tizi versus Tivizen, equinux versus Elgato

Sebastian Trepesch
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Sie gleichen sich wie ein Ei dem anderen: tizi und Tivizen, DVB-T-Lösungen für iPhone und iPad. Per Wi-Fi wird das Fernsehbild auf das iOS-Gerät gestreamt. Die unscheinbaren Kästchen, so klein und nur halb so dick wie eine Zigarettenschachtel, laufen erfolgreich. Produziert werden sie von zwei in Deutschland ansässigen Unternehmen, equinux und Elgato – und zwar nicht in Kooperation. Wer hat von wem abgekupfert? Wer ist der “Gewinner”? Und warum sind die Teile eigentlich so teuer?

Die Kästchen sind begehrt, von equinux wie von Elgato. Letztere haben ihre erste Lieferung ausverkauft, die zweite soll ab morgen verfügbar sein. Dabei gibt es ihr Tivizen erst seit April 2011. Auch von equinux sind keine Klagen zu hören, ganz im Gegenteil: Das Unternehmen konnte mit tizi den bisher besten Launch eines eigenen Produktes erzielen.
Alles eitler Sonnenschein? Nein. Die Unternehmen halten sich bedeckt, wollen die Konkurrenz aus dem eigenen Land nicht allzu deutlich „anklagen“. Ganz verbergen können sie im Gespräch allerdings nicht, dass die Szene sehr angespannt ist.

Dazu bedarf es ein paar Hintergrundinformationen: Elgato ist Hersteller von TV-Tunern und –Software für PC und Mac. Nicht irgendein Hersteller, sondern einer der umsatzsstärksten. equinux ist in erster Linie Softwarehersteller und konzentriert sich gern auf Medienlösungen.

Ende Oktober 2010 stellte equinux tizi vor. Das kleine schwarze Kästchen ist ein DVB-T-Empfänger. Per eigenem Wi-Fi-Netz wird das TV-Signal auf das iPhone oder iPad übertragen. Dank Akku kann tizi in die Jackentasche gesteckt werden, und eine Fußballübertragung oder der Eurovision Songcontest im Biergarten angeschaut werden. Dreieinhalb Stunden hält die Batterie.

Vor drei Wochen hat Elgato eine vergleichbare – um nicht zu sagen: identische – Lösung vorgestellt. Alles dreist abgekupfert?
Etwas verwunderlich ist es schon, dass nicht der TV-Spezialist zuerst mit einem derartigen Produkt auf den Markt kam. Elgato musste sich erst von der hohen Nachfrage überzeugen lassen, während equinux den richtigen Riecher zeigte.
Hinsichtlich „abgekupfert“ behauptet Lars Felber, Produktmanager bei Elgato, dass die Technologie nicht von equinux stamme. Ein Beweis sind Demos, die schon 2010 öffentlich auf der CES präsentiert wurden, und zwar von dem koreanischen Unternehmen valups. Ein dritter Name im Gefüge, der eine ganz zentrale Rolle einnimmt. valups stellt sowohl für equinux, als auch für Elgato das kleine schwarze Kästchen her.

„Kein Unternehmen setzt sich mit dem Lötkolben hin“, erklärt Christian Dallmayer, Marketingmanager von equinux. „Das ist so, wie wenn ein Autohersteller zu Bosch geht und ein Bremssystem einkauft.“ Manche Produkte werden selbst entwickelt und zum Beispiel nur ein Chip geordert, manche werden nur umgelabelt. Das iPad stellt Apple nicht in einer eigenen Fabrik her, sondern vergibt Aufträge an Foxconn.
Gut, tizi und Tivizen sind also beide eigentlich von valups, somit dürfte es keine Spannungen zwischen den Beteiligten geben.

Doch equinux will einen großen Teil an eigener Leistung in die Entwicklung eingebracht haben. „Es ist etwas unüblich,“ formuliert es Dallmayer sehr vorsichtig, „dass ein Design eins zu eins auf dem Markt erscheint.“ Der Begriff Design lässt sich an dieser Stelle sehr weit fassen: Nicht nur die schwarzen Kästchen sehen fast identisch aus. Auch die Verpackungen, der Installationsprozess und ein paar Funktionen laufen bei Elgato ganz ähnlich. „Unser Setup lehnt sich an die EyeTV-Software auf dem Mac an,“ rechtfertigt sich Felber. „Denn die Einrichtung eines DVB-T-Tuners, ob nun am Mac, einem iOS-Device oder dem Fernseher erfolgt stets nach dem selben Schema“, so der Elgato-Mitarbeiter, und weiter: „Tivizen würde auch so aussehen, wenn es nie ein Tizi gegeben hätte.“ Auch die Verpackung folge einem seit Jahren gültigen Designkonzept des Unternehmens. „Wir werden kaum unsere Corporate Identity aufgeben, nur weil equinux das auch mal ausprobiert.“

Ehrlich gesagt: Bei der Verpackung ist bei beiden Beteiligten die Handschrift von Apple zu erkennen. Zudem gibt es ja noch den dritten im Bunde, Hersteller valups, der anscheinend Vorgaben gemacht hat:

