Nokia HERE: Audi, BMW und Daimler übernehmen den Kartendienst

Kaan Gürayer 3

Die Angst geht um bei deutschen Autobauern. Doch dieses mal kommt die gefühlte Bedrohung nicht aus Fernost, sondern aus dem Silicon Valley und heißt Google. Mit seinen selbstfahrenden Fahrzeugen tüftelt der Suchmaschinenbetreiber an der automobilen Zukunft. Um sich gegen Google zu wappnen, haben jetzt Audi, BMW und Daimler für 2,8 Milliarden Euro Nokias Kartendienst HERE übernommen.

Nokia HERE: Audi, BMW und Daimler übernehmen den Kartendienst

Vergangenes Jahr sind auf deutschen Straßen 3.368 Menschen ums Leben gekommen. Seien wir ehrlich: In den seltensten Fällen lag wohl ein technischer Defekt vor, sondern führte menschliches Versagen zum Unfall. Alkohol am Steuer, Handy am Ohr, die Kinder auf dem Rücksitz maßregeln – die Unfallursachen können vielfältig sein, eines haben sie aber gemeinsam: der Mensch, die leicht ablenkbare „Krone der Schöpfung“, trägt in der Regel die Schuld. Die Frage ist also erlaubt, ob Menschen überhaupt am Steuer sitzen sollten. Eric Schmidt verneint das: „Dein Auto sollte selbstständig fahren. Das ergibt einfach Sinn“, sagte der ehemalige Google-CEO 2010. Laut Eric Schmidt sei es ein „Bug“, dass Computer nach Autos erfunden wurden und wir unsere Fahrzeuge selbst steuern müssten – und mit seinen autonomen Autos arbeitet Google daran, diesen Bug zu „fixen“.

Die deutschen Autobauer sehen diesen Vorstoß mit Argwohn, da sie dem Internetgiganten bislang wenig entgegenzusetzen haben. Denn um selbstfahrende Autos in die Realität umzusetzen, sind riesige Datenmengen notwendig – und wer besitzt mehr Daten als Google, ein Konzern der mit Google Maps samt Street View den wohl besten Kartendienst im Angebot und nahezu die ganze Welt kartografiert hat? In diesem Lichte ergibt auch der Kauf von Nokias HERE-Kartendienst einen Sinn, den Audi, BMW und Daimler in seltener Eintracht nun gestemmt haben. Für insgesamt 2,8 Milliarden Euro hat das Trio die Kartensparte des finnischen Unternehmens übernommen, wie Nokia im eigenen Firmenblog nun bekanntgab.

Nokia HERE: Karten-App mit kostenloser Offline-Navigation für alle Android-Geräte [APK-Download] Bild

HERE soll „offene und unabhängige“ Plattform bleiben

„HERE wird eine Schlüsselrolle bei der digitalen Revolution der Mobilität spielen und dabei hochpräzise Karten mit Daten aus dem Fahrzeugumfeld kombinieren, um das Fahren für alle sicherer und einfacher zu machen“, äußert sich Harald Krüger, Vorstandsvorsitzender der BMW AG, zum Deal. Die mobilen Apps von Nokia HERE, die sowohl für Android als auch iOS und Windows Phone verfügbar sind, sollen weiter Bestand haben und nicht eingestellt werden. HERE soll laut Pressemitteilung „als offene, unabhängige und wertschaffende Plattform für cloud-basierte Karten und Mobilitätsdienste dauerhaft gesichert werden - zugänglich für alle Kunden aus der Automobilindustrie und anderen Branchen“. Keines der drei Unternehmen strebe außerdem eine Mehrheit bei HERE an. Die Kosten der Übernahme werden von der AUDI AG, der BMW Group und der Daimler AG zu jeweils gleichen Teilen getragen.

Nokias Transformation zum Netzwerkausrüster

Die Übernahme, die im ersten Quartal 2016 in trockenen Tüchern sein soll, markiert dabei einen wichtigen Schritt in der weiteren Tranformation Nokias hin zu einem Unternehmen, das sich vor allem als Netzwerkausrüster versteht. Im Juli gab die EU-Kommission bereits grünes Licht für die Übernahme des französischen-amerikanischen Rivalen Alcatel-Lucent, den Nokia für 15,6 Milliarden Euro aufkaufte. Nokia wird zwar weiter Consumer-Hardware produzieren, im Bereich der Tablets und Smartphones aber bis auf Weiteres wohl nur noch als Lizenzgeber für den eigenen Markennamen fungieren. Mit der Ozo hat Nokia unlängst eine Kamera vorgestellt, mit der VR-Aufnahmen möglich sind.

Quellen: Nokia, Presseportal, TechCruch, Spiegel Online, heise, via: Android Central 

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