Offiziell kann man gekaufte Apps im Play Store seit geraumer Zeit garantiert nur 15 Minuten „zurückgeben“ und sich die Kosten zurückerstatten lassen. Nun kam heraus, dass das inoffiziell offenbar bedeutend länger funktioniert: Liegt der Kauf mehr als 48 Stunden zurück, übernimmt Google die Kosten und belastet nicht den Entwickler. Kurios: Die Anwendungen bleiben in diesem Fall sogar trotz Rückerstattung weiterhin voll nutzbar. Was wie ein Bug klingt, ist offenbar eine pragmatische Maßnahme von Google.

 

Google Play Store

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Google hat den Modus geändert, mit dem im Play Store gekaufte Anwendungen zurückgegeben und erstattet werden können. Bisher gab es zwei Wege, sein Geld nach dem Kauf einer kostenpflichtigen App zurückzubekommen: einerseits das altbekannte Zeitfenster, nachdem man die App in jedem Fall wieder zurückgeben kann und sein Geld garantiert zurückerstattet bekommt – dieser Zeitraum wurde mit großem Protest Ende 2010 von 24 Stunden auf 15 Minuten verringert. Andererseits der etwas aufwändigere Weg über die Bestellungen im Play Store. Dort kann man für Apps auch länger als 15 Minuten nach dem Kauf in der Liste die Option „Ich möchte eine Erstattung beantragen“ anwählen – woraufhin man hoffen musste, dass sich der Entwickler kulant zeigt und einer Rückerstattung zustimmt.

Wie die Kollegen von Android Police herausfanden, hat Google die Regeln für letztere Praxis intern geändert: Im Zeitraum zwischen 15 Minuten und 48 Stunden bleibt zunächst alles wie gehabt: Der Entwickler erhält eine Mail über das Rückgabe-Ersuch des Nutzers, nach stattgegebenem Ersuchen wird die App aus der App-Bibliothek des Nutzers entfernt und ihm das Geld zurückerstattet.

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Wenn Nutzer jedoch Rückerstattung mehr als 48 Stunden nach dem Kauf beantragen, werden diese automatisiert zurückerstattet. Interessant daran ist, dass der Käufer glaubt, dass die Rückerstattung durch den App-Entwickler geschieht – letzterer aber keinerlei Information über das Rückerstattungsgesuch erhält. Der Käufer erhält sein Geld zurück, der App-Entwickler behält aber gleichzeitig das für die verkaufte App eingenommene Geld. Noch kurioser: Der App-Käufer kann trotz Rückerstattung die App weiter nutzen.

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Hintergrund ist offenbar kein Bug, wie Android Police durch wochenlanger Recherche mit App-Entwicklern und Google-Sprechern herausfand. Stattdessen handelt es sich um eine pragmatische Vorgehensweise von Google: Bis zu einem bestimmten Maß ist es offenbar einfacher und kostengünstiger, dass Google die Kosten für die App komplett übernimmt, sie ihm die App praktisch kauft, anstatt die Formalitäten einer „echten“ Rückerstattung von Mitarbeitern bearbeiten zu lassen.

Wer nun aber meint, hier ein nettes Schlupfloch gefunden zu haben, um sich gratis mit kostenpflichtigen Apps einzudecken, irrt: Gegenüber Android Police erklärte Google, dass man Vorkehrungen getroffen habe, um Missbrauch zu verhindern. Google ging verständlicherweise nicht darauf ein, wie genau dieses System funktioniert, es dürfte aber mit ziemlicher Sicherheit etwas mit der Zahl der angeforderten Erstattungen zu tun haben. Wer hier übertreibt und sich wieder und wieder seine Anwendungen nach 48 Stunden zurückerstatten lässt, bei dem wird die Methode wohl ganz schnell nicht mehr funktionieren – schließlich ist auch Google kein Samariter, der Geld zu verschenken hat.

Wie sind eure Erfahrungen mit App-Rückerstattungen? Habt ihr schon einmal euer Geld nicht zurückerhalten oder klappte der Vorgang immer reibungslos?

Quelle: Android Police