CyanogenMod Installer: App nach Intervention von Google aus dem Play Store entfernt

Frank Ritter 17

Herber Rückschlag für das CyanogenMod-Team auf dem Weg zu ihrem Ziel, die Custom ROM auf möglichst vielen Geräten installiert zu haben: Die Android-App für den CyanogenMod Installer musste auf Geheiß Googles aus dem Play Store entfernt werden. Grund: Sie animiere Menschen, die Gewährleistung ihrer Geräte zu annullieren.

CyanogenMod Installer: App nach Intervention von Google aus dem Play Store entfernt

Am gestrigen Abend informierte das CyanogenMod-Team über ihr Blog und die angeschlossenen Social Media-Kanäle, dass der CyanogenMod Installer mit sofortiger Wirkung nicht mehr im Play Store zu finden sei. Google habe sich bei dem Team gemeldet und darum gebeten, dass sie die App selbst entfernen, andernfalls sähe man sich gezwungen, diese „administrativ“ zu sperren. Sprich: „Wenn ihr es nicht macht, schmeißen wir die App raus“. Als Grund gab Google auf Nachfrage an, dass die App ihre Nutzer animiere, ihre Geräte-Gewährleistung zu verletzen. Das CyanogenMod-Team spielte, nicht ohne Zähneknirschen, mit und entfernte prompt den Installer aus dem Play Store.

Der CyanogenMod Installer ist eine Anwendung, die für sich genommen recht wenig Funktionalität bietet. Sie stellt lediglich eine ADB-Verbindung zu einem Computer her und weist den Nutzer an, wie er die ebenfalls notwendige CyanogenMod Installer-Anwendung auf seinen Computer herunterladen kann. Erst die Anwendung auf dem PC lädt dann die entsprechenden ZIP-Pakete herunter, die Custom Recovery Image, Custom ROM und GApps enthalten und initiiert schließlich den Flash-Prozess. Nach vollzogener Prozedur sind alle vorher gespeicherten Nutzerdaten auf dem Gerät gelöscht und statt der vorher installierten Firmware, meist ein mit Herstelleranpassungen ausgestattetes Android, ist die AOSP-basierte CyanogenMod auf dem Device installiert.

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Screenshots: Der CyanogenMod Installer vereinfacht die Installation der Custom ROM – ist der Prozess vielleicht gar zu einfach?

Dass die Macher der CyanogenMod enttäuscht darüber sind, dass ihre App im Play Store im aktuellen Zustand zunächst nicht verbleiben darf, liegt auf der Hand. So äußerte Steve „Cyanogen“ Kondik persönlich auf Google+ recht lapidar „Deja Vu“. Damit spielt er offenbar darauf an, wie Google vor einigen Jahren gegen Custom ROMs – allen voran die CyanogenMod – vorging, die die proprietären Google-Apps wie Gmail und den Android Market, bündelten und mitlieferten. Dies war der Grund dafür, dass man bei der manuellen Installation von CyanogenMod und weiteren alternativen Android-Firmwares die so genannten GApps separat herunterladen und flashen muss.

Das CM-Team deutet in seinem Blogeintrag an, dass man versuchen werde, eine Lösung zu finden, um die App wieder Play Store-kompatibel zu machen. Derweil kann man sie sich weiterhin über die CyanogenMod-Seite herunterladen und per Sideload installieren. Mittlerweile hat Koushik „koush“ Dutta auch den Quellcode der Applikation über ein GitHub-Repository zur Verfügung gestellt.

Nach Aussagen der CyanogenMod-Mannschaft haben sich bereits Hunderttausende über den CM Installer die alternative Android-Distribution auf ihr Gerät geflasht. Dass diese Zahl bei Weitem weniger stark steigen wird als bislang, solange die App aus dem Play Store entfernt ist, liegt auf der Hand.

Aber vielleicht wäre das sogar das Beste? Auch wir haben den Installer in der Redaktion kürzlich ausprobiert – der Prozess ist tatsächlich absolut schmerzfrei, nach nur wenigen Schritten und Minuten bootete CM 10.2 auf unserem Redaktions-Nexus 10. Wir wussten allerdings, was wir tun. Es gibt genug Menschen, die die Festplatte ihres PCs „aus Versehen“ formatieren, die sich „ohne Absicht“ Viren auf ihrem Rechner einfangen und/oder auf die lächerlichsten Scam-Mails klicken. Ist es, ketzerisch gefragt, wirklich sinnvoll, ein so mächtiges Tool im Play Store zu haben, das somit für jedermann, auch die Arglosesten unter uns, verfüg- und nutzbar ist?

Was, wenn ein Otto-Normal-Nutzer erst nach der von einem Arbeitskollegen in der Mittagspause empfohlenen Installation von CyanogenMod und unter Ignorierung aller Warnungen bemerkt, dass all seine Daten verschwunden sind? Was, wenn er feststellt, dass er sein quietschbuntes TouchWiz gegenüber Stock Android bevorzugt, er aber nicht weiß wie er „zurückkommt“? Was, wenn bei der Installation gar etwas schiefläuft und das Gerät gebrickt ist (solcherlei Fälle wurden mehrfach berichtet) – wer übernimmt die Verantwortung und Reparaturkosten? Der erste Ansprechpartner in so einem Fall sind wohl die Gerätehersteller. Mal ganz abgesehen davon, dass solche Fälle natürlich ein schlechtes Licht auf die CyanogenMod werfen, würde Samsung und Co. aus Sicht der Nutzer die „gefühlte“ Verantwortung treffen – und in diesem Fall sogar völlig zu Unrecht.

Was meint ihr? Ist es das Beste, wenn die CyanogenMod nicht vollständig DAU-sicher ist? Oder bauscht Google die Gefahren auf und profiliert sich in diesem Fall als Kontrollfreak? Wie viel Verantwortung darf man den Nutzern von Apps im Play Store zumuten? Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: CyanogenMod Blog [via HN]

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