Fotoverwaltung & Bildbearbeitung unter Android: Galerie, Google+ Fotos und Snapseed im Vergleich

Lukas Funk 30

Auch wenn die Veröffentlichung der jüngsten Google Play Editions die zukünftige Marschrichtung in Sachen Bildverwaltung unter Android schon angedeutet haben, finden Nutzer des Nexus 5 und älterer Nexus-Geräte neben der gewohnten Galerie-App zusätzlich eine Fotos-App, die im Paket mit Google+ geliefert wird. Wir vergleichen die Fähigkeiten beider Anwendungen und werfen zudem einen Blick auf Snapseed, eine ehemals auf iOS erfolgreiche App, die seit September letzten Jahres Google gehört.

Fotoverwaltung & Bildbearbeitung unter Android: Galerie, Google+ Fotos und Snapseed im Vergleich

Unter den betrachteten Apps hat die Galerie die längste Geschichte. Auch wenn ihr Äußeres — und der ihr zugrunde liegende Quellcode — im Laufe der Jahre änderte, war sie bislang der zentrale Anlaufpunkt für das Betrachten und Verwalten von Fotos und anderen Bilddateien. Dass sich dies in Zukunft ändern wird, besagen die Google Play Editions des LG G Pad 8.3 und des Sony [link id=2142207]Xperia Z Ultra. Auf ihnen nämlich fehlt die Galerie-App komplett, stattdessen dient nur noch die Fotos-App — ehemals Google+-Fotos — zur Bildverwaltung. Beide Anwendungen unterscheiden sich nicht nur in ihrer Gestaltung, sondern auch in der Strukturierung ihrer Inhalte und den mitgelieferten Möglichkeiten der Bildgestaltung. In letzterem Punkt spielt zudem Snapseed eine entscheidende Rolle, eine Bildbearbeitungs-App, die Google im vergangenen Jahr aufgekauft hat.

Galerie

gallery-1
gallery-2

Die Galerie-App erlaubt gleichermaßen die Verwaltung lokal gespeicherter Bilddateien und solcher, die in Picasa Web-Alben hochgeladen wurden. Beide werden in Ordnern organisiert als Quadrate auf einer horizontal scrollenden Ebene dargestellt, Online-Medien verhalten sich (fast) so wie auf dem Gerät vorhandene — unterscheiden lassen sie sich lediglich durch kleine Icons am linken unteren Eck. Eine Besonderheit ist der Kamera-Ordner, der mit dem Gerät aufgenommene Bilder enthält: Er befindet sich immer an erster Stelle links oben.

gallery-3
gallery-4

Öffnet man einen Ordner, fächern die enthaltenen Bilder aus und werden ebenfalls im quadratischen Raster angezeigt. Ein weiterer Tapp und ein Bild oder Video öffnet sich in der Detailansicht. In dieser lassen sich über das Stift-Symbol im linken unteren Eck die Bearbeitungsfunktionen öffnen. Zur Verfügung stehen hier zunächst diverse vorgefertigte Filter, wie man sie aus Instagram kennt. Seit dem Update auf Android 4.4 KitKat sind neben der Möglichkeit des Zuschneidens und diversen Rahmen allerdings noch viele Möglichkeiten der Detailmanipulation vorhanden. So lassen sich etwa nachträglich Kontrast und Sättigung verändern, aber auch Farbtöne und sogar Graduationskurven sind veränderbar. Wischt man während der Bearbeitung über ein Bild, zeigt sich dahinter verborgen das Original.

fotos-1
fotos-2

Fotos (Teil von Google+)

