Lovoo-Fake: Dating-Plattform nutzt angeblich Fake-Profile

Kristina Kielblock

Der Verdacht auf User-Abzocke durch ein Dating-Portal steht erneut im Raum, nachdem bereits erst kürzlich im Rahmen der Ashley Madison Hack-Affäre solche Machenschaften ans Licht kamen. Diesmal geht es um die Dating-Plattform Lovoo, die nach Whistleblower-Dokumenten, die der c’t‘ zur Verfügung gestellt wurden, angeblich mit gefakten Nutzerprofilen Kunden zur Interaktion auf der Plattform verleitet. 

Nach eigenen Angaben hat das Dating-Portal Lovoo 36 Millionen Kunden aus 17 Ländern. Der c’t‘ wurden nun Daten zugespielt, die belegen sollen, dass das Unternehmen in großem Ausmaß mit virtuellen Usern - also Fake-Profilen- arbeitet, um Nutzer zu teilweise kostenpflichtigen Interaktionen auf der Plattform zu bewegen.

Update: Stellungnahme von Lovoo erschienen

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Lovoo hat am 18.09. eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie c’t‘ Mangel an journalistischer Objektivität und Sorgfaltspflicht vorwerfen - ein starkes Stück, denn der betreffende Artikel ist sehr ausgewogen und betont, dass die Möglichkeit der Datenmanipulation durchaus gegeben ist. Allerdings hat die Redaktion aufgrund der Vorwürfe Test-Accounts eingerichtet und die Erkenntnisse aus der Sichtung des geleakten Datenmaterials einer Prüfung unterzogen. Mehr dazu lest ihr in diesem Artikel.

Man kann sich dem Eindruck nicht verschließen, das Lovoo hier versucht von eigenem Fehlverhalten abzulenken, indem es den angeblich unsauberen Journalismus der c’t‘ anprangert. Doch so „aus der Luft gegriffen“, wie die Autoren der Stellungnahme behaupten, sind die Vorwürfe tatsächlich nicht.

Besonders auffällig: Außer, dass sie falsch sind, hat Lovoo den sehr konkreten Anschuldigungen nichts entgegenzusetzen. Stattdessen widmen sie einen Absatz den Aktivitäten ihres Anti-Spam / Anti-Fake Teams. Das ist interessant, denn auf diese Weise kann das Unternehmen über Fake-Profile sprechen ohne zu lügen. In diesem Absatz geht es ausschließlich um die Entdeckung und Eliminierung der Fake-Profile Dritter und nicht um von Lovoo selbst angelegte Profile. Die es ja angeblich nie gegeben hat. Skepsis ist hier mehr als angebracht - wir werden die weiteren Entwicklungen genau beobachten.

Whistleblower: Lovoo erstellt Profile, die Nutzer automatisiert ansprechen

Mehr als 50 Gigabyte Daten wurden der c’t‘ von einem anonymen Whistleblower zugespielt. Darin enthalten sind Kopien von E-Mails aus der Lovoo-Führungsriege und Screenshots. Durch einen Anwalt ließ Lovoo bereits darauf hinweisen, dass diese Daten - auch in dieser großen Menge - gefälscht sein könnten. Es wäre aber zu fragen, wer sich die Zeit nimmt, derlei Informationen in diesem Maßstab zu faken - aber natürlich ist das nicht unmöglich. Sobald Näheres dazu veröffentlicht wird, könnt ihr es an dieser Stelle nachlesen.

Da die Dokumente, die das Dresdner Flirt-Unternehmen belasten, auch manipuliert sein könnten und das Portal selbst die Vorwürfe von sich weist, hat die c’t‘ sich mit Testprofilen auf der Plattform angemeldet, um den Wahrheitsgehalt der Vorwürfe zu eruieren. In den Tests konnte zumindest festgestellt werden, dass das System sich tatsächlich so verhielt, wie es das zugespielte Material aufdeckt. Die Testprofile wurden häufig von Flirt-willigen Userinnen besucht und mit einer positiven Bewertung versehen. Auf Chat-Nachrichten, die an diese interessierten Userinnen verschickt wurden, kam aber keine Antwort. Mehr zu Lovoo-Erfahrungen lest ihr von uns an anderer Stelle.

Vorwürfe gegen das Unternehmen lovoo - gefakte nutzerinnenprofile und chat bots sollen die user in die irre geführt haben und in-app käufe motiviert haben.

Die mutmaßliche Praxis des Unternehmen Lovoos

Wozu das Ganze? Angeblich agiert die Firma bereits seit zwei Jahren auf diese Weise und versucht mit virtuellen, erfundenen Profilen, Nutzer an die Plattform zu binden und vor allem sie zu In-App-Käufen zu motivieren. Die vorliegenden Unterlagen weisen darauf hin, dass diese Aktivitäten sogar einen firmeninternen Projektnamen haben: „Tu Gutes“. Unter diesem Motto wurden die falschen Profile angelegt und zum Einsatz gebracht.

Die c’t‘ zitiert in diesem Zusammenhang aus einer der vorliegenden Mails von einer Person aus der Geschäftsführung, in der es heißt: „Ich werde alle paar Stunden ca. 30 Profile anlegen und die 1-2 Stunden lang alle paar Minuten 100 mal voten lassen“. Gehen wir mal davon aus, dass das Material nicht manipuliert ist, spricht eine solche E-Mail natürlich Bände. Im internen Firmensprachgebrauch werden diese Fake-Profile angeblich als Promoter bezeichnet. Auch ein Chatbotsystem - Chat Banana - soll im englischsprachigen Raum zum Einsatz gekommen sein.

Lovoo Verifizierung durchführen nicht möglich. Was kann man tun?*

Lovoo-Fake-Profile: Was hat das Unternehmen davon?

Die App, die für Android- und iOS-Nutzer kostenlos zu haben ist, will Geld mit In-App-Käufen verdienen. Dazu gibt es verschiedene Funktionen, für die man entweder Credits bezahlen muss bzw. VIP-Mitglied werden.

  • Top-Chat: Hierbei erhaltet ihr eine Nachricht, dass das Postfach des Empfängers überfüllt ist. Wenn ihr einen Top-Chat kauft, wird eure Nachricht eurem Gesprächspartner automatisch an erster Stelle angezeigt. Wenn also bei den hochinteressanten, aber leider nicht echten Profilen, der Posteingang immer voll ist, motiviert das mehr Menschen, sich die Top-Chat-Funktion zu gönnen. Schätzungen zufolge könnte dies ca. 5000 € täglich in die Kassen von Lovoo gespült haben.
  • Profil-Inhaber ohne VIP-Vertrag sehen von Besuchern ihres Profils nur einige Buchstaben des User-Namens und ein unkenntlich gemachtes Bild. Wer mehr wissen möchte, muss 20 Credits (ca. 26 Cent) bezahlen, um zu sehen, wer sich hinter dem Voting verbirgt. Ohne Abo eines VIP-Zugangs kann man mit Top-Chat-Käufen und der Freischaltung von verschleierten Bildern problemlos über 20 € im Monat in Lovoo investieren.
  • Fake-Profile erhöhen also den Anreiz, entweder gleich ein Jahresabo für 70 € abzuschließen oder von den kostenintensiven In-App-Angeboten vermehrt Gebrauch zu machen.

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