ISP mit kleineren Verbesserungen

Wie es um den neuen Hexagon 682 DSP steht, lässt Qualcomm weitgehend offen. Im Vergleich zum Hexagon 680 des Snapdragon 820 dürfte sich aber wenig geändert haben. So ist der digitale Signalprozessor etwa weiterhin dazu in der Lage, mit Bild und Ton unterschiedlicher Quellen gleichzeitig zu hantieren. Diese Fähigkeit greift etwa, wenn der Nutzer während einer Fotoaufnahme noch Musik im Hintergrund abspielt – anstatt die Musik kurz zu pausieren, wie bei vielen SoCs üblich, bleibt die Wiedergabe durch den Snapdragon 820 sowie den 835 ungestört.

Der DSP von Qualcomm ist obendrein mit zwei zusätzlichen Kernen ausgestattet. Einer dient der Signalverarbeitung des X16-LTE-Modems, der andere ist speziell auf niedrigen Energieanspruch ausgelegt und arbeitet auch während des Standby im Hintergrund. Damit lassen sich etwa Aktivitäten wie Schritte des Nutzers aufzeichnen, die Position grob anhand von LTE, WLAN und Bluetooth LE berechnen und andere Sensoren auswerten. Ein weiterer Einsatzzweck wäre etwa die Always-On-Funktion der Google-App, die im Hintergrund nach dem Hotword lauscht.

Qualcomm-Snapdragon-835-Hybrid-Autofokus

Für die reine Bildverarbeitung, sprich die Verarbeitung der vom Bildsensor erhaltenen Daten, ist indes ein dezidierter ISP zuständig. Dieser erhält im Snapdragon 835 ein kleines Upgrade verglichen mit dem Snapdragon 820. So werden bis zu 32 MP beziehungsweise zweimal 16 MP unterstützt – letzteres ist natürlich für Dual-Kameras gedacht, die 2017 gehäuft zum Einsatz kommen sollen. Der neue Spectra 180 ISP kann ferner besser mit Hybrid-Autofokus umgehen. Überhaupt spricht Qualcomm von einem optimierten und vor allem schnelleren Autofokus.

Snapdragon 835: Das sind die Vorteile

Unterm Strich erhält der Nutzer mit dem Snapdragon 835 zuvorderst einen effizienteren Prozessor. Für 2017 hat Qualcomm großen Wert darauf gelegt, die Energienutzung zu optimieren. Dementsprechend wurde sich eingehend mit dem Effizienz-Cluster befasst, der laut Qualcomm ohnehin 80 Prozent der Zeit in Anspruch genommen wird. Zudem verspricht auch das 10-nm-Verfahren eine höhere Gesamteffizienz. Laut Qualcomm benötigt der Snapdragon 835 insgesamt 25 Prozent weniger Energie als der Snapdragon 820 und 50 Prozent weniger als der Snapdragon 801. Zudem wird Quick Charge 4.0 unterstützt, das bis zu 20 Prozent schnellere Ladezeiten verglichen mit der dritten Generation ermöglicht.

Qualcomm-Snapdragon-835-Batterie

Darüber hinaus kann der Snapdragon 835 weitaus besser mit Dual-Kameras verschiedener Typen umgehen. Schließlich verschreiben sich Apple, Huawei und Co. unterschiedlicher Ansätze – von Abweichungen in der Brennweite bis hin zum Einsatz eines BW-Sensors zur akkurateren Beleuchtungserfassung. Um den Smartphone-Herstellern etwas Arbeit abzunehmen, stellt Qualcomm außerdem diverse Algorithmen bereit, um beispielsweise eine Gesamtaufnahme aus zwei verschiedenen Kamerasensoren zu generieren. Ferner hat der US-amerikanische Chip-Hersteller ein neues Paket für OEMs vorgestellt: Vorgefertigte Hardware- und Software-Lösungen, die ohne zusätzliche Arbeit direkt in ein Smartphone implementiert werden können.
Qualcomm-Snapdragon-835-Kamera-Modul

Zuletzt widmete sich Qualcomm auch noch der VR-Fähigkeiten des Snapdragon 835. Lange Rede, kurzer Sinn: Der neue Chip erreicht eine Latenz von 15 Millisekunden, beim Snapdragon 820 waren es noch 18 Millisekunden. Dieser Zeitversatz verursacht bisweilen Bewegungskrankheit, darum ist ein geringerer Wert durchaus zu begrüßen.

Snapdragon 835: Verfügbarkeit in mobilen Endgeräten

Die Produktion des Snapdragon 835 läuft seit Januar 2017 auf Hochtouren. Mit ersten Endprodukten ist in der ersten Jahreshälfte zu rechnen.

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