Die Fotos-App ist Teil von Googles aktueller Strategie, die Leine, an der Android geführt wird, kürzer zu machen. Im Gegensatz zur Galerie-App ist sie nicht Teil des Android Open Source Project (AOSP), das für jeden zugänglich ist, sondern eine lizenzierbare, proprietäre Google-App, die gemeinsam mit Google+ installiert wird. Entsprechend liegt der Fokus der Anwendung auch eindeutig auf der Verwaltung von Online-Fotos, insbesondere solchen, die vom Smartphone direkt zu Google+ hochgeladen werden (Auto Backup): Die Ansicht gliedert sich in zwei vertikal scrollende Tabs, von denen der rechte den Auto Backup-Highlights gewidmet und nach Datum sortiert ist, während der linke zunächst die mit dem Smartphone oder Tablet aufgenommenen Fotos und Videos zeigt. Ein kleines Icon in Form einer Wolke weißt darauf hin, dass ein Foto schon in die omnipräsente Cloud, also Google+ Fotos, hochgeladen wurde.

fotos-3
fotos-4

Nur durch den Klick auf das Icon links oben in dieser Ansicht gelangt man zu weiteren lokalen Bilderordnern, die etwa Wallpapers oder heruntergeladene Fotos enthalten. Picasa-Web-Alben gliedern sich indes in die Highlights-Ansicht im rechten Tab, abhängig vom Datum, an dem sie erstellt wurden. Neue Alben lassen sich derzeit übrigens nicht mehr aus Android heraus kreieren, der Picasa-Upload wurde durch den Fotos-Upload ersetzt — und dieser platziert die Bilder direkt im Datums-Stream, nicht mehr in Ordnern.

Auch aus dieser App heraus lassen sich Fotos bearbeiten. Um ins Bearbeitungsmenü zu kommen, wählt man in der Detailansicht lediglich den Pinsel in linken unteren Ecke aus. Die Möglichkeiten sind hier jedoch sehr begrenzt, neben Standards wie dem Drehen und Zuschneiden des Bildes lassen sich nur vorgefertigte Filter und Rahmen anwenden — hinzu kommt die Optimierung mit dem aus Google+ bekannten Auto Awesome.

Snapseed

snapseed-1
snapseed-2

Kein Tool zur Verwaltung von Bildern, der Vollständigkeit halber aber dennoch erwähnt, ist die kostenlose App Snapseed. Die Bildbearbeitungs-Anwendung startete erfolgreich auf Apples iOS, bevor der deutsche Entwickler Nik Software im September 2012 von Google aufgekauft und Snapseed für Android veröffentlicht wurde. Seitdem landen mehr und mehr Funktionen von Snapdseed im Web-Interface von Google+, der komplette Umfang der App ist allerdings noch lange nicht erreicht. Dieser gestaltet sich nämlich — nicht nur für eine Mobile-App — beachtlich: So sind neben den Grundfunktionen wie Begradigung, Zuschneiden und Rahmen nämlich viele Methoden zur Manipulation im Detail vorhanden. Helligkeit, Kontrast, Schattenintensität und Farbwärme lassen sich genau so leicht ändern wie die Schärfe und Helligkeit einzelner Bildausschnitte.

snapseed-3
snapseed-4

Per Tilt Shift und Center Focus verschwimmen unwichtige Details am Bildrand, HDR Scape versieht Fotos im Nachhinein mit einem HDR-ähnlichen Effekt und der Drama-Modus gestaltet vor allem Landschaftsaufnahmen — nun ja, dramatischer. Einfache, vorgefertigte Filter bietet Snapseed übrigens nicht, die Intensität eines Effektes muss immer manuell eingestellt werden.

Snapseed
Entwickler:
123RF Limited
Preis: Kostenlos

Fazit

Von den vorgestellten Anwendungen bietet die Fotos-App mit Abstand am wenigsten Möglichkeiten zur Bildbearbeitung und ist auch in der Menüführung eher ungünstig gestaltet. Dennoch wird sie diejenige App sein, die uns zukünftig auf unseren Androiden begleiten wird. Da die Galerie mit Android 4.4 KitKat ein signifikantes Update in der Bildbearbeitung erfahren hat, ist aber abzusehen, dass diese Funktionen über kurz oder lang ihren Weg in die Fotos-App finden werden. Mit Snapseed wird Google wohl ähnlich verfahren: Viele der Funktionen der App, die mittlerweile auf Google+ verfügbar sind, werden zukünftig in der mobilen Fotos-App verfügbar sein und das Repertoire der Galerie-App erweitern.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung