Key Lime Pie: 10 Wünsche an Android 5.0

Frank Ritter 50

Die nächste Android-Version steht vor der Tür — aber was bringt Android 5.0 „Key Lime Pie“? Da wir bislang nur wenige gesicherte Erkenntnisse haben, sind wir in uns gegangen – und haben 10 Wünsche für Android 5.0 zusammengestellt.

Key Lime Pie: 10 Wünsche an Android 5.0

In knapp vier Wochen ist es soweit: Die Entwicklermesse Google I/O 2013 startet in San Francisco. Angesichts der Vorstellungen in den vergangenen Jahre erwarten wir nicht weniger als eine spektakuläre Keynote. Auf der werden nach jetzigem Kenntnisstand unter anderem die neuesten Entwicklungen zu Google Glass, die nächste Iteration des Nexus 7, das X Phone von Motorola und ein neues Gadget aus Googles streng geheimen X Labs (möglicherweise eine Smartwatch) vorgestellt.

Bei all diesem Glitzerkram gerät schon fast in Vergessenheit, dass für die Google I/O 2013 auch die Vorstellung der neuesten Android-Iteration 5.0 mit der Süßspeisenkorrespondenz „Key Lime Pie“ erwartet wird. Ja, wir gehen stark von dieser Versionsnummer und diesem Codenamen aus. Bislang ist noch wenig zu dessen Inhalt bekannt, wiewohl mittlerweile konkrete Gerüchte um einen Unified Messenger unter dem Codenamen Babel kursieren. Außerdem will Google wohl das Spiele-Framework einführen, das wir uns schon für Jelly Bean gewünscht hatten.

Bevor die Gerüchte- und Leak-Dichte zunimmt, möchten wir die Gelegenheit nutzen, unsere Wünsche an Key Lime Pie in eine adäquate Form zu gießen. Hier unsere 10 Wünsche für Android 5.0.

Wunsch 1: Ein Messenger für alles

google-babelscreenshots-4

Ja, dieser Punkt stand auch schon vor Jelly Bean auf unserer Liste. Glaubt man dem Hörensagen, ist der zentrale Kommunikationshub von Google mittlerweile aber endlich auf dem Weg. Sollte Babel (oder wie auch immer das Tool zum Schluss heißt) es wirklich schaffen, Google Talk, Hangouts, Voice, den Google+ Messenger und SMS/MMS als zentrale Kommunikationslösung für Voice, Video und Textchat unter einem Dach zu vereinen und dabei mit guter Usability aufwarten, müssen sich die Konkurrenten iMessage, Facebook Messenger und natürlich WhatsApp warm anziehen. Wir freuen uns darauf und hoffen, dass Google es gelingt, auf irgendeine Weise das Chat Heads-Konzept von Facebook Home zu kopieren.

Wunsch 2: Wifi Direct und Ad-Hoc-Netzwerke

Kein unübliches Szenario: Man möchte gerne mal ein Video, einen Schwung Fotos oder ein paar Office-Dokumente von einem Gerät zum anderen verschieben. Stock-Android hat zwar die coole Beam-Funktion, die zwei Geräte per NFC koppelt; die zwei Smartphones oder Tablets sind dann jedoch nur per Bluetooth verbinden. Entsprechend langsam ist der Datentransfer, falls überhaupt möglich.

Dabei hat Samsung mit der Beam-Erweiterung „S Beam“ schon vorgemacht, wie es besser geht: Über diese Funktion werden Dateien pfeilschnell per Wifi Direct verschickt. Im androidnext-Office haben wir damit zum Beispiel schon Custom ROM-Pakete von mehr als 1 GB Größe in wenigen Sekunden verschoben. Wir wünschen uns, dass Google diese Option in Stock Android übernimmt.

Ebenfalls wünschenswert, wenngleich weit weniger realistisch, wäre nativer Support von kabellosen AdHoc-Netzwerken. Es gäbe zahlreiche Anwendungszwecke für die dezentralen Netzwerke, von Multiplayer-Gaming über lokale Kommunikations- und Kollaborationstools bis hin zu P2P-Filesharing und Mesh-Netzwerke wie BATMAN/SPAN. Leider weigert sich Google seit Jahren, AdHoc-Netze in Android zu unterstützen — wohl nicht zuletzt, weil dies dem Cloud-Konzept der meisten Google-Dienste widerspricht.

Wunsch 3: Weg mit den Software-Buttons! (Wenn man sie nicht braucht)

android-software-buttons

Was am Nexus-Smartphone schon nervt, ist am Android-Tablet eine Katastrophe: Sofern ein Gerät keine Hardware-Tasten hat, wird am unteren Bildschirmrand eine Leiste mit Software-Buttons eingeblendet, die a) nicht gerade hübsch ist und b) nahezu in jeder App angezeigt wird. Gerade für Games und Videos wäre es hervorragend, wenn man diese Tasten verstecken könnte.

kindle-fire-navbar-lasche

Der Kindle Fire verbirgt die Softbuttons, sodass nur eine kleine Lasche zu sehen ist.

