WhatsApp-Facebook-Deal: Eine Chance für Apple und iMessage auf Android (Kommentar)

Sven Kaulfuss 18

Es ist der Deal des Jahres: Der führende Messenger-Dienst WhatsApp wechselt für zig Fantastilliarden zu Facebook. Wie reagiert darauf die Konkurrenz, nachdem der teure Kuchen gegessen ist? Für Apple haben wir einen Tipp: Öffnet euch und gebt iMessage frei!

WhatsApp-Facebook-Deal: Eine Chance für Apple und iMessage auf Android (Kommentar)

Hand aufs Herz: Ab einem bestimmten Betrag ist jeder käuflich. Dies gilt ab heute auch für die beiden Gründer von WhatsApp – Jan Koum und Brian Acton. Noch vor wenigen Wochen versprach man den getreuen Anwendern ein Wachstum des Dienstes in Eigenregie. WhatsApp sollte unabhängig bleiben – letzten Endes eine hinterlistige Scharade, in der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg die Rolle des bereitwilligen Freiers allzu gerne übernimmt.

Bedenklich: Es ist in erster Linie ein intuitiver, als denn ein gut überlegter Kauf. Keiner der Konkurrenten (Google, Apple und Microsoft) sollte die Chance haben, den Dienst vor Facebook zu erwerben. Möchte Zuckerberg daraus jedoch eine gewinnbringende Rendite erwirtschaften, so muss er das Geschäftsmodell von WhatsApp in kürzester Zeit komplett umstellen. Dennoch gibt man sich wohlgefällig und verspricht den Anwendern: Es ändert sich nichts!

Wechselwillige WhatsApp-Kunden auf der Suche nach Alternativen

Im Angesicht der verdienten „Glaubwürdigkeit“ beider Firmen sollte jeder halbwegs intelligenter Mensch diese Äußerung als klares Lippenbekenntnis erkennen. Es mehren sich die Befürchtungen um Datensicherheit und Werbeattacken – Kollege Sebastian geht in seinem Artikel auf eine Vielzahl der Sorgen ein. Unterm Strich: Nicht wenige WhatsApp-Anwender zeigen sich ab dem heutigen Tag vermehrt wechselwillig und verabschieden sich von ihrer geliebten Chat-App. Aktuelles Beispiel: Arbeitskamerad Kamal Nicholas von GIGA ANDROID. Ihn zieht es zur Alternative Threema aus der Schweiz.

Threema
Entwickler:
Preis: 3,49 €

Nachteil dieser und anderer Alternativen: Sie alle mögen zwar sicherer und demnach vertrauenswürdiger sein – ihre Verbreitung und Akzeptanz ist indes mehr als überschaubar. Was nützt der beste Messenger und Chat-Dienst, wenn keiner meiner Freunde ihn nutzt? Ich befinde mich auf einer Insel – sicher aber leider auch ohne Anschluss an die Außenwelt. Freilich, auch WhatsApp befand sich anfangs in dieser Situation. Erfreulich für die Entwickler: Langsam aber stetig potenzierten sich mit der Zeit die Nutzerzahlen – die App bestach durch ihre Einfachheit und Funktion. Nur wer sagt mir, ob ich mit Alternative XYZ schon heute aufs richtige Pferd setze? Irgendwann – die älteren Semester werden mir beipflichten – ist man es leid, wie ein dummer „iAffe“ von Baum zu Baum zu schwingen.

iMessage von Apple: Derzeit nur für Club-Mitglieder

Eine privilegierte Ausnahme: Millionen von Apple-Nutzern haben schon heute eine mehr als gut funktionierende Alternative standardmäßig auf iPhone, iPad und Mac installiert – iMessage (Nachrichten). Der Dienst ist kostenlos, sicher (Ende-zu-Ende-Verschlüsselung), synchronisiert sich über alle Geräte hinweg und ist frei von Werbung. Besonders clever: SMS und iMessage bilden auf dem iPhone eine Einheit. Benutzt der Adressat ebenso ein Apple-Smartphone, so wird die Nachricht kostenfrei gleich als iMessage verschickt, nicht als SMS – Verbindungsgebühren (bis auf Kosten für den Internetzugang) fallen nicht an. Größter Nachteil von iMessage: Es ist bisher ein geschlossenes System, nur Mitglieder des Apple-Clubs erhalten Zugang.

Einmalige Chance: iMessage für Android und Windows

Für Apple bietet sich jetzt die einmalige Chance, diese Beschränkung aufzuheben. Wenn man schon nicht das Protokoll für andere Entwickler freigeben möchte, so sollte man zumindest überlegen, einen iMessage-Client für andere Plattformen (mindestens Android und Windows) anzubieten. Jeder Nutzer müsste sich allein für eine Apple-ID registrieren, anhand derer die Identifikation stattfindet. Positiv: Neue iMessage-Anwender würden von Anfang an eine große Menge an Freunden und Bekannten vorfinden – ein gehöriger Startvorteil gegenüber weniger verbreiteten Alternativen.

Kritiker rümpfen hingegen die Nase: Statt Facebook soll ich nun Apple meine Daten anvertrauen? Vom Regen in die Traufe? Nicht unbedingt. Im Gegensatz zu Facebook und Google verdient Apple sein Einkommen nicht mit Nutzerdaten. Die Firma verkauft in erster Linie Hardware und erst im Nachgang die dazugehörigen Dienstleistungen. Die Währung von Facebook sind jedoch ausschließlich die persönlichen Daten der Nutzer. Nicht viel anders bei Google. Hardware (zum Beispiel Nexus 5) wird zum Einkaufspreis verramscht, erst die weiteren Services spielen tatsächlich Geld ein. Mit anderen Worten: Apple hat es nicht nötig, seine Anwender an die Werbeindustrie zu verkaufen – iMessage dient allein der Kundenzufriedeneinheit.

Wie einst der iPod, könnte sich iMessage für Android und Windows zum „trojanischen Pferd“ für die Konkurrenz entwickeln. Die Anwender finden daran gefallen und geben beim nächsten Smartphone- oder Rechnerkauf vielleicht gleich Apple den Vorzug – der viel zitierte Halo-Effekt.

Nur Mut Apple: Gebt das Hanf iMessage frei!

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