Dungeon Keeper: Neuauflage des Bösewichtsimulators jetzt weltweit verfügbar

Lukas Funk 6

Groß war die Freude als bekannt wurde, dass Peter Molyneux‘ Spieleklassiker Dungeon Keeper für Android umgesetzt werden würde und groß die Skepsis, weil Publisher-Gigant EA sich dafür verantwortlich zeichnete. Nachdem das Game schon seit einigen Monaten in den USA verfügbar ist, kommen nun auch internationale Fans der schwarzhumorigen Verlies-Simulation in den Genuss des Remakes — Grund genug für uns, mit Hühnchen und Peitsche bewaffnet, den Abstieg zu wagen und das Game zu testen.

Dungeon Keeper: Neuauflage des Bösewichtsimulators jetzt weltweit verfügbar

Dungeon Keeper sorgte Anno 1997 für Begeisterung, weil es den Spieler ausnahmsweise auf der anderen Seite des Gut-böse-Spektrums platzierte und ihn als tyrannischen Herrscher sein Verlies gegen die Helden in strahlender Rüstung verteidigen ließ, die er in gängigen Titeln spielte. Geschrieben von Peter Molyneux, verantwortlich für den Urvater der God Games Populous und unseren jüngeren Lesern als schöpferische Kraft hinter Black & White und Fable bekannt, überzeugte aber nicht nur das Setting, auch der bitterböse Humor und das innovative Gameplay ernteten beinahe uneingeschränktes Lob.

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Als böser Herrscher grub sich der Spieler durch ein unterirdisches Reich, um Gold und Diamanten abzubauen, spezielle Räume zu errichten und so eine Vielzahl unterschiedlicher Monster in sein Dungeon zu locken. Seine Schergen kontrollierte man dabei nicht direkt, vielmehr gingen sie autonom ihren Lieblingsbeschäftigungen nach: forschen in der Bibliothek, kämpfen im Trainingsraum oder unschuldige im Folterkeller quälen. Sollte sich dann doch einmal eine Gruppe Helden in das Dungeon verirren, eilten die Monster ebenso selbständig zur Verteidigung. Einzig durch die sogenannte Hand des Bösen war eine Interaktion möglich: Einzelne Monster konnten aufgenommen und an anderer Stelle abgesetzt, die arbeitenden Imps mit Prügel zu schnellerer Arbeit motiviert und Gegner mit Zaubersprüchen beharkt werden.

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EA hat es nun gewagt, das Franchise ins 21. Jahrhundert zu transportieren und für die Bedienung per Touchscreen zu optimieren. Dabei blieb erwartungsgemäß einiges auf der Strecke, besonders das Gameplay hat kaum noch etwas mit dem seiner Vorgänger zu tun. Grundsätzlich wurde Gold — und Mana, das mit Dungeon Keeper 2 eingeführt wurde — als bislang einzige Ressource um Stein und Edelsteine ergänzt. Musste Gold früher aus Wandstücken geschlagen werden, so wird es heute ebenso wie Stein in einem Raum automatisch generiert und muss nur noch per Fingertipp aufgesammelt werden.

Nur Edelsteine finden sich noch in den Wänden, für den Abbau benötigt man aber 4 Stunden (!!!) pro Wandteil. Warum dieser übertriebene Zeitaufwand? Weil Edelsteine die „Cheat-Ressource“ sind. Mit ihnen können Bauvorgänge beschleunigt, zusätzliche Imps gekauft und Upgrades erforscht werden. Wer keine 4 Stunden auf Nachschub warten möchte, wird natürlich zur Kasse gebeten und darf seine Vorräte für 4,49 Euro (500 Stück, reicht nicht einmal für den 3. Imp-Slot) bis 89,99 Euro (14.000 Stück, reicht vermutlich für das ganze Leben) aufstocken.

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Doch auch weitere Elemente, die Dungeon Keeper so interessant gemacht haben, mussten der Modernisierung weichen: Räume benötigen nun eine bestimmte Grundfläche und lassen sich nicht mehr beliebig verändern. Wurde ein Raum gebaut, verirren sich Monster zudem nicht mehr spontan in das Dungeon, sondern müssen für Gold rekrutiert werden. Die Rekrutierung selbst dauert wiederum ihre Zeit, kann aber natürlich — die Ökonomie will in Schwung gehalten werden — mit Edelsteinen beschleunigt werden.

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Das ganze Spiel dreht sich zudem um ein einziges Dungeon, das man zu Beginn des Spiels Bösewicht-Konkurrent Phatooey abnimmt. Entsprechend ist es schon mit einigen Räumen ausgestattet, weitere finden sich in der Umgebung und können einfach übernommen werden — eine freie Gestaltung des Dungeons ist kaum möglich.

Auch fallen Helden nicht mehr zufällig nach einiger Zeit in das eigene Dungeon ein, stattdessen nimmt der Spieler über ein Menü Aufträge entgegen, die beispielsweise Wellen von Angriffen auf das Dungeon starten oder den Spieler selbst in einem gegnerischen Dungeon platzieren, das durch das Beschwören von Monstern übernommen werden will.

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Lediglich die Unterstützung für Google Play Games und der bisweilen durchscheinende schwarze Humor des Originals können hier Zuspruch finden. So führt der Horned Reaper zu Beginn gewohnt sarkastisch durch das Tutorial und kommentiert auch im weiteren Spielverlauf Aktionen des Spielers pointiert: „Mr. Keeper, tear down this wall!“.

Eine Empfehlung kann man für Dungeon Keeper wahrlich nicht aussprechen. Wer das Original nicht kennt, kann aufgrund des Freemium-Modells ruhig einen Blick wagen und findet so vielleicht einige Stunden Unterhaltung, Fans von Molyneux‘ Meisterwerk dagegen wünschen EA wohl eher den Reaper an den Hals.

Dungeon Keeper
Entwickler:
Seramy Games Ltd
Preis: Kostenlos

[via Android Police]

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