„Den Namen und das Logo sowie dessen Farbgebung haben wir uns nicht selber ausgedacht,“ so Felber, „das hat sich aus den Co-Branding-Vorgaben von valups ergeben.“ Als Beweis schickte er uns ein Bild in die Redaktion, das ganz rechts die Verpackung des Fabrikanten zeigt – ebenfalls in ähnlichem Stil gehalten.

equinux dürfte deshalb so verstimmt sein, weil das Unternehmen viel Zeit in den tizi gesteckt hat, und sich ein „Follower“ nun einfach anhängt. „Ein Produktlaunch ist nicht so trivial, wie man sich vorstellt,“ meint Dallmayer. Seit 2009 habe das Unternehmen tizi vorbereitet. Auf der damaligen Macworld Expo haben sie dem Marketing-Manager zufolge TV-Empfänger gesehen. Daraufhin machten sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Zulieferer, den sie in valups fanden. Zusammen mit dem Fabrikant bereitete equinux das Produkt für den deutschen Standard DVB-T vor, inklusive Firmware, inklusive zahlreicher Details, die das deutsche Unternehmen für die qualitätsbewussten Mac-Nutzer implementieren ließ. „Detailenscheidungen machen ein Produkt zum Produkt“, so Dallmayer, „Wenn sich diese Details in einem anderem wieder finden, ist es eine Kopie.“ Offensichtlich konnten die Verträge nicht so gestaltet werden, dass ein weiterer Marktteilnehmer – wie eben Elgato – nicht auch davon profitieren konnte. Oder equinux hat es schlichtweg versäumt. Ein großes Vertrauen dürfte die Münchner Firma jedenfalls nicht mehr gegenüber dem koreanischen Zulieferer hegen. Es scheint fast so, dass, wenn es einen bösen Bube in der Angelegenheit um tizi und Tivizen gibt, der Pokal an valups gehen müsste.

Punkten will das Unternehmen gegenüber der Konkurrenz jetzt mit der Software, die App tizi.tv, die das schwarze Kästchen ansteuert. „Unser Spezialgebiet ist, gute Benutzeroberflächen mit verschiedenen Technologien intelligent zu verbinden“, findet Dallmayer, „Interessenten sollten sich beide Produkte ansehen. Wir sind von unserem Konzept überzeugt.“ Viele kleine Details sollen tizi zur besseren Lösung im Alltag machen.

Gibt es nun einen Gewinner in den Auseinandersetzungen um einen mobilen TV-Tuner für das iPad? Ja, eine ganze Reihe sogar. An vorderster Front natürlich valups, der Fabrikant. Elgato ebenfalls, sie konnten relativ einfach die mobile TV-Lösung auf den Markt bringen. Ganz unzufrieden sollte jedoch auch equinux nicht sein. Schließlich verkaufen sich die Produkte gut, und das Unternehmen konnte den zeitlichen Vorsprung ausnutzen. Irgendeine ähnliche TV-Lösung von irgendeinem Hersteller, so will man meinen, wäre sowieso gekommen. Hauptgewinner ist jedoch der Kunde: Die Preise sinken.

Normale DVB-T-Sticks für den USB-Anschluss kosten 20 bis 40 Euro, warum ist die Streaming-Lösung für die iOS-Geräte so teuer? Sowohl tizi als auch Tivizen waren ursprünglich mit 149 Euro angesetzt. „Einen Großteil der Kosten verursacht die Hardware“, erklärt Felber. Klar, einerseits kann valups seine Monopolstellung ausnutzen. Denn noch immer gibt es keine Produktalternative von einem alternativen Fabrikanten. Andererseits steckt Technik in dem kleinen Kästchen, die ein USB-Stick nicht benötigt: „Hotspot, Akku, Powermanagement, und natürlich ein DVB-T-Chip der neuesten Generation“ zählt Dallmayer auf. Des Weiteren müssen Lizenz-Gebühren für Standards und Patente bezahlt werden. Nicht zu vergessen die Entwicklungskosten, besonders für die Software.
equinux zeigt sich froh, dass auch der Mitbewerber den Ursprungspreis anfangs nicht unterbieten konnte: „Das bestätigt unser gewähltes Preisniveau.“

Zur Freude potentieller Kunden sinken die Preise mittlerweile doch. Den TV-Empfänger gibt es in Aktionen schon ab rund 100 Euro* zu erhalten. Die Nutzer sind aber nicht nur deshalb auf der Siegerseite: Bei der gleichen Hardware versuchen sich die Unternehmen, in Sachen Software zu übertrumpfen. equinux weist dafür beispielsweise auf eine deutlich schnellere Sendersuche, indem der Ort durch die Geodaten einbezogen wird. Weitere Verbesserungswünsche von Kunden dürften bald umgesetzt werden: „Wir hören auf den Markt, und wir haben einen Zeitvorsprung“, sagt Dallmayer mit Blick auf kommende Funktionen. „Jeder muss entscheiden, ob er das Original haben will, oder einen Nachbau – das Produkt zur Marktreife zu bringen war unsere Leistung.“

Felber sieht den Vorwurf gelassen: „Die Technologie stammt nicht von equinux, sondern von valups, es gibt von uns nichts rechtzufertigen.“ Das Produkt tivizen integriere sich gut in das Portfolio des TV-Spezialisten. Beide Unternehmen haben ihre Absatzkanäle. Felber: „Der Markt reicht locker für beide aus.“

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