Was genau ist eigentlich Android?

Rafael Thiel 46

Nun führen diese unterschiedlichen Beispiele zu einer Frage: Was ist Android eigentlich? Eine Softwarebasis für diverse Gerätetypen? Eine Open-Source-Plattform? Ein gewaltiges App-Ökosystem? Googles trojanisches Pferd, um alles über uns herauszufinden? Das sind sicherlich alles mehr oder minder zutreffende Charakteristika, zuvorderst handelt es sich beim Android OS aber um ein Betriebssystem für Smartphones.

Alle Ableger, die Android in der Vergangenheit erfahren hat, sind eher als Neben-Schauplätze zu verstehen. Nur weil Google sich in andere Geschäftsfelder ausbreitet, hat das nicht unbedingt direkte Auswirkungen auf den technischen oder nominellen Ursprung.

Bilderstrecke starten
18 Bilder
Android-Versionen: Das Google-Betriebssystem.

Was hat gefloppt und was nicht?

Um zur Ausgangsfrage zurückzukommen: Ist Android denn nun ein Flop? Laut Duden bezeichnet ein Flop, im umgangssprachlichen Sinne, einen Misserfolg. Der Definition folgend ist das Android OS also alles andere als ein Flop, Gründe dafür sind in diesem Artikel schon zuhauf genannt. Erst durch Android konnte Google vom Online-Dienstleister zum OS-Entwickler mit eigener Hardwaresparte aufsteigen. Höchstens die Tablet-Optimierung lässt zu wünschen übrig, aber das ist wohl noch verkraftbar angesichts einer beinahe monopolartigen Stellung auf dem Smartphone-Markt.

Zwar kommen die meisten Google-Produkte, die infolgedessen entstanden und „based on Android“ sind, einem Misserfolg zumindest ziemlich nahe. Das liegt jedoch nicht an Android, sondern an Google. Denn per se macht es Sinn, ein Ökosystem auf einer gemeinsamen Basis aufzubauen. Das spielt einem zukünftigen Smart-Home-System in die Karten. Wenn Fernseher, Soundsystem und digitaler Assistent einen gemeinsamen Nenner haben, fällt die Verzahnung logischerweise einfacher aus. Und was gerne vergessen wird ist die Tatsache, dass Android nicht nur auf Googles Engagement, sondern auch auf der unermüdlichen Arbeit privater und professioneller Entwickler beruht – sei es über den zugrunde liegenden Linux-Kernel, ohne den die umfassende Hardware-Kompatibilität von Android nicht möglich wäre, oder über die zahlreichen Pull-Requests im Android Open Source Project (AOSP), dank denen sich Google viel Arbeit beim Bugfixing und Erweitern der Kompatibilität von Android erspart.

Die lancierte Android-Peripherie war oft nicht ausgereift und bedurfte Entwicklung, um überhaupt konkurrenzfähig zu sein. Android Wear und Android TV waren in ihren Anfangstagen im Prinzip Beta-Produkte, die beim Kunden reifen sollten, für die es aber oft genug nicht einmal Updates auf neue, verfeinerte Betriebssystem-Versionen gab. Das war zwar auch bei Android ursprünglich der Fall, jedoch war für Google beim Start des ersten Android-Smartphones 2009 klar, dass man einen langen Atem haben musste, um gegen Apples iPhone eine Chance zu haben – das Potential vom Smartphone als wichtigstes Computing Device für einen Großteil der Weltbevölkerung blitzte damals schon durch. Es bedurfte einer Allianz mit potenten Partnern und viel Energie, um mit Apple auf diesem Zukunftsmarkt zu konkurrieren. Google konnte sich diesen „Frühstart“ nicht nur erlauben, der Konzern musste es tun. Mit einer solchen Energie wie beim Smartphone-Android werden Konzepte wie Android auf Tablets, Smartwatches, Smart-TVs und Smart-Glasses haute allerdings kaum noch verfolgt. Das mag zum einen an der Konkurrenzsituation liegen, wohl aber auch daran, dass keine dieser Gerätegattungen ein solches Potential hat wie Smartphones. Zumindest in der Lesart Googles.

Google unter Zugzwang

Nun mag Android kein direkter Flop sein, dennoch sind in der jüngeren Vergangenheit nur noch wenige Dinge, die Google anfasste, zu Gold geworden. Das Unternehmen steht unter Zugzwang und kann sich nicht auf seinen Smartphone-Lorbeeren ausruhen. Denn die größte Einnahmequelle ist und bleibt das Werbegeschäft, das momentan größtenteils online und zunehmend mobil blüht. Der Werbemarkt ändert sich aber stetig, Fernsehanstalten oder Zeitungsverlage können ein Lied davon singen.

Google ist also gut beraten, dem nächsten Trend, sofern das World Wide Web als „Trend“ zu verstehen ist, nicht zu folgen, sondern diesen zu setzen. Wenn etwa Werbung mit Haushaltsgeräten the next big thing ist, muss Google bereits eine Vorreiterrolle in Smart Home innehaben. Sollten sich Wearables doch noch durchsetzen, ob als Uhr, Brille, AR-Device oder einem ganz neuen Konzept, wäre es für das Unternehmen von Vorteil, die notwendigen Technologien federführend (mit-)entwickelt zu haben.

Ob das nun mittels Android geschieht, das gewiss einiges an Altballast mit sich führt, oder ein komplett neues Betriebssystem (hust Fuchsia) aus dem Boden gestampft wird, spielt keine Rolle. Vielleicht nimmt das Tablet-Wellchen ja doch noch Fahrt auf oder Android Wear entpuppt sich als Spätentwickler. Auch Luca Toni schaffte erst in späten Jahren den Durchbruch als Fußballprofi – aber wer war nochmal Luca Toni?

Welchen Namen wird Google für Android 10.0 "Q" wählen?

Google steht vor einer schwierigen Aufgabe mit der nächsten Namensgebung von Android-Version 10.0 "Q". Nicht viele Süßigkeiten und Gebäcke fangen mit dem Buchstaben an. Wird Google sein Schema beibehalten? Was glaubt ihr, wie Android Q heißen wird? Lasst es uns wissen!

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA ANDROID

* gesponsorter Link