Ansätze gibt es genug: Pie Controls wie in Paranoid Android oder CyanogenMod, die hinter einer Lasche verborgenen Buttons wie beim Kindle Fire oder eine Leiste, die man mit Finger-Gesten aus- und wieder einblenden kann, wie mit der Root-App GMD GestureControl möglich. Hauptsache, man muss diese blöde, schwarze Leiste nicht mehr ständig sehen.

Aber selbst wenn Google nichts davon in Key Lime Pie einbaut – wenn die Button-Leiste wenigstens von Screenshots verschwindet, die der Nutzer auf solchen Geräten anfertigt, wäre das schon ein kolossaler Fortschritt.

Wunsch 4: Mehr Google Now

nexus-4-google-now-spot

Die Erfüllung dieses Wunsches kann eigentlich schon als gesetzt gelten, schließlich repräsentiert Google Now doch das, was etliche hochrangige Google-Mitarbeiter seit Jahren als Ziel ausgeben, zuletzt etwa Matt Cutts und Amit Sighal: Ein mitdenkender Google-Agent in der Hosentasche, der Fragen beantwortet und dem Nutzer Informationen präsentiert, bevor er weiß, dass er sie überhaupt braucht.

Bis dahin ist es natürlich ein langer Weg, einstweilen kann Google Now aber auch jetzt schon konkret verbessert werden:

  • Mehr Möglichkeiten in deutscher Sprache: Nachdem Google Now eine kurze Zeit lang Fragen auf Deutsch beantwortete, scheint die Option derzeit wieder abgeschaltet zu sein. Außerdem funktionieren nach wie vor viele der Karten in unserem Sprachraum nicht oder nur unzureichend, die man in den Vereinigten Staaten schon nutzen kann. Hier gilt es, nachzubessern.
  • Mehr Mithilfe-Möglichkeiten für „Informationslieferanten“: Google Now erhält derzeit Informationen aus den E-Mails des Nutzers, etwa zur Paketzustellung oder Fluginformationen. Das funktioniert aber nur bei wenigen Anbietern, weil Google die Informationen selbständig aus den entsprechenden Mails extrahiert. Toll wäre es, wenn Google Now strukturierte Informationen verstehen würde. Wenn Fluggesellschaften ihre Ticket-Informationen oder Postunternehmen die Versandinfos in einem für Google maschinenlesbaren Format codiert mit in die E-Mails schreiben könnten, sollte Google Now auf Anhieb noch viel mehr Informationen liefern.

Wunsch 5: Weg mit den Android 4.2-Quick Toggles

android-4-2-2-quick-toggles.jpg

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint — Paradebeispiel für diesen Aphorismus sind wohl die Schnelleinstellungsschalter, die Google Android 4.2 Jelly Bean spendiert hat. So leid es uns tut, aber diese Schalter funktionieren, so wie sie implementiert sind, nur inkonsistent, sind schwer zu erreichen und in ihrer Funktionalität stark eingeschränkt – zumindest, wenn man die in zahlreichen Android-Benutzeroberfläche seit Jahren etablierten Toggles in der Benachrichtigungsleiste gewöhnt ist. In Zeiten immer größer werdender Bildschirme könnte sich Google ruhig von einem etablierten und gut funktionierenden Schnelleinstellungs-System wie dem von Samsungs TouchWiz Nature unter Android 4.1.2 inspirieren lassen. Denn das funktioniert, und zwar gut.

samsung-quick-toggles

Wunsch 6: Eine bessere Foto-App

android-4-2-foto-app

Und wenn wir schon einmal Android 4.2-Scharten thematisieren, die Google mit Key Lime Pie auswetzen sollte, darf die dysfunktionale Foto-App nicht fehlen. Nein, wir reden hier nicht vom coolen Photosphere-Feature – aber von fast allem anderen.

Einsteiger verstehen nicht, dass man den Finger auf dem Screen getappt halten muss, um Einstellungen zu treffen. Außerdem verdeckt der Daumen immer einen Teilbereich des Kontextmenüs. Die Pie-Controls sind auch nach tagelanger Benutzung nicht eingängig, die Symbole zu abstrakt. Das Drehen vom Landscape- in den Portrait-Modus produziert eine unnötige „Gedankenpause“, im Landscape-Modus kann man per Wischgeste nicht in die Galerie wechseln.

