Tablet-Krise: Wie sich iPad, Galaxy Tab und Co. aus dem Loch befreien können [Kommentar]

Philipp Gombert 34

Mit dem iPad kam der große Ansturm auf Tablets: Für ein paar Jahre stiegen die Absatzzahlen stark — dann kam der Absturz. Doch noch ist nicht alles verloren, meint zumindest unser Redakteur Philipp – und sieht die Zukunft der Geräte vor allem in einem Sektor.

Tablet-Krise: Wie sich iPad, Galaxy Tab und Co. aus dem Loch befreien können [Kommentar]
Bildquelle: Flickr/Martin Voltri.

Tablets sind, überspitzt ausgedrückt, Schnee von gestern. Dies führt ein Blick auf die Absatzzahlen klar vor Augen. Im ersten Quartal 2016 sanken die Tablet-Verkäufe nach Angaben von IDC um 14,7 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal. Und Besserung ist nicht in Sicht — ganz im Gegenteil. In den kommenden Monaten werden die Zahlen wohl weiter fallen. Und irgendwann wird eine einst so hoch gelobte Technik zum Nischenprodukt. Möglicherweise ist der Markt einfach übersättigt und erholt sich wieder, doch daran glaube ich nicht wirklich. Insbesondere Hersteller von Android-Tablets machen zu viel falsch, um das Interesse der Käufer reanimieren zu können. Allerdings liegt die Schuld auch bei Google.

Es beginnt bei der Software

Und damit gleich zum ersten Grund für den Fall der Tablets: Android. Auf dem Smartphone mag das System gut funktionieren, auf Tablets bietet Android jedoch kaum einen Mehrwert. Dabei könnte man aus dem größeren Display wesentlich mehr herausholen. Erst jetzt, mit dem bevorstehenden Release von Android N, implementiert Google dem System einen Split-Screen-Modus für besseres Multitasking — iOS unterstützt diese Funktion ebenfalls erst seit Kurzem. Zudem konnten Entwickler nie wirklich motiviert werden, die eigenen Anwendungen für größere Displays anzupassen. Oft wurde das Interface lediglich hochskaliert.

Android-N-Preview-Split

Und dann wäre da die Platzierung der drei Buttons in der Mitte des unteren Displayrandes für „Zurück“, „Home“ und „Multitasking“. Im Sinne der „Einheitlichkeit“ zwischen Smartphones und Tablets leidet die Bedienung aufgrund umständlich zu erreichender Buttons – Android 3.0 Honeycomb, mit den Bedienelementen in allen vier Ecken, hatte meiner Meinung nach ein besseres Tablet-Interface. Abgesehen davon machen Phablets mit ohnehin schon großen Displays den Kauf eines Tablets meist unnötig.

Bilderstrecke starten
18 Bilder
Android-Versionen: Das Google-Betriebssystem.

Android-Tablets: Immer das Nachsehen

Android-Tablets konnten nie zum iPad aufschließen. Im Gegensatz zum Smartphone-Markt blieb Apple über all die Jahre hinweg der Platzhirsch. Und das mit gutem Grund: iPad-Apps sind in der Regel für das große Display optimiert und machen von dem zusätzlichen Platz ordentlich Gebrauch, zumal die Software selbst bei älteren Modellen weiterhin auf dem neuesten Stand ist. Obendrein sind iPads hochwertig gefertigt und durchweg mit der neuesten Hardware zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ausgestattet. Leistungstechnisch hatte Apples Tablet-Sparte gegenüber den iPhones nie das Nachsehen.

Die Android-Konkurrenz auf der anderen Seite kam dem nie gleich. Das Gehäuse der Geräte meist aus Plastik, die Hardware unter Smartphone-Niveau. Das beste Beispiel: Samsung. Man betrachte das Galaxy Tab S2. Weniger Leistung als ein Galaxy S6, an der Rückseite kommt Kunststoff zum Einsatz. Der Preis für die WLAN-Variante mit 9,7-Zoll-Display liegt bei 449 Euro im Samsung-Store. Das iPad Air 2 hingegen verfügt über deutlich mehr Power und ein hochwertiges Gehäuse aus Metall bei einem Preis von 439 Euro. Es mag seltsam klingen, doch Apple hat hier das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis – und die große Anzahl an Tablet-optimierten Apps ist in diesem Vergleich noch gar nicht mit eingerechnet. Lediglich mit einem größeren internen Speicher kann das Galaxy-Tab punkten.

tabs2

Ein Umschwung muss her

Im Endeffekt fehlt es an allen Enden. Google stellt eine Softwaregrundlage mit viel Luft nach oben und Hersteller produzieren schlechte Hardware. Das Ergebnis sind halbgare Tablets, die Entwickler nicht zur Optimierung ihrer Apps überzeugen. Die Tablet-Verkäufe werden weiter sinken, ein Anstieg ist nicht in Sicht — zumindest nicht mit den Geräten von heute.

Der Trend geht derzeit in eine andere Richtung: Immer mehr Hersteller versuchen mit Hybriden das Potenzial der Tablets voll auszuschöpfen. Und möglicherweise liegt man damit auch richtig, denn bisher konnten die großen Touchscreens nie als vollwertiger Laptop-Ersatz herhalten. Doch das könnte sich bald ändern: Microsoft dient mit dem Surface als bestes Beispiel — dazu reiht sich das iPad Pro und Pixel C. Auch Huawei schickt mit dem MateBook einen Windows-10-Kandidaten ins Rennen.

Noch scheint die Technologie nicht ganz ausgereift, viel braucht es jedoch nicht mehr: Hardware-Tastatur, ordentliche Office-Anwendungen und gute Multitasking-Lösungen — natürlich in Begleitung von potenter Hardware und hochwertigem Design — könnten der Schlüssel zur Tablet-Zukunft sein, denn auch das iPad hat bekanntermaßen mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen. Schon jetzt steigt der Absatz solcher Geräte stark, laut den Marktforschern von IDC wurden im ersten Quartal 2016 4,9 Millionen Einheiten verkauft – dreimal mehr als im Vorjahresquartal.

Die Zukunft der Tablets steckt also vor allem im Produktiv-Sektor als leichter, aber dennoch vollwertiger Laptop-Ersatz.

Samsung Galaxy Tab S2 9.7 bei Amazon kaufen * Samsung Galaxy Tab S2 9.7 LTE mit Vertrag bei DeinHandy.de *

Welchen Namen wird Google für Android 10.0 "Q" wählen?

Google steht vor einer schwierigen Aufgabe mit der nächsten Namensgebung von Android-Version 10.0 "Q". Nicht viele Süßigkeiten und Gebäcke fangen mit dem Buchstaben an. Wird Google sein Schema beibehalten? Was glaubt ihr, wie Android Q heißen wird? Lasst es uns wissen!

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA ANDROID

  • Emojis 2019: Das sind die neuen Motive für iPhone, iPad und Android-Smartphones

    Emojis 2019: Das sind die neuen Motive für iPhone, iPad und Android-Smartphones

    Apple und Google haben in dieser Woche neue Emojis vorgestellt. Die kleinen Figuren und Symbole werden in diesem Jahr in die Betriebssysteme Android Q, iOS 13, macOS Catalina und watchOS 6 integriert. Welche neuen Motive bekommen wir? Und wie unterschieden sie sich zwischen iPhones und Android-Smartphones? GIGA zeigt die kleinen Bildchen so groß, wie man sie nur selten sieht, im Vergleich.
    Sebastian Trepesch 1
* Werbung