E-Book-Preisabsprachen: Bald wieder Store-Link in Kindle-App?

Florian Matthey

Die Entscheidung eines US-Gerichtes zu E-Book-Preisabsprachen könnte wieder mehr Wahlfreiheit für Benutzer von iOS-Geräten bringen: Das US-Justizministerium fordert, dass Apple beispielsweise in der Kindle-App wieder Direktinks in den Kindle Store erlaubt.

E-Book-Preisabsprachen: Bald wieder Store-Link in Kindle-App?

Ein US-Gericht hatte kürzlich entschieden, dass Apple wettbewerbswidrige Preisabsprachen mit Buchverlagen getroffen habe. Insgesamt könnte Apple 500 Millionen US-Dollar Schadensersatz zahlen müssen; andere Anbieter von E-Books - allen voran also Amazon - werden in Zukunft Bücher wieder günstiger als im iBookstore anbieten können.

Die Verträge zwischen Apple und den Verlagen sahen vor, dass die Verlage sicher gehen mussten, dass ihre E-Books in anderen Portalen nicht günstiger erhältlich sind. Diese Absprachen waren sowohl dem US-Justizminsterium als auch der Europäischen Kommission ein Dorn im Auge.

Es stellt sich nun die Frage, wie der Vertrieb von E-Books in Zukunft aussehen wird: Durch Apples Vertragsgestaltung hatte sich das so genannte Agenturmodell durchgesetzt, dem zufolge die Verlage zuvor den Verkaufspreis für ihre Bücher festlegen und die E-Book-Store-Betreiber einen Teil des Umsatzes einbehalten. Seit der Entscheidung des US-Gerichts und der außergerichtlichen Einigung mit der Europäischen Kommission ist es aber auch wieder möglich, dass E-Book-Stores die Bücher wie Großhändler-Ware anbieten, also den endgültigen Preis selbst festlegen.

Das US-Justizministerium hat nun einen Vorschlag zu den Rechtsfolgen des Urteils in den USA eingebracht: Apple müsse alle Verträge mit allen Verlagen, die das Agenturmodell und eine „Meistbegünstigungsklausel“ zugunsten Apples vorsehen, kündigen und dürfe für fünf Jahre keine neuen Verträge abschließen, die es Apple ermöglichen würden, in den Preiskampf einzugreifen. Damit Benutzer von Apple-Geräten die Wahl haben und Preise vergleichen können, soll es zumindest für zwei Jahre wieder erlaubt sein, dass E-Book-Store-Betreiber in ihren iOS-Apps direkte Links zu ihren jeweiligen Stores integrieren.

Ursprünglich war es mit Anwendungen wie Amazons Kindle-App möglich, digitale Bücher direkt im jeweiligen Store zu kaufen. Dann führte Apple selbst aber die Option der In-App-Einkäufe ein und sah in den App-Store-Lizenzbestimmungen vor, dass zusätzliche Inhalte nur noch über das Apple-System möglich sind - Apple also auch 30 Prozent des Umsatzes einbehält. Mitte 2011 wurden diese Regeln verbindlich, auch Amazon musste den Link in den Kindle-Shop aus der eigenen App entfernen. Sollte das Gericht im Sinne des US-Justizministeriums entscheiden, dürfte dieser Link bald zurückkehren.

Wenig überraschend ist Apple von diesen Vorschlägen nicht sonderlich begeistert: Der Plan sei ein „drakonisch strafender Eingriff in Apples Geschäfte“, der völlig außer Verhältnis zu dem Fehlverhalten stehe, das das Gericht festgestellt habe. Apple wird sich also rechtlich dagegen wehren; das letzte Wort ist daher noch lange nicht gesprochen.

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