So abstrakt die Designsprache von Android seit 4.0 auch sein mag — bei der Foto-App hat es Google übertrieben. Wir wünschen uns eine Steuerung zurück, die wieder stärker an normale Kameras erinnert. Und wenn die App dann etwas weniger „vollbildig“ ist? Sei’s drum.

Wunsch 7: Bessere Bilderverwaltung

Ja, der automatische Upload von Bildern über Google+ funktioniert, alles andere aber so gut wie gar nicht: Die Sortierung von Fotos in Google+ ist bestenfalls erratisch, ein Filtern etwa nach Orten, gezeigten Personen, Kameramodellen und so weiter nicht möglich. Zu Picasa-Zeiten konnte man freigegebene Alben von Kontakten über die Weboberfläche „abonnieren“ und im eigenen Account anzeigen – das geht seit der Umstellung auf Google+ nicht mehr. In der Galerie-App von Stock-Android (die technisch gesehen zur Foto-App gehört) werden Google+-Bilder synchronisiert, in den Galerie-Apps anderer Hersteller und der von Custom ROMs nicht. Anders als es beispielsweise Flickr schon seit Jahren ermöglicht, können mehrere Nutzer immer noch keine gemeinsamen Fotopools anlegen, außer als Event.

Summa, summarum: Der Google+-Bilderdienst braucht endlich eine bessere Bildverwaltung und eine separate Android-App. Und zwar eine gute.

Wunsch 8: Weniger Design-Minimalismus

myglass-companion-screenshots.jpg

Ice Cream Sandwich hat die Android-Oberflächen in Sachen Design revolutioniert: Holo UI, abstrakte Formen, harte Kanten und flache Icons. Insgesamt wirkt die Optik allerdings auch etwas kühl, dunkel und distanziert. Mittlerweile ist absehbar, dass die hellere und weniger abstrakte Optik aus Google Now auch auf andere Apps ausgedehnt wird, vielleicht ja sogar das gesamte Betriebssystem. Google+, Google Keep, der neue Play Store und zuletzt die Companion-App für Google Glass (sie Bild) sehen schließlich bereits so aus. Wünschenswert wär’s — denn ein wenig neuen Anstrich kann Android durchaus vertragen.

Wunsch 9: Cloud-Backup & Smartphone-Finder

Angenommen, man möchte einzelne Apps oder gar sein ganzes Gerät sichern, vielleicht gar die in den Apps gespeicherten Daten auf ein anderes Gerät übertragen – warum muss ich dafür eigentlich immer noch auf externe Tools zurückgreifen, die fast immer Root benötigen, oder gar kryptische ADB-Kommandos bemühen? Eine in Android integrierte Backup-Erstellung wäre an der Zeit. Und weil Android von Google ist, sollte natürlich auch Cloud-Synchronisierung dabei sein.

Gleiches gilt für einen Service zur Auffindung oder Fernlöschung gestohlener beziehungsweise verlorener Smartphones. Apple bietet so etwas seit Jahren an und unter Android gibt es verschiedene Apps zu diesem Zweck. Als Kernfunktion im OS wäre eine solche Option trotzdem besser aufgehoben.

Wunsch 10: Google Wallet

google-wallet

In Deutschland steht Google Wallet für wenig mehr als den umbenannten Bezahldienst Google Checkout. In den Staaten können Wallet-Nutzer dank einer entsprechenden App und Koppelung mit den Google-Konto aber zum Beispiel schon in Jeansläden, Frittenbuden und Taxis zahlen. Das hätten wir gerne auch bei uns, Google. Kleinstüberweisungen von Gerät zu Gerät per NFC-Bump wären übrigens auch schön.

Bonus-Wunsch: Guthabenkarten für den Play Store

google-play-store-gift-cards

Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, also wünschen wir uns die Play Store-Guthabenkarten auch im androidnext-Sektor, die es anderswo bald schon ein Jahr gibt. Wenn man hierzulande Guthaben für den Play Store auch an der Tanke oder im Supermarkt kaufen könnte, würden ganz sicher auch mehr Leute Apps, Musik und Filme kaufen. Denn die deutschsprachigen Länder sind Kreditkartenmuffel und die Bezahlung per Telefonrechnung ist auch noch nicht überall möglich; als Geburtstagsgeschenk für Teenies, die sonst sowieso mit allem unzufrieden sind, taugt so ein Guthabenkärtchen auch. Dieser Wunsch hängt nicht unmittelbar mit Key Lime Pie zusammen, brennt uns aber auch schon seit Langem auf der Seele.

Und ihr?

Welche Wünsche habt ihr an Android 5.0 Key Lime Pie? Haben wir etwas Wichtiges vergessen oder irgendwo übertrieben? Lasst es uns wissen — in den Kommentaren.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA ANDROID

* Werbung