Google Play Store: Warum die vereinfachten Berechtigungen sinnvoll sind [Meinung]

Frank Ritter 8

Am Wochenende berichteten wir, dass der Google Play Store ohne genauere Informationen ein neues System für den Umgang mit App-Berechtigungen und automatische Updates eingeführt hat. Android-Nutzer verlieren damit ein Stück Kontrolle bei App-Updates, was in den einschlägigen Medien harsch kritisiert wird. Bei genauerer Betrachtung sind die Änderungen aber durchaus sinnvoll.

Wo das Problem liegt

Kurz noch einmal, worum es geht: Wenn ein Nutzer eine Android-App installiert, kann er grundsätzlich die Berechtigungen einsehen, die diese App verlangt – so etwa, dass die App auf dem Gerät gespeicherte SMS lesen oder auf die Position des Nutzers zugreifen kann. Wenn eine Berechtigung für den Einsatzzweck der App keinen Sinn ergibt – zum Beispiel Zugriff auf die Kontakte bei einer Taschenrechner-App – kann der Nutzer sich aufgrund dessen noch gegen die Installation entscheiden. Steht für eine installierte App ein Update im Play Store bereit, wird diese standardmäßig automatisch aktualisiert, sofern der Nutzer dies nicht explizit in den Play Store-Einstellungen deaktiviert hat. Es gab bis vor Kurzem eine große Ausnahme: Wenn die App neue Rechte anforderte, musste der Nutzer das Update separat genehmigen. Diese Ausnahme wurde nun aufgeweicht.

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Kostenlose und reduzierte Android-Apps zum Wochenende

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Künftig erfordern weniger App-Updates eine manuelle Bestätigung (Bild)

Mit dem jüngsten Update auf die Play Store-Version 4.8.20 wird der Nutzer bei neuen angeforderten Berechtigungen nicht mehr grundsätzlich gefragt. Warum? Die Berechtigungen sind nun in Gruppen eingeteilt, Apps werden ab sofort auch automatisch aktualisiert, wenn sie eine neue Berechtigung einfordern, die aus einer Kategorie stammt, aus der eine andere Berechtigung bereits vom Nutzer genehmigt wurde.

Ein Beispiel: Wenn etwa eine App installiert ist, die bereits vom Nutzer das Recht eingeräumt bekommen hat SMS zu lesen, wird diese selbst dann automatisch aktualisiert, wenn sie in der aktualisierten Fassung die neue Berechtigung einfordert, SMS zu senden – denn beide Berechtigungen befinden sich in der Berechtigungs-Gruppe „SMS“. Auf einer Hilfe-Seite listet Google all diese Gruppen auf. Die Gefahr: Sollte eine App Schindluder treiben und beispielsweise persönliche Daten sammeln oder kostenpflichtige Premium-SMS versenden, ist das nun schwerer herauszufinden.

Auch die Erstinstallation einer App wurde überarbeitet: Die Rechte, die die App anfordert, werden nun gruppiert dargestellt, erst ein Tap auf die jeweilige Berechtigungsgruppe stellt die genauen Berechtigungen dar.

Warum das neue System (auch) von Vorteil ist

Google nimmt Nutzern des Play Stores damit Kontrolle, das steht außer Frage. Dass insbesondere sicherheitssensible Nutzer das als Bevormundung betrachten und die Reihen der Android-Blogs und technikzentrierten News-Seiten diese Vereinfachung harsch kritisieren, war absehbar. Dennoch ist das System sinnvoll – und zwar wenn man die Perspektive wechselt, hin zu Otto-Normal-Nutzern.

