Fruity Loops Studio Mobile: Android-Version der Musiksoftware im Test

Daniel Kuhn 7

Viel wurde in den letzten Jahren darüber geklagt, dass Android als Betriebssystem für musikschaffende Kreative nahezu ungeeignet sei; wer gerne mobil Musik machen möchte, solle doch zu einem iDevice greifen. So langsam aber sicher ändert sich an der Situation aber ein bisschen was und mit Fruity Loops Studio Mobile ist nun endlich auch das erste Schwergewicht im Google Play Store gelandet. Wir haben uns die Android-Umsetzung des Klassikers mal etwas genauer angesehen.

Fruity Loops Studio Mobile: Android-Version der Musiksoftware im Test

Auch wenn die Auswahl an Android-Apps dem iOS-Angebot inzwischen fast ebenbürtig ist, gibt es doch einen Bereich, in dem Android nicht mal ansatzweise mithalten kann: Musik-Apps. Zwar gibt es durchaus ein paar gute Apps in diesem Bereich, es handelt es sich dabei aber eher um homöopathische Dosen. Hauptgrund ist die Audiolatenz, die es Entwicklern extrem schwer bis komplett unmöglich macht, Musik-Anwendungen von anderen Plattformen zu portieren oder neue Apps zu schreiben. Image-Line, die Entwickler der weltbekannten Audio-Software Fruity Loops Studio, haben es trotzdem gewagt. Auch wenn es über ein Jahr länger gedauert hat, als ursprünglich geplant, ist die Android-Umsetzung nun endlich im Play Store zu finden und beweist, dass es sehr wohl möglich ist, gute und umfangreiche Musiksoftware für Android zu programmieren.

Selbst wer noch nie selber Musik gemacht hat, wird den Namen Fruity Loops kennen. Die Software gilt im Desktop-Bereich schon lange als Einstiegsdroge, was nicht zuletzt dem simplen Bedienkonzept geschuldet ist, dank dem sogar unmusikalische Zeitgenossen schnell zu ersten hörbaren Ergebnissen kommen.

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Das grundlegende Element eines guten Tracks ist bekanntlich ein guter Beat, und so sieht man sich beim Starten der App auch gleich dem Stepsequencer gegenüber, in dem man Schritt für Schritt ein Rythmusfundament gießen kann. Wer mehr Groove und Echtzeitfeeling bevorzugt, kann den Beat wahlweise auch über die Drumpads eingetrommelt werden, wobei das Einhämmern auf das starre Display Geschmackssache ist. Ebenfalls nicht unbedingt jedermanns Geschmack könnte der ausgewählte Standard-Sound sein. In diesem Fall, oder wenn man statt Drums auch mal ein anderes Instrument erklingen lassen möchte, steht unter dem Punkt „Instrumente“ eine Auswahl von insgesamt 133 Instrumenten wie Pianos, Gitarren, Synthesizer, Drums und sogar ein paar Loops, zur Auswahl. Das ist zwar nicht die größte Auswahl, sollte aber ausreichen, um dem gewünschten Klang zumindest nahe zu kommen.

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Die Sounds lassen sich zudem auch noch durch simple Hüllkurven, die Veränderung der Tonhöhe (auch durch den Beschleunigungssensor steuerbar) sowie natürlich einer Effektsektion verändern. Hier ist es allerdings schade, dass den unterschiedlichen Spuren nicht jeweils unterschiedliche Effekte zugeordnet werden können, sondern diese entweder nur für den Master Kanal, oder die ausgewählten FX-Kanäle gleichermaßen gelten. Es ist also zum Beispiel nicht möglich, die Bassdrum mit einem Reverb zu belegen, während der Synthesizer dank EQ in Form gebracht wird. Sehr schade ist zudem, dass es nicht möglich ist, die Synthesizer-Sounds zu verändern, oder gar komplett neue Sounds zu erstellen – dies ist allerdings sicher der Rechenleistung der meisten Smartphones und Tablets geschuldet, die unter einem (oder mehreren) zusätzlichen virtuellen Synthesizer wohl ziemlich stark leiden würde.

