Neues Android-Feature „Nearby“ koppelt Geräte in der Nähe automatisch miteinander

Rafael Thiel 2

Schon im letzten Jahr machte das Gerücht die Runde, wonach Google an einem Feature für Android arbeite, das automatisch eine Verbindung zwischen naheliegenden Geräten herstellt. Das Ganze kursierte lange Zeit als „Nearby“ im Netz bis es nach und nach in einige Produkte des Konzerns eingebaut wurde – etwa dem Chromecast oder den Play Games. Nach über zwölf Monaten schafft es die Funktion jetzt auch ins mobile OS, erste Android-Apps nutzen sie bereits.

Neues Android-Feature „Nearby“ koppelt Geräte in der Nähe automatisch miteinander

In mehreren Blogeinträgen kündigt Google die „Nearby“ getaufte Funktion samt freier Entwicklerschnittstelle gestern Abend an. Die sogenannte „Nearby Messages“-API soll in den kommenden Google Play Diensten mit der Versionsnummer 7.8 enthalten sein. Das Prinzip ist im Grunde simpel: Durch Bluetooth, WLAN und hochfrequenten Audiosignalen, die per Lautsprecher und Mikrofon gesendet beziehungsweise empfangen werden können, werden Kontaktversuche zu umliegenden Geräten unternommen. Infolgedessen kann ohne Zutun des Benutzers eine Verbindung hergestellt werden. Das Ganze soll schneller und bequemer sein als Kontaktinformationen auszutauschen oder QR-Codes einzuscannen.

nearby-animation

In der Vergangenheit wurde Nearby zudem schon erfolgreich in einige Produkte von Google eingebunden. So kann mittlerweile etwa der Chromecast im Gastmodus per Audioübertragung gekoppelt werden, falls beispielsweise der Gastgeber das WLAN-Passwort nicht rausrücken möchte. Auch in den Google Play Games können Spieler schon länger Multiplayer-Partien via Nearby starten.

Nearby: Einige Anwendungen unterstützen das Feature schon

Im Vorfeld der Ankündigung hat man zudem bereits mit einigen Entwicklern zusammengearbeitet, sodass sich von Beginn an diverse Anwendungen die neuen Möglichkeiten zunutze machen. Bei Pocket Casts können die eigenen Podcasts etwa mit den Abonnements von Freunden verglichen werden, in EDjing kann ein DJ eine Trackliste zur Bewertung freigeben, und Trello-Boards können künftig noch bequemer mit einer Gruppe geteilt werden.

Nearby-Pocket-Casts
Nearby-DJ
Nearby-Trello

Weil das lästige manuelle Koppeln mehrerer Geräte so entfällt, sind auch über die bereits jetzt implementierten Beispiele hinaus zahlreiche Einsatzzwecke denkbar: Vom komfortablen Teilen von Daten wie Fotos oder Musik untereinander, dem schnelleren Koppeln von Peripherie über serverloses Messaging und neuartige Kollaborationstools bis hin zum Aufbau von Mesh-Netzwerken könnte Nearby theoretisch verwendet werden. Mit dieser Technologie könnte zudem NFC überflüssig werden. Wir sind gespannt, auf welche Weise Entwickler dieses mächtige neue API noch nutzen werden.

Eddystone: Google veröffentlicht offenen BLE-Beacons-Standard

BLE-Beacon-Google

Im Zuge der Ankündigung hat Google auch sogleich einen offenen und plattformübergreifenden Standard für Bluetooth Low Energy-Beacons namens Eddystone (benannt nach dem gleichnamigen Leuchtturm) vorgestellt, der sich in die Nearby-Funktion einklinkt. Bislang hat Apple mit den iBeacons eine proprietäre Konkurrenztechnologie im Angebot, das nur im Zusammenspiel mit iPhone, iPad und Co. funktioniert. Bei einem Beacon handelt es sich um einen kleinen Bluetooth-Sender, der einem Gerät nach Betreten eines Bereichs gewisse Informationen zuschicken kann. Ein zunehmend verbreitetes Anwendungsszenario sind Kaufhäuser, wo Kunden etwaige Sonderangebote auf dem Smartphone erhalten; denkbar sind auch aktuelle Fahrpläne in Bus und Bahn, die auf diese Weise bequem auf dem Smartphone landen.

Google Nearby – Developing with Beacons.

Das Nearby-Feature soll in naher Zukunft über eine neue Version der Play Dienste ausgerollt werden. Als Voraussetzung ist Android 2.3 Gingerbread oder höher aufgeführt -- in der Android M-Developer Preview ist ein entsprechender Unterpunkt in den Einstellungen sogar schon enthalten. Für iOS-Geräte gibt es zumindest eine Betaversion des APIs, mit dem Entwickler herumexperimentieren können.

Quellen: Google Developers, Google Developers Blog, Android-Developer Blog

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

Weitere Themen

* Werbung