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Die alte Berechtigungs-Anzeige bei der Installation von Apps (links) im Vergleich mit der neuen (rechts)

Mal ehrlich: Wie viele Android-Nutzer achten bei der Installation von Apps überhaupt auf Berechtigungen? Ohne das empirisch belegen zu können, stelle ich meine subjektive Beobachtung in den Raum. Die besagt, dass das nur die wenigsten praktizieren. Lieschen Müller und Otto Normal klicken auf einen Link, den sie auf einer Android-Seite wie unserer lesen, oder den sie von einem Freund per WhatsApp zugesandt bekommen haben, klicken auf „Installieren“ und nicken ohne groß nachzudenken den lästigen zweiten Bildschirm ab. Schließlich will man ja diese spannende neue Anwendung ausprobieren. Berechtigungen sind ein „blinder Fleck“ bei einem Großteil der Nutzer, nur die wenigsten beachten sie überhaupt.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Google dieses Problem erkannt hat. Die vereinfachte Darstellung der App-Berechtigungen in Gruppen dürfte das Ergebnis von Bemühungen sein, mehr Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Vielleicht gelingt das sogar.

Der zweite Teil des Problems ist ebenfalls eine Vermutung, die ich aufgrund von Beobachtungen anstelle: In meinem engeren Bekanntenkreis gibt es mindestens zwei Smartphone-Nutzer, die nicht sonderlich versiert sind. Wenn bei ihnen eine App per Auto-Update aktualisiert wird, wird das vielleicht noch zur Kenntnis genommen, sobald aber aktives Handeln erforderlich wird, sprich: das Abnicken neuer Berechtigungen für ein App-Update, sind sie überfordert und verwerfen die entsprechende Benachrichtigung. Ergebnis: Die Apps bleiben auf einem alten Versionsstand hängen. Wenn ich das Smartphone alle paar Wochen in die Hände bekomme, aktualisiere ich mindestens ein halbes Dutzend Apps. Auf die Gesamtmenge der Android-Nutzer bezogen dürften Millionen und Abermillionen Nutzer veraltete App-Versionen auf ihrem Gerät installiert haben.

App-Updates enthalten bekanntermaßen nicht nur neue Funktionalität, sondern zum Teil auch Stabilitäts- und Sicherheitsverbesserungen. Ich bin mir sicher, dass Google sich dessen bewusst ist und die Ausweitung der automatischen Updates eine Konsequenz daraus ist. Nach dem Motto: Wir wählen das geringere Übel und nehmen Power-Usern etwas Kontrolle, um in der Breite die Aktualität von Apps zu steigern.

Was Google jetzt tun sollte

Die teils harschen Reaktionen aus der Community sind verständlich und natürlich auch berechtigt, so sinnvoll Googles Motive bei näherer Betrachtung auch sein mögen. Nun ist das Kind aber in den Brunnen gefallen, der Shitstorm in vollem Gange – was also tun? Mit dreierlei Maßnahmen könnte Google mit einem blauen Auge aus der Situation herausgehen.

  • Bessere Kommunikation. Abgesehen von ein paar lapidaren und halbseidenen Erklärungen auf der Hilfeseite (Sinngemäß: Unsere Sicherheitsmaßnahmen zur serverseitigen Überprüfung von Apps sind mittlerweile so gut, dass der Nutzer weniger Kontrolle braucht) gab es keinerlei Statement zu dem Thema. Es wäre wichtig, dass man die Motive hinter der Entscheidung erklärt – und zwar nicht erst zur Google I/O.
  • Informationen im Nachgang. Wenn eine App bei einem Update neue Rechte bekommen hat, sollte zumindest eine Benachrichtigung der Play Store App darauf hinweisen und per Tap darauf genaue Informationen anzeigen.
  • Die alte Auto-Update-Funktionsweise als Option wieder herstellen. Poweruser, denen es wichtig ist, über Rechteerweiterungen Bescheid zu wissen, sollten nicht nur, wie derzeit empfohlen, die Möglichkeit haben, automatische Updates komplett auszuschalten. Es sollte mindestens noch die Option geben, das alte System – also bei jeder „kleinen“ Berechtigungserweiterung gefragt zu werden – per Einstellung in der Play Store-App wiederherzustellen.

Wie ist eure Meinung zu dieser Sichtweise auf das Thema? Sagt es uns in den Kommentaren.

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