Dieses App-gesteuerte WC analysiert euren Urin

Johann Philipp

Wie steht es um die Gesundheit? Das WC der Zukunft ist mit dem Smartphone vernetzt und analysiert den Urin des Nutzers. Keine wilde Vision, sondern schon Realität. Der Sanitärhersteller Duravit hat einen Prototyp entwickelt.

Dieses App-gesteuerte WC analysiert euren Urin
Bildquelle: Duravit AG.

Das „BioTracer WC“ von Duravit wurde auf der Sanitär-Weltleitmesse ISH 2017 in Frankfurt vorgestellt. Äußerlich ist auf den ersten Blick kein Unterschied zum herkömmlichen WC zu erkennen. Aber hinter der weißen Keramik steckt jede Menge Technik. Zur Nutzung gibt es eine dazugehörige App.

Sensor analysiert Urin

Das smarte WC ist ausgerüstet mit einem optischen Sensor, einer Kartusche für Teststreifen und einem Tank mit destilliertem Wasser. Der Sensor misst zehn verschiedene Gesundheitswerte. Die Ergebnisse werden dann auf dem Smartphone oder Tablet angezeigt. Im Detail wird der Glukosegehalt, Leukozytenzahl, Blutanteil, Proteinwert, Ketonwert, Nitritwert, Urinbilinogenwert, Bilirubinwert und der pH-Wert gemessen. Sobald ein Wert von der Norm abweicht, gibt die App einen Hinweis.

 

Ergebnisse in App anzeigen

Der Test verläuft grundsätzlich nicht anders, als bei normalen Urinproben. Der Unterschied: Es funktioniert alles automatisch. Ein Teststreifen verfärbt sich und gibt Auskunft über die Messwerte. Je nachdem welche Farbe dargestellt wird, lassen sich die Werte in einer Tabelle ablesen. Diesen Job übernimmt nun der Sensor im WC. Um den Test zu starten, muss die App des Herstellers geöffnet werden. Wenn das Smartphone eine Verbindung zur Toilette hergestellt hat – natürlich kontaktlos, nimmt das Smart-WC automatisch eine Probe von wenigen Millilitern, die weiter ins Innere der Toilette geleitet werden. Dort wird der Urin auf den Teststreifen injiziert. Der Streifen wird dann vom optischen Sensor gescannt und die ermittelten Daten per Bluetooth ans Smartphone geschickt. Der Hersteller spricht von der „vollautomatischen und hygienischen Urinmessung“.

Nach jedem Test wird das System mit destilliertem Wasser gespült. Wo sich die Kartusche dafür befindet und wie oft sie gewechselt werden muss, wird nicht erläutert. Die Kartusche für die Teststreifen enthält 100 Stück, die für ein bis zwei Jahre ausreichen sollen. Bisher gibt es nur einen Prototyp. Angaben zum Marktstart und zu Preisen gibt es noch nicht.

Urin-Analyse-WC: Was passiert mit den Daten?

Der Hersteller versichert, dass die Daten beim Nutzer bleiben und keine Übermittlung an einen Server stattfindet. Zusätzlich ist die App passwortgeschützt. Doch wie lange wird das noch so bleiben? Versicherungen haben großes Interesse an den Gesundheitsdaten ihrer Kunden und locken mit Rabatten, sofern die Werte in Ordnung sind. Die Versicherung Generali hat so einen Tarif bereits im Programm: Ein Schrittzähler misst, wie sportlich aktiv der Kunde ist und schickt die Daten an die Versicherung. Ein smartes WC könnte so gesehen der nächste Schritt sein.

Reaktionen

Die ordinären Kommentare und Wortspiele im Netz lassen nicht lange auf sich warten: So ist die Rede vom Nachfolger des Home-Kit, dem Klo-Kit. Ein weiterer User fragt sich, ob denn auch die IP(ee)-Adresse des Klos bekannt sei und ob man zum Entsperren der Klobrille seinen Kot eingeben müsse.

Der Hersteller argumentiert die Entwicklung der smarten Toilette mit dem Trend zur digitalen Fitness-Messung.

Quelle: Duravit, Heise

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