9 Dinge, die uns Smartphones kaputt machen

Kamal Nicholas

Ja, die Überschrift ist absichtlich etwas kontrovers gewählt. Während Smartphones natürlich viele Vorteile mit sich bringen, haben sie oftmals auch einen sehr negativen Effekt auf uns. Wir zeigen euch hier 9 negative Effekte, die Smartphones mit sich bringen.

„Was? Smartphones sind doch super und die beste Erfindung der Menschheit!“. Sicherlich gibt es unter euch Lesern den einen oder anderen, der genau das denkt. Und das ist auch in Ordnung so. Meine Meinung ist allerdings eine etwas andere. Denn während ich durchaus auch die Vorteile und tollen Möglichkeiten sehe, die durch Mobilfunktechnologie im Allgemeinen und Smartphones im Besonderen gegeben sind, sehe ich doch auch einige Nachteile, die nicht sonderlich schön sind.

1. Der echte Moment wird verpasst

Menschen bezahlen viel Geld, um endlich auf das Konzert ihrer Lieblingsband zu gehen, die zum ersten Mal in der eigenen Stadt spielt. Auf dem Konzert wird dann ab dem ersten Lied das Smartphone (oder mittlerweile sogar das Tablet) aus der Tasche geholt, um den Auftritt zu filmen. Am besten Hochkant. Und wofür? Um dann diese Video in extrem schlechter, verwackelter Bildqualität und noch miserablerem Klang auf YouTube hochzuladen, wo es sich dann keiner anschaut. Das Schlimmste dabei ist aber vielleicht, dass die „filmenden“ Personen nicht nur sich selbst ablenken und statt zur Bühne auf ihr Telefon schauen, sondern dass ihr Arm und das Gerät immer im Weg der anderen Zuschauer sind, die sich das Konzert vielleicht in „echt“ ansehen möchten.

2. Unsere Chefs wohnen in unserem Kopf

Dank Smartphones können wir ständig unsere E-Mails checken. Das gilt natürlich auch für solche, die wir von der Arbeit erhalten. Und weil wir das können, machen wir das auch. Fantastisch. Während früher noch so etwas wie ein tatsächliches Wochenende existierte, arbeiten die Menschen heutzutage freiwillig auch am Wochenende, weil das Smartphone (oder der freie Wille?) sie dazu verleitet, dieses gewisse Extra beim Job zu geben. Früher nannte man so etwas Überstunden, die auch tatsächlich mal entlohnt wurden, heute nennt sich das „Motivation“.

3. Dinge werden nicht mehr richtig gelesen

Mit dem Smartphone haben wir Zugriff auf eine Unzahl an Informationen: Nachrichtenportale, Webseiten, Blogs, soziale Netzwerke, Flipboards, RSS-Reader, Twitter und vieles mehr. Alles ist nur einen Klick weit entfernt. Aber wie sagt man so schön: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Doch anstatt sich wirklich für einen ausführlichen Artikel zu entscheiden, wird möglichst alles überflogen. In der Praxis heißt das: Überschrift, vielleicht noch eine Zeile der Einleitung und die fett markierten Stellen im Text (wenn es hoch kommt) lesen. Am besten werden diese Artikel dann aber auch gleich wieder auf einem der sozialen Netzwerke geteilt, natürlich mit dem Hinweis, wie gut doch dieser Artikel sei.

4. Die Spontaneität geht flöten

Ach ja, die Spontanität. Was war das noch gleich? Ich meine damit nicht einen spontanen Anruf oder eine Nachricht zu einem „spontanen“ Treffen in einer Woche (wenn man es zwischen Meeting und anderen Terminen irgendwie einrichten kann), sondern das spontane Vorbeigehen am Haus eines Freundes, mit dem man dann spontan ein Getränk seiner Wahl zu sich nimmt, um sich über Gott und die Welt zu erhalten. Aber nein, wir sind ja zu beschäftigt damit, Artikel im Internet zu lesen und mehr über unsere Freunde in den sozialen Netzwerken zu erfahren.

