Android läuft auch auf Uhren, aber …

Rafael Thiel 46

Doch Google hat sich nicht nur an größeren Bildschirmen versucht, auch kleinere Anzeigen sind ein Bereich, in den Android einst medienwirksam einstieg. Gemeint ist selbstredend Android Wear, quasi ein abgespecktes Android für Uhren. Ursprünglich klang Android Wear vielversprechend, ja die erste Moto 360 wusste sogar im Vorfeld zu begeistern. Ein rundes Display mit relevanten Informationen direkt am Handgelenk – klingt doch großartig. Allerdings erwies sich der OS-Ableger schnell als unausgereift, bestenfalls mit Schuhgröße 20. Das waren keine Kinderschuhe, in denen Android Wear steckte, sondern die eines Säuglings.

Im Laufe der Zeit brachte Google dem infantilen Betriebssystem natürlich neue Tricks bei, doch selbst nach dem großen Update auf Version 2.0 fällt das Laufen noch schwer. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass zwischen Ankündigung und Release von Android Wear 2.0 beinahe ein Jahr verging. Schließlich konnte auch Version 2.0 von Android Wear uns nicht überzeugen, wie wir im Test zur Huawei Watch 2 konstatieren mussten. Ohne zu abwertend klingen zu wollen, aber Android Wear kam 2014 auf die Welt und hängt, um in der Metapher zu bleiben, bis heute noch an der Brust Googles.

Obwohl Googles Partner wie LG, Sony und Motorola (Moto war 2014 sogar noch unter Google-Ägide, aber als eigenständiges Unternehmen geführt) zuerst smarte Uhren lancierte, sind mittlerweile Apple, Garmin und Samsung mit ihren jeweiligen Smartwatch-Betriebssystemen erfolgreicher. Die Apple Watch, so klobig sie auch erscheint, erreicht sogar die größte Aufmerksamkeit auf dem Markt. Auch die Gear-Watches mit Tizen OS verkaufen sich solide, zumindest besser als alle Android-Wear-Modelle zusammengenommen. Samsung tat also richtig, Android Wear den Rücken zuzukehren und in der zweiten Gear-Generation auf ein eigenes Betriebssystem zu setzen – die Defizite des Google-OS sind einfach zu eklatant für den Massenmarkt.

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Android-Versionen: Das Google-Betriebssystem.

Android läuft auch auf dem TV, aber …

Ein ähnliches Schicksal widerfährt gerade Android TV, das auch schon drei Jahre auf dem Buckel hat und immer noch auf seinen Durchbruch wartet. Im Prinzip klingt auch dieser Ableger für Google wie Nutzer sinnvoll: Es macht einerseits sowieso Sinn, verschiedene Geräte im Haushalt aus einer Hand zu betreiben, da diese dann von sich aus untereinander kommunizieren können – im Grunde basiert Apples komplettes Geschäftsmodell auf dieser Prämisse. Außerdem ist Google mit YouTube, Fotos und weiteren Diensten ohnehin schon in das Medienleben seiner Nutzer involviert, warum also auch nicht die Medienzentrale im Wohnzimmer steuern?

Nur gibt es ein Problem: Nach Ankündigung von Android TV auf der I/O-Entwicklerkonferenz 2014 gibt es bis heute kaum unterstützende Hardware. Es scheint, als könne Google nicht ausreichend Partner überzeugen, auf die eigene TV-Plattform zu setzen. Involviert sind bislang nur Sony, Sharp und Philips, wobei das mitunter auch nur einige TV-Modelle meint. Sonderlich viele Set-Top-Boxen gibt es ebenfalls nicht, der prominenteste Vertreter ist da noch das Nvidia Shield TV. Ein tolles Gerät, das kaum Käufer findet.


Natürlich ist Android TV auch in puncto Software nicht vollends ausgereift, aber hat immerhin ein brauchbares Stadium erreicht. Allerdings haben die meisten TV-Hersteller mittlerweile entweder eigene Smart-TV-Lösungen integriert oder verlassen sich auf Implementierungen der Konkurrenz, etwa Apples AirPlay. Die Messe ist zwar noch nicht gelesen, aber auch hier scheint es, als könne sich Android TV nicht mehr durchsetzen – zumindest nicht annähernd auf so einem Niveau, wie es bei Smartphones der Fall ist.

Immerhin gibt es den Chromecast

Doch halt, Stop! Es gibt doch noch den Chromecast, oder? Dieser trägt zwar „Android“ nicht im Namen, basiert aber (zumindest in Teilen) auf dem Android-OS. Und der Chromecast ist erfolgreich und Begründer des Google-Cast-Protokolls, der seinen Einzug auch in Android TV fand. Mittlerweile unterstützen praktisch alle Medien-Apps diesen Standard, weil das Konzept einfach und praktisch ist. Einen Inhalt auf dem Smartphone – dem Bildschirm, der ohnehin ständig in Reichweite ist – ausgesucht und mit einem Knopfdruck auf den Fernseher übertragen. Der zieht sich die Daten nicht vom Smartphone, sondern in der Regel aus dem Netz, sodass das Smartphone nicht konstant einen Videostream übertragen muss. Eine simple, aber clevere Implementierung.

Auf der nächsten Seite: Android in der Sinnkrise – und wie Google herauskommen kann

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