Google Now für iPhone: Kein Grund, sich zu ärgern [Kommentar]

Frank Ritter 24

Gestern Abend hat Apple eine neue Version der Google-Such-App für iPhone und iPad zugelassen. Wesentliche Neuerung: In Version 3.0 ist auch Google Now enthalten, der beliebte Suchassistent, den Android-Nutzer bereits seit einem Jahr zu schätzen wissen. Nun ärgert sich mancher Android-Nutzer. Grund: Ein zuvor exklusives Android-Feature ist damit auch bei der Konkurrenz gelandet. Außerdem wird im Apple-Ökosystem selbst das mehrere Jahre alte iPhone 3GS unterstützt, ein Gerät das nun schon vier Jahre auf dem Markt ist. Wir finden, dass es dennoch keinen Grund gibt, sich aufzuregen.

Google Now für iPhone: Kein Grund, sich zu ärgern [Kommentar]

Erinnern wir uns mal zurück: Als die vormals iOS-exklusive Foto-App Instagram einst für Android veröffentlicht wurde, ging ein „Snobsturm“ durch die Menge der iPhonista: Wie könnte man nur das Fußvolk der Android-Nutzer in den erlauchten Kreis des Fakeretrofotonetzwerkes einfallen lassen wie einst die Vandalen ins römische Reich?

Nun sind die Vorzeichen umgekehrt: Der Suchassistent Google Now mit seinen praktischen Informationskärtchen war für rund ein Jahr ausschließlich für Android 4.1 und höher verfügbar, seit gestern bietet ihn Google auch für iOS-Geräte an – als Teil der Such-App für iPhone, iPad und iPod Touch. Das bringt viele beinharte Android-Fans auf die Palme; sie sind der Auffassung, dass Now Android vorbehalten bleiben sollte.

Pikant dabei: Die App wird selbst vom iPhone 3GS vollständig unterstützt, einem fast vier Jahre alten Gerät. Damit ist Google Now im Apple-Ökosystem mit einem großen Teil der Geräte kompatibel, die in Benutzung sind. Auf Seiten von Android sind dies nur Geräte ab Android 4.1 Jelly Bean – nach offiziellen Statistiken vom März besitzen lediglich 26 Prozent der Android-Geräte eine entsprechende OS-Version.

Aber ist das wirklich so schlimm? Statistisch gesehen nicht, denn der Anteil von Jelly Bean am Gesamtmarkt der Android-Geräte steigt derzeit nahezu linear — das belegt etwa die Versionsverteilungs-Statistik von AppBrain. Hält der dort gezeigte Trend an, wäre man Ende des Jahres bei rund 50% der Geräte. Es ist aber angesichts neuer Geräte, die fast nur noch mit Android 4.1 und höher erscheinen sowie der wachsenden Anzahl von älteren Geräten, die immer noch aktualisiert werden, davon auszugehen, dass der Jelly Bean-Zug noch stärker an Fahrt aufnimmt — und damit auch die Verbreitung von Google Now in absehbarer Zeit steigt.

Google Now funktioniert auf Apple-Geräten nur stark eingeschränkt: Weder ist Now so tief ins System integriert, dass neue Karten beispielsweise per Push an den Nutzer gesendet werden, so wie das unter Android der Fall ist, noch lässt es sich außerhalb der Google-App starten. Zudem gibt es unter iOS die Vielfalt an Karten nicht, die die Android-Variante auszeichnet. Damit ist Google Now auf iPad und iPhone eher ein „Schnupperangebot“ als ein ernst zu nehmendes Feature.

google now android ios comparison

Vergleichstabelle: Verfügbare Google Now-Karten iOS und Android (Klicken zum Vergrößern)

Und schließlich muss man, allen Fanboy-Flamewars zum Trotze versuchen, die Intention von Google zu verstehen.

Google handelt mit dem Now-Release unter iOS pragmatisch — Googles Geschäft sind Nutzerdaten: Je besser Google seine Nutzer kennt, desto höher die zu erwartenden Werbeeinnahmen. Das ist die zugegebenermaßen recht trockene Erfolgsformel des Internetgiganten. Natürlich sind Daten auf Android-Geräten leichter zu sammeln, aber deswegen eine riesige potentielle Nutzerbasis wie die iPhone-Nutzer auszuschließen, wäre operativ wenig sinnvoll. Es ist eben doch leichter, einen iPhone-Nutzer davon zu überzeugen, eine App zu installieren als, sich ein anderes Smartphone zu kaufen. Entsprechend machen auch die Hinweise Sinn, laut denen Google Now bald auch im Chrome-Browser verfügbar ist.

Zum anderen wird vielen iPhone- und iPad-Nutzern — insbesondere Technologie-affinen — nicht entgangen sein, dass Google Now für Android bereits seit einiger Zeit verfügbar ist. Man sollte nicht die Appetizer-Wirkung unterschätzen, die Now haben kann — ähnlich wie übrigens auch die zuletzt runderneuerte Maps-App. Womöglich werden bei manchen iPhone-Fans mit einer solchen App innere Blockaden abgebaut, sich einmal näher mit Android auseinanderzusetzen – dem angeblichen Frickel-OS, das aber out-of-the-box mittlerweile so coole Features mitbringt.

Also, liebe Freunde: Es gibt keinen Grund, iPhone- und iPad-Nutzern die Verfügbarkeit von Google Now zu missgönnen. Denn Now ist auf iDevices die bestmögliche Werbung für Android – und unter Android schließlich immer noch deutlich besser.

Google Blog: Google Now in your iPhone and iPad |

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