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In der Tracks-Ansicht, in der man sich am Anfang in der Sequencer-Ansicht befindet, lässt sich über drei Buttons oben rechts die Ansicht ändern, so dass man den ganzen Track im Auge hat – per Pinch-to-Zoom-Geste auf dem Bereich oberhalb der Spuren kann man hinein- und herauszoomen. Über den +-Button lässt sich der Track um jeweils einen weiteren Takt erweitern, mit Copy & Paste-Befehlen lassen sich dann die jeweiligen Track-Teile und Loops vervielfältigen. Hier lassen sich auch weitere Spuren hinzufügen, wobei die Auswahl zwischen Stepsequencer (respektive Drumpads) oder Instrumenten besteht, die per Piano-Tastatur eingespielt werden können.

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Die Benutzeroberfläche ist leicht verständlich und gut strukturiert aufgebaut, so dass man intuitiv versteht, wie alles funktioniert und wo alles zu finden ist, selbst wenn man bisher weder mit Fruity Loops noch mit anderen Musikprogrammen in Berührung gekommen ist. Der Nutzer wird nicht durch eine Vielzahl von Möglichkeiten erschlagen, sondern kann sich voll und ganz auf den kreativen Prozess konzentrieren. Erfahrenen Musikern oder Soundtüftlern werden allerdings schnell viele simple Optionen fehlen – ähnliche Probleme hatte die Desktop-Version von Fruity Loops ebenfalls von jeher. Allerdings wir wohl niemand von einer mobilen Musik-App den gleichen Funktionsumfang wie von einer ausgewachsenen Desktop DAW-Software erwarten.

Auch fehlt leider die Möglichkeit selber Audio aufnehmen, bearbeiten und in den Track einbauen zu können, was in der iOS-Version möglich ist. Zum einen liegt dies an der angesprochenen hohen Audiolatenz vieler Android-Geräte – wobei man lobend erwähnen muss, dass Fruity Loops ab Android 2.3 aufwärts läuft, obwohl erst mit Jelly Bean einigermaßen brauchbare Latenzzeiten erreicht werden konnten. Zum anderen liegt dies darin begründet, dass die Android Version 1.0 der iOS-Version 1.0 entspricht. Die neuen Features der aktuellen iOS-Version 2.1, etwa der Soundcloud-Upload, in FL Studio erstelle Instrumente auch in der Mobile-Version zu laden, die Hintergrund-Wiedergabe, sowie das Erstellen eigener Drumkits werden daher auch erst nach und nach in die Android-Version integriert.

Dies ändert aber nichts an dem sehr positiven Gesamteindruck, den FL Studio Mobile für Android vermittelt. Die App läuft auch auf älteren Geräten wie dem HP TouchPad sehr flüssig, wobei ich es mit der Track-Länge und der Spurenanzahl nicht übertrieben habe – die Entwickler sagen auch ganz klar, je schneller das Gerät ist, desto mehr kann man mit FL Studio Mobile machen, was soweit ganz einleuchtend klingt – ein Samsung Galaxy S2 wird man sicher mit weniger Spuren in die Knie zwingen können, als ein HTC One.

Die erstellten Tracks können entweder als Wave- oder AAC-Datei exportiert und so gleich mit Freunden geteilt werden – man kann den Track aber auch als Fruity Loop-Projekt sichern und dieses dann auf anderen mobilen Geräten und sogar in der Desktop-Version von FL Studio weiterbearbeiten.

Nun aber zum Fazit und der Frage, die die meisten interessieren dürfte: ist FL Studio Mobile den Preis von 14,95 Euro wert? Ich war zunächst äußerst skeptisch, aber nach kurzem Ausprobieren lautete die Antwort ganz deutlich: Ja. Funktionsumfang, Qualität und Aufbau der App sind absolut professionell und man spürt quasi die langwierige Entwicklungszeit, die hinter der Umsetzung steckt. Das Erstellen eines neuen Tracks geht von Anfang an leicht von der Hand. Natürlich ist die App nur für Nutzer geeignet, die eh Musik machen, oder wissen, worauf sie sich einlassen – zum bloßen Herumprobieren ist FL Studio dann vielleicht doch etwas zu teuer. Mit Fruity Loops hat nun also der erste Big Player den Play Store betreten und legt die Messlatte für Musik-Apps souverän ein ganzes Stück nach oben und demonstriert eindrucksvoll, dass auch Android für kreative Menschen geeignet ist.

FL Studio wurde für die Display-Auflösungen 1280 x 800, 800 x 480, 960 x 640 und 480 x 320 optimiert, läuft aber auch auf allen Geräten, die nicht über die genannten Modelmaße verfügen. Die App ist 209 MB groß und läuft auf allen Android-Geräten mit Android 2.3 oder höher.

Download: Fruity Loops Studio Mobile (14,95 Euro)

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