Der App-Drawer ist tot, es lebe der App-Drawer: Warum das Android-Markenzeichen so schnell nicht verschwinden wird

Kaan Gürayer 6

Ein Gespenst geht um in der Android-Welt: Der App-Drawer könnte bald schon der Geschichte angehören. Die Anzeichen mehren sich, dass Google das geliebte Feature in Android N komplett abschaffen könnte. Wer nun seiner übersichtlichen „App-Schublade“ hinterher trauert, muss aber nicht verzagen: Der App-Drawer ist tot, es lebe der App-Drawer! Weshalb wir glauben, dass der App-Drawer noch lange nicht am Ende ist und was das alles mit Google Now zu tun haben könnte. 

Der App-Drawer ist tot, es lebe der App-Drawer: Warum das Android-Markenzeichen so schnell nicht verschwinden wird

Im Gegensatz zu manchen Kollegen halten wir von GIGA ANDROID große Stücke auf den App-Drawer. Die über einen Button erreichbare „App-Schublade“, die den Homescreen entrümpelt und zum Raum der Gestaltung macht, ist so alt wie Android selbst. Sie stellt nicht nur einen fundamentalen Bestandteil des mobilen Betriebssystems dar, sie ist in den vergangenen Jahren auch zu einem echten Android-Markenzeichen avanciert und sorgt für eine sichtbare Unterscheidung zu iOS.

Umso erschütterter waren wir, als letzte Woche die ersten Gerüchte aufkamen, dass Google zum Rotstift greift und den App-Drawer streichen könnte. Dass das LG G5 keine App-Übersicht mehr an Bord hat und das Samsung Galaxy S7 eine Option mitbringt, das praktische Feature abzuschalten, passte ins – aus unserer Sicht – traurige Bild.

Am Wochenende kochte das Fass dann über: Ein Twitter-Video (unten), von Google höchstselbst gepostet, zeigte ein Android-Handy ganz ohne App-Drawer. Mittlerweile ist man zwar zurückgerudert und hat erklärt, dass das Video eine „in­ak­ku­rate Android-Version“ zeige und man die Bilder nicht als subtilen Wink in Richtung Zukunft verstehen solle – die Verunsicherung blieb aber. Steht der Tod des App-Drawers also kurz bevor? Wird Google auf der Entwicklerkonferenz I/O 2016 mit viel Pathos verkünden, dass die „App-Schublade“ ausgedient hat? Ganz und gar nicht.

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Android-Versionen: Das Google-Betriebssystem.

Google Now und App-Drawer: Ein perfektes Paar

Denn wir können uns vorstellen, dass der App-Drawer in Android N nicht verschwinden wird, sondern lediglich ein neues Zuhause bekommt – und zwar in Google Now. Googles virtueller Assistent hat sich auf die Fahnen geschrieben, die richtigen Informationen zur richtigen Zeit zu liefern: Wettervorhersagen, Verkehrsinformationen, Paketverfolgungen und vieles weitere mehr. Dazu passen aber auch Apps. Denn wir nutzen unsere Lieblings-Apps natürlich unterschiedlich – abhängig von Ort und Zeit. Morgens auf dem Weg zur Arbeit werden beispielsweise E-Mails gecheckt und Musik gehört. Wenn das Tagwerk dann vollbracht ist und man sich auf dem Heimweg befindet, schaut man vielleicht, was die Freunde auf Facebook getrieben haben oder durchforstet seine YouTube-Abos nach interessanten Videos.

Ein Launcher, der „lernfähig“ ist und abhängig von Ort und Zeit die passenden Apps anzeigt, wäre echtes Gold wert. Klingt bekannt? Tatsächlich: Einige Drittanbieter-Launcher wie etwa Aviate bieten dieses Feature. Wir halten es aber auch für möglich, dass Google auf diesen Zug aufspringt und in Android N den App-Drawer und Google Now miteinander verschmilzt. Wie das in der Praxis aussieht, haben unsere fähigen GIGA-Grafiker mal an einem Mockup gezeigt:

google-now-launcher-app-drawer-mockup-giga-2

Ein Wisch zur Seite offenbart das bekannte Interface von Google Now – mit der kleinen Änderung, dass eine feste Karte „vorgeschlagene Apps“ angezeigt, die sich je nach Tageszeit und Ort ändern. Ein Klick auf den Pfeil öffnet dann alle Apps, die weiterhin in bekannter Manier alphabetisch sortiert sind. Damit hätte Google zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Zum einen schafft man auf dem Homescreen Ordnung, andererseits verwirrt man neue Nutzer nicht. Vor allem iOS-Umsteiger sind häufig mit dem Konzept des App-Drawers überfordert. Dass der App-Drawer seit Android 6.0 übrigens vertikal scrollt, darf man getrost als weiteres Indiz für die Plausibilität dieses Konzepts erachten – die Verschmelzung von Google Now und des App-Drawers wäre mit horizontalem Scrolling nämlich nicht möglich gewesen.

Matias Duarte kritisiert iOS – und greift dann zum Kopierer?

Wird es also so kommen, wie wir es gerade skizziert haben? Das wissen wir natürlich nicht. Denkbar wäre beispielsweise auch, dass der App-Drawer künftig über eine Wischgeste erreicht, Apps per Sprache gestartet werden können oder ein anderer Mechanismus gefunden wird, um Apps und Homescreen zu trennen. Wir halten es jedenfalls für sehr unwahrscheinlich, dass Android-Chefdesigner Matias Duarte erst über das langweilige Interface von iOS motzt – nur um wenige Monate später zum Kopierer zu greifen und ein Kernmerkmal der Apple-Konkurrenz nachahmt – nämlich Apps fortan planlos auf den Homescreen zu werfen.

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