5. Echte soziale Interaktion verschwindet

Punkt 4 ist bereits der erste Schritt dahin, dass die echte soziale Interaktion immer weniger wird. Beim sogenannten Phubbing starren Leute auf ihre Smartphones, wenn sie zusammen sind, obwohl sie ja gerade zusammen sind (egal ob auf Partys oder beim geplanten romantischen Dinner zu zweit). Dinge müssen nicht mehr in persona erzählt werden, da ja bereits alles auf Facebook geteilt wurde. Mit Menschen, die man nicht einmal kennt. Es kommt immer öfter zu eher unangenehmem Schweigen, glücklicherweise genügt ja ein Blick auf das Smartphone, um diesem zu entschwinden.

5. Wir sind abhängig

Eigentlich sind Smartphones ja dazu da, uns unser Leben zu erleichtern. Aber wehe wir vergessen, das Ding abends aufzuladen oder schlimmer noch, wir lassen es ganz zuhause liegen. Wie um Himmels Willen sollen wir den Tag überstehen, wenn wir nicht alles mit dem intelligenten kleinen Telefon überprüfen, terminieren, koordinieren, aktualisieren und organisieren?

6. Die Sünden unserer Vergangenheit begleiten uns

Das Internet vergisst nichts. Klingt vielleicht nach einer blöden Floskel, sollte aber doch ein wenig ernster genommen werden. Dabei ist nicht einmal die Rede von Datenschutz, sondern von bestimmten Inhalten, die man besser nicht mit der virtuellen Welt teilen sollte. Ein Video vom Alkohol- oder Drogenexzess der letzten Party, Fotos von einer kleinen Sex-Eskapade, die man mit seinen „Freunden“ teilt, öffentliche (sehr deutliche/explizite) Meinungen über den eigenen Arbeitgeber? Vielleicht sollte man das einfach besser für sich behalten. Früher waren schon normale Telefone und Alkohol eine üble Kombination, mit Videos, Klang und Internet hat die ganze Sache aber noch eine ganz andere Dimension erhalten.

7. Wie war das nochmal mit der Freiheit?

Ja, auch Freiheit ist ein wichtiges Thema. Wer hat nicht schon von Leuten gehört, die in der Schule oder bei der Arbeit geschwänzt haben, dann aber am gleichen Tag ein Foto von ihrem  grandiosen Aufenthalt sonstwo „geshared“ haben. Ja, da muss man schon ein bisschen hirnrissig sein, wenn man glaubt, dass das nicht auffliegt, aber was eher wenige im großen Stil machen, passiert nicht selten im kleinen Stil.

8. Privatsphäre adé

Natürlich ist auch der Datenschutz eine ganz große Nummer. Während die Menschen damals noch wegen eines (zugegebenermaßen unfreiwilligen) „Lauschangriffs“ auf die Straße gegangen sind, haben die Leute heutzutage überhaupt gar kein Problem mehr damit, wenn ein großer Konzern ganz genau weiß, wo man zur Schule gegangen ist. Was für Freunde  und welchen Beziehungsstatus man hat, welche Hobbys man pflegt, man wohnt, feiert, schläft, einkauft, was man gerne isst, was man mag und nicht mag, wo man den Urlaub verbracht hat usw. Nein, stattdessen gibt man all diese Dinge ganz freiwillig preis. Welchen Preis wir alle dafür tatsächlich zahlen, ist bisher noch ziemlich ungewiss (günstig ist er aber sicherlich nicht).

9. Wir vergessen Dinge

Wie komme ich nochmal in die Müllerstr. 34? Kein Problem, Google Maps hilft. Was bedeutet nochmal Altruismus? Schlag ich schnell bei Wikipedia nach. Wie viel ergibt 23 +119? Ich geb‘s schnell in der Taschenrechner-App ein. Das Smartphone weiß mittlerweile so gut wie alles und es scheint, als vergessen wir dabei immer mehr. Meine eigene Telefonnummer weiß ich noch gerade so, bei anderen wird es ganz schnell sehr viel schwieriger. Natürlich wissen wir, wie man die Information findet, das funktioniert dann aber leider nur, solange die Technik mitspielt.

10. Wir kriegen alle dicke Nacken

Ganz zu Schweigen von Glubschaugen und Hornhaut-überzogene Zeigefingern. Ok, das ist jetzt vielleicht etwas übertrieben, aber ihr wisst schon, was ich meine.

Artikelbild: The Oatmeal

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