Apple, GMX, Web.de und Co. schlimmer als Google?

Johannes Kneussel

Vor einer guten Woche haben wir berichtet, dass der Weg für eine Klage in den USA gegen Google frei ist. Grund dafür: Google scannt automatisch E-Mails für Werbezwecke. Außerdem ist dies natürlich für den Spamfilter hilfreich. Aber auch deutsche Anbieter gehen alles andere als zimperlich mit den Daten um – durch automatisch geladene Bilder ist Tracking möglich.

Apple, GMX, Web.de und Co. schlimmer als Google?

Wir haben ja schon mehrfach über Google berichtet. Natürlich ist es ein komisches Gefühl, wenn man bedenkt, dass die E-Mails geöffnet und gescannt werden. Allerdings sitzt natürlich niemand bei Google und liest unsere Mails. Das passiert alles vollautomatisch und dient auch dazu, uns einen Vorteil zu bieten: Der Spamfilter von Google ist exzellent.

Ich kann jetzt nicht sagen, inwiefern auch deutsche Anbieter E-Mails scannen, gehe aber prinzipiell davon aus, da ich nicht wüsste, wie die Filter sonst funktionieren sollten. Vielleicht kann einer von euch etwas dazu sagen? Bei welchem Anbieter ist er und ist es in den Nutzungsbedingungen vereinbart, dass die Mails gescannt werden? Ist bestimmt interessant, in dieser Richtung etwas mehr zu erfahren.

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Android-Versionen: Das Google-Betriebssystem.

Tracking erlaubt

Um das Scannen soll es jetzt aber primär gar nicht gehen, vielmehr um das sogenannte Tracking. Es geht hierbei um die Provider T-Online, GMX, Web.de, Freenet und 1und1. Diese schreiben sich ja immer gerne auf die Fahnen, dass sie nicht wie die ausländischen Kollegen sind und wollen sogar eine E-Mail „made in Germany“ anbieten. Klasse… Auf jeden Fall lassen die Provider zu, dass ihre Kunden beim Lesen ihrer E-Mails beobachtet werden.

Das Ganze funktioniert recht einfach: Öffnet man eine E-Mail im Browser bei einem der oben genannten Anbieter, werden auch automatisch Bilder mitgeladen. Dies kann man NICHT deaktivieren (nur bei 1und1?). Das blöde daran: Es lassen sich auch unsichtbare Tracking-Pixel laden. Damit kann der Absender herausfinden, ob die E-Mail gelesen wurde, wann, wo und womit. Auch bei Apple Mail besteht dieses Problem übrigens.

Die Anbieter verschicken sogar selbst teilweise E-Mails mit Tracking-Pixeln. Wenn ein Programm das unsichtbare Bild in Form des Tracking-Pixels öffnet, wird dieses vom Server des jeweiligen Anbieters geladen und er kann sehen, wann dies geschah, mit welchem Browser, welcher IP-Adresse usw. Diese Informationen sind laut Heise.de bares Geld wert. Na, klasse.

Google und Yahoo vorbildlich

Bei Google und Yahoo ist dies anders gelöst: Hier kann der Nutzer selbst entscheiden, ob er sich die Bilder anzeigen lassen möchte oder nicht. Standardmäßig sind sie deaktiviert, was nicht nur aus datenschutzrechtlichen Gründen Sinn macht, auch das Datenvolumen wird geschont. Auch bei E-Mail-Programmen für Windows, wie beispielsweise Thunderbird, ist das Nachladen von Bildern zunächst einmal deaktiviert. Nur Apple brät hier eine Extrawurst: Bilder werden automatisch nachgeladen. Immerhin kann man dies ausstellen.

Wie die Einstellungen bei euch sind, könnt ihr einfach daran erkennen, ob E-Mail-Bilder im Browser/Windowsprogramm automatisch angezeigt werden oder nicht. Empfehlenswert ist natürlich immer, dies nicht zu tun und nur im Einzelfall auf diese Möglichkeit zurückzugreifen.

Übrigens: Dass „E-Mail made in Germany“ reiner Marketingquatsch ist, brauche ich euch wohl nicht noch einmal extra mitzuteilen. Dadurch, dass die E-Mails nicht durchgängig verschlüsselt bleiben, können sie weiterhin abgehört werden.

Quelle: